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Sachstandsbericht: Katastrophendatenlage zur Corona-Pandemie

Am Freitag um 12 Uhr legte die Expertenkommission der Bundesregierung eine Einschätzung zu bisherigen Landesbeschränkungen vor. Die Ampelkoalition erklärte sich bereit, die wissenschaftliche Bewertung abzuwarten, bevor sie über einen zusätzlichen täglichen Bedarf für den Herbst entscheidet. Für RKI-Chef Lothar Willer könnte die Zeitung bereits Konsequenzen haben: Kurz nach Veröffentlichung der Einschätzung wurde seine Entlassung gefordert, unter anderem von FDP-Vizevorsitzendem Wolfgang Kubicki. „Es ist unvermeidlich, dass Lauterbach RKI-Präsident Wieler als verantwortlich für diese Misere abtun wird“, sagte Kubicki von WamS.

Der lang erwartete Evaluierungsbericht geht auch auf den Prüfstand, wie mit kritischen Stimmen in Bezug auf die Corona-Maßnahmen umgegangen werden soll. In dem Bericht heißt es: „Jeder, der alternative (…) Ansätze vorschlug, wurde oft ohne ausreichende Diskussion entlassen. Ein erfolgreiches Pandemiemanagement ist ohne den offenen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten kaum vorstellbar (…).“

Wichtiger Satz aus der #Evaluation: „Wer alternative (…) Herangehensweisen vorschlug, wurde oft ohne ausreichende Diskussion abgewiesen. Ein erfolgreiches Pandemiemanagement ist ohne den offenen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten kaum vorstellbar (…).“

– Martin Hagen (@_MartinHagen) 1. Juli 2022

Die Gesundheitsminister der Bundesländer wollen sich am Freitag ab 14 Uhr auf einer Sonderkonferenz positionieren. Nach Angaben der Welt, die das Papier bereits gesehen haben will, lautete das Fazit der Einschätzung „allgemeine Zustimmung von Politik und RKI“. Die Datenlage ist unzureichend, politische Entscheidungen sind nicht transparent. Andererseits fand der Sachverständigenrat fast keine Belege für die Wirksamkeit der Maßnahmen während der Pandemiejahre.

„Während andere Länder Wege nutzten, um die Wirkung nicht-pharmazeutischer Maßnahmen abzuschätzen, wurde in Deutschland während der Corona-Pandemie eine koordinierte Begleitforschung weitgehend vermisst“, zitiert die Welt den Bericht. Es gebe keinerlei Forschungskonzept, „um (…) die anstehenden Entscheidungen in der Pandemie auf Basis besserer Daten und darauf basierender Analysen zu treffen“. Darüber hinaus haben die politischen Entscheidungsträger keine der bereits geplanten oder laufenden Studien versucht, „die dringendsten Kampfprobleme auf nationaler Ebene anzugehen“. Es gibt keine gemeinsam koordinierten Forschungsinitiativen. Auch das Angebot der gesetzlichen Krankenkassen, “ihre riesigen Datenbanken” zur Verfügung zu stellen, habe niemand angenommen.

Wirksamkeit von Koronarmaßnahmen: eine katastrophale Datenlage

Es weist auch darauf hin, dass in Deutschland „aktuelle Versorgungsdaten für wissenschaftliche Auswertungen nicht maschinenlesbar oder nur eingeschränkt oder mit erheblicher Zeitverzögerung verfügbar sind“. Zusammengenommen wird die Qualität des Krisenhandelns „beeinträchtigt“. Nun müsse man „als Gesellschaft“ mit dieser katastrophalen Datenlage fertig werden.

Die Kommission steht dem Tragen von Masken in Innenräumen grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings sagt er auch: „Eine generelle Empfehlung zum Tragen von FFP2-Masken lässt sich aus den bisher vorliegenden Daten nicht ableiten.“ Die Wirkung hänge auch vom Maskenträger ab: „Eine schlecht sitzende und locker sitzende Maske hat wenig bis gar keine Wirkung. “

Experten: Unprovoziertes Testen in Schulen verzerrt das reale Infektionsgeschehen

Christian Drosten hat sich unter anderem wiederholt für die Schließung von Schulen ausgesprochen. Allerdings wird die Entwicklung der Corona-Pandemie in der heute veröffentlichten Veröffentlichung sehr skeptisch betrachtet. “Die genaue Wirksamkeit von Schulschließungen bei der Begrenzung der Ausbreitung des Coronavirus” wird noch entdeckt. “Eindeutige wissenschaftliche Beobachtungen und Studien zu unbeabsichtigten Wirkungen” seien dagegen “nicht von der Hand zu weisen”. Damit ist zwar nicht bekannt, ob es durch die Schulschließungen gelungen ist, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, die Maßnahme verursacht aber massive Kollateralschäden. Die „Folgen dieser Maßnahme auf das psychische Wohlbefinden“ der Studierenden seien „enorm“, heißt es im Evaluierungsbericht.

Zudem warnen Experten, sich nicht von den angeblich hohen Inzidenzraten bei Kindern und Jugendlichen täuschen zu lassen. Viele Befürworter der Maßnahmen, Politiker und Virologen bestreiten die hohen Zahlen weiterhin. In dem Expertenartikel hieß es: „Unzumutbare Testung an Schulen“ bedeutet, dass „scheinbar höhere Infektionsraten“ ausgewiesen werden. Tatsächlich ist aber nur die „Dunkelziffer besser ausgeleuchtet“, d.h. es werden mehr Fälle gemeldet, die ohne einen Test nicht entdeckt worden wären. Wenn Sie Erwachsene genauso oft testen wie Schüler, haben Sie den gleichen Effekt.

Fazit: Nur kurzfristig positive Wirkung, viele Kollateralschäden

Ein weiteres Problem ist die Wirksamkeit von Lockdowns. Zwar hätten sie zunächst jeweils „kurzfristig positiv gewirkt“, aber „werden langfristig von der Bevölkerung weniger akzeptiert und verlieren ihre Wirkung“. “Die unbeabsichtigten Folgen”, das heißt. Kollateralschäden würden noch mehr wiegen. Experten zählen „den Anstieg häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder“, „den Anstieg psychischer Erkrankungen“ und „existenzielle Not“.

Dem Expertengremium, das sich je zur Hälfte aus Bundesregierung und Bundestag zusammensetzt, gehören Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen an. Die Auswertung zielt vor allem darauf ab, die Vorgaben im Kontext der „Seuchenlage von nationaler Bedeutung“ zu beleuchten. Diese vom Bundestag nach dem Infektionsschutzgesetz festgelegte Situation dauerte mehrere Monate bis Ende November 2021 und ermöglichte die Schließung zahlreicher Einrichtungen und die Erfüllung des Tagesbedarfs.

Lauterbach will am Nachmittag Berichte entgegennehmen

Die Kommission hat bereits signalisiert, dass eine “vollständige Bewertung aller Maßnahmen” erst Ende Juni erfolgen soll. Zudem wurden die Erwartungen, dass es konkrete Empfehlungen an die Politik geben wird, enttäuscht. In der Koalition pocht die FDP aber ausdrücklich auf die Evaluation als Voraussetzung für weitere Schritte. Für den Herbst muss eine Nachfolgeregelung gefunden werden, da die im Frühjahr stark reduzierten Corona-Bestimmungen im Infektionsschutzgesetz am 23. September als nationale Rechtsgrundlage auslaufen.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) will den Bericht am Nachmittag um 14.30 Uhr erhalten. Er hatte angekündigt, dass er und Justizminister Marco Buschmann (FDP) die Eckpunkte einer Herbstregelung noch vor der Sommerpause anstreben – sie könnten nach dem Sommer beschlossen werden. Der Bundestag macht am 8. Juli eine Pause und tritt in der Woche ab dem 5. September wieder zusammen. Lauterbach und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) machten deutlich, dass es wichtig sei, für den Herbst die richtigen „Winterreifen“ parat zu haben. Seit Anfang April sind die meisten alltäglichen staatlichen Auflagen entfallen.

Die Gewerkschaft ist besorgt über den Zeitplan. CDU-Gesundheitsexperte Tino Sorge bezeichnete in der „Augsburger Allgemeinen“ (Freitag) den Wunsch, nach der Sommerpause über die neuen Herbstregelungen zu entscheiden. Sorge sprach sich gegen weitreichende Einschnitte in die persönliche Freiheit zur Eindämmung des Virus aus. „Künftig müssen neue Grundrechtseingriffe wie landesweite Lockdowns oder die Schließung von Schulen und Kindergärten vermieden werden“, sagte Sorge.

„Maximale Ausgestaltung des Infektionsschutzgesetzes“

Bundestagsvizepräsidentin Catherine Göring-Eckard machte die FDP für den Zeitplan verantwortlich. „Ich halte es im Kampf gegen die Pandemie für nicht besonders verantwortungsvoll, auf ein Gutachten zu warten, um vorerst nichts unternehmen zu müssen“, sagte der Grünen-Politiker der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Freitag). ). Es wäre gut, noch vor den Sommerferien zumindest die Eckpunkte für einen Gesetzentwurf vorzulegen. „Meine größte Sorge ist, dass wir wieder in eine Situation geraten, in der hektisch Dinge auf den Tisch gelegt werden“, sagte Göring-Eckard.

Mediziner pochen darauf, dass das Infektionsschutzgesetz möglichst weit gefasst wird. „Als eines der letzten Mittel soll auch ein Lockdown möglich sein“, sagte der Vorsitzende des Bundesverbands der Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst, Johannes Nissen, den Zeitungen der Mediengruppe Funke (Freitag). „Im absoluten Notfall sollten die Landesregierungen in der Lage sein, Geschäfte und Schulen schnell wieder zu schließen“, fügte er hinzu.

Die Expertenkommission zu den bisherigen Corona-Maßnahmen ist nicht zu verwechseln mit dem Expertenrat der Bundesregierung, der bereits mehrere Stellungnahmen zu anstehenden Entscheidungen vorgelegt hat. Seit Ende April der Leiter der Virologie der Charité Berlin, Christian Drosten, seinen Rücktritt erklärt hat, herrscht Wirbel um die Kommission. Einer der Gründe ist, dass aus seiner Sicht die Ausstattung und die Zusammensetzung der Kommission nicht ausreichen, um eine qualitativ hochwertige Begutachtung gewährleisten zu können. Virologe Klaus Steur ersetzt Drosten auf Vorschlag der Union.

Gassen: “Völlig sinnlose Veranstaltung”

Eine neue Zwickmühle gibt es für Gesundheitsminister Lauterbach in der neuen zivilen Testverordnung. Ab Donnerstag sind sie nur noch für Risikogruppen und andere Ausnahmefälle kostenlos. Andernfalls wird eine Nachzahlung von drei Euro fällig. Die Kassenärztlichen Vereinigungen gaben in einem am Donnerstagabend bekannt gewordenen Schreiben bekannt, dass sie…