Einer der schillerndsten Beamten im Bundesbern wird seit einem Monat vermisst. Peter Launer (52), seit zehn Jahren Mediensprecher und einer der engsten Mitarbeiter von Bundesrat Alain Berset (50), hat Anfang Juni das Handtuch geworfen. Was ist passiert?
Sonderermittler Peter Marty (70) hat Lauener wegen des Verdachts der Verletzung von Dienstgeheimnissen observiert. Grund dafür ist eine Strafanzeige der Eidgenössischen Finanzkontrolle vom 13. November 2020, nachdem ein vertraulicher Untersuchungsbericht zur Affäre um manipulierte Verschlüsselungsgeräte der Crypto AG in die Medien gelangte. Die Bundesanwaltschaft (AB-BA) beauftragte Peter Marty mit der Untersuchung des Leaks.
Marty lässt seine Verdächtigen die Härte des Rechtsstaats erfahren. Er durchsuchte das Haus und beschlagnahmte Beweismittel.
Und nicht nur das: Wie eine Recherche des SonntagsBlick zeigt, wurde Marty Lauener festgenommen und in Zürich festgehalten – nach gut informierten Quellen mehrere Tage.
Dass die rechte Hand eines amtierenden Regierungsmitglieds im Gefängnis sitzt, ist im Nachkriegsstaat beispiellos und hat politische Sprengkraft.
Denn für Alain Berset ist die Signalwirkung verheerend. Schon jetzt steht der Gesundheitsminister durch die Corona-Pandemie unter Druck, dazu kam die Affäre mit dem Erpressungsversuch eines Ex-Liebhabers – und die wichtige Abstimmung zur AHV-Reform steht vor der Tür.
Das Letzte, was der Magistrat in Freiburg jetzt braucht, ist das Aufkommen politischer Intrigen und Intrigen, d.h. Regeln brechen, um an der Macht zu bleiben. „Was wusste der Chef?“, fragen Freund und Feind gleichermaßen.
Hinter den Kulissen wird viel über den harten Kurs von Peter Marty diskutiert. Einige Parlamentarier bezweifeln die Verhältnismäßigkeit des Verfahrens zur Anklage und fordern Rechtsgutachten. Im Ermittlungsumfeld hingegen steht fest: Hausdurchsuchungen sind in diesem Fall ebenso zulässig wie die vorläufige Festnahme, die beispielsweise bei dringendem Tatverdacht und Gefährdung angeordnet werden kann der Absprache.
Marty lehnte es ab, sich zu der Untersuchung zu äußern. Jedenfalls hat er gerade ein anderes Problem: Der Prozess ist blockiert, weil das beschlagnahmte Material versiegelt ist. Dazu können sich die Parteien bis Ende Juli äussern, dann entscheidet das Vollstreckungsgericht in Bern.
Einige Genossen des Sozialdemokraten Berset vermuten eine rechte Verschwörung. Die SVP-bezogene «Weltwoche» setzte den Bundesrat einem steten Trommelfeuer verschiedener Enthüllungen aus. Das Blatt enthüllte auch die wesentlichen Informationen über den vorliegenden Fall. Der Nationalrat GPK unter Führung seines damaligen Präsidenten, SVP-Mann Erich von Siebenthal (63), wirbelte mit seiner Anzeige auf. Und heute präsidiert SVP-Richterin Alexia Heine (53) die AB-BA, die wiederum den ehemaligen SVP-Kantonsrat in Zürich und den ehemaligen Oberrichter Peter Marty ernannte.
Das gegnerische Lager weist solche Spekulationen als Unsinn zurück und weist darauf hin, dass Marty von allen Parteien als ehrenwert geachtet wird – weder Berseths Innenministerium noch Peter Launer würden sich dazu äußern. Das ist die Unschuldsvermutung.
Forschungsnotizen
Haben Sie Anhaltspunkte für explosive Geschichten?
Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch
Haben Sie Anhaltspunkte für explosive Geschichten?
Schreiben Sie uns: recherche@ringier.ch
Add Comment