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Vierte Impfung für unter 60-Jährige: STIKO-Chef widerspricht Lauterbach

Bis: 15.07.2022 16:56

Gesundheitsminister Lauterbach empfiehlt die vierte Impfung für alle – und stößt damit auf einen Widerspruch mit STIKO-Chef Mertens: Er kenne keine Daten zur Begründung, sagt er. Kritik kommt auch aus der Koalition.

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO) hat sich gegen die breiten vier Impfungen für Jugendliche ausgesprochen und sich damit gegen die jüngste Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach gewandt. Ihm seien keine Daten bekannt, die eine solche Beratung rechtfertigen würden, sagte Thomas Mertens der Welt am Sonntag und fügte hinzu: „Ich finde es schlecht, medizinische Empfehlungen nach dem Motto ‚Viel hilft viel‘ auszusprechen.

Lauterbach hatte zuvor eine vierte Corona-Impfung für Menschen unter 60 Jahren empfohlen. “Wenn jemand den Sommer genießen und nicht riskieren möchte, krank zu werden, dann würde ich jüngeren Menschen nach Rücksprache mit dem Hausarzt natürlich eine Impfung empfehlen”, sagte der SPD-Politiker dem SPIEGEL. „Dann hat man einfach ein ganz anderes Sicherheitsniveau.“ Das langfristige Covid-Risiko werde „für einige Monate deutlich reduziert“, ebenso das Ansteckungsrisiko.

Kritik auch vom Koalitionspartner FDP

Kritik an der Empfehlung des Gesundheitsministers kam auch von der mitregierenden FDP. Generalsekretär Bijan Djir-Sarai sagt dem Portal t-online: „Ich denke, Herr Lauterbach ist gut beraten, bei Impfempfehlungen nicht mit der STIKO zu rechnen.“

Auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung äußerte sich kritisch. „Bei den Impfempfehlungen orientieren wir uns klar an der Ständigen Impfkommission“, sagte Vizepräsident Stefan Hofmeister: „Daran sollte sich jeder halten und nicht unnötig forcieren.“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz nannte es wenig hilfreich, dass der Minister auf die Empfehlung der STIKO warte. Generell sollte man sich vor Folgeimpfungen persönlich medizinisch beraten lassen, sagte Vorstandsmitglied Eugen Brysch. Das Alter ist nicht das Einzige, was zählt. „Vielmehr sollten Vorerkrankungen, individuelle Risiken und der Immunstatus berücksichtigt werden.

Ein angepasster Impfstoff wird im September erwartet

Lauterbach sagte, Impfentscheidungen seien immer eine Entscheidung zwischen Arzt und Betroffenen. STIKO “empfehlt nur allgemein”. Er riet auch Personen über 60 erneut, nicht auf Impfstoffe zu warten, die an neuere Varianten des Virus angepasst sind. Laut Ministerium ist mit einer ersten Vorbereitung Anfang September und einer zweiten Vorbereitung Ende September/Anfang Oktober zu rechnen.

Fachliche EU-Gremien haben sich kürzlich für eine weitere Auffrischung ab 60 Jahren ausgesprochen. Bisher empfiehlt die STIKO eine zweite Auffrischimpfung nur für Personen über 70 und einige andere Risikogruppen.

Laut RKI haben inzwischen fast 6,2 Millionen Menschen oder 7,5 Prozent der Bevölkerung eine zweite Auffrischungsimpfung mit der in der Regel erforderlichen vierten Impfung. Bei den über 60-Jährigen sind es 21,3 Prozent.

Der Global Medical Director stimmt Lauterbach zu

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holeczek folgte grundsätzlich der Empfehlung Lauterbachs zur vierten Impfung. Er finde die Ankündigung des Bundesgesundheitsministers aber “verheerend”, sagte der CSU-Politiker dem rbb.

Der Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe: „Der Gesundheitsminister hat recht – wir müssen jede Chance nutzen, um den Immunstatus der Bevölkerung zu verbessern.“ Aber die Grundimmunisierung sollte nicht vergessen werden. „Fast ein Viertel unserer Bevölkerung ist noch nicht geimpft.

Experten sind mit dem Vorschlag einer vierten Corona-Impfung für Personen unter 60 Jahren nicht einverstanden

Julia Cruz, RBB, Daily News um 20:00 Uhr, 15. Juli 2022

Gesundheitsminister Lauterbach empfiehlt zudem die vierte Corona-Impfung für unter 60-Jährige

Philipp Brost, ARD Berlin, 15.07.2022 15:25 Uhr