Stand: 17.07.2022 15:19 Uhr
Die Nachfrage nach Brennholz ist höher denn je – und damit auch der Preis. Immer mehr Menschen wollen sich für den Winter eindecken, aber die Hersteller können immer weniger anbieten.
Nils Klahold freute sich darauf, in diesem Jahr all seine Aufträge entspannt abwickeln zu können. Seit über 20 Jahren vertreibt er mit seinem Familienbetrieb in Velmar Brennholz für den Raum Kassel. Doch jetzt will Klahold nicht mehr an das ständig klingelnde Telefon gehen. Denn er muss immer mehr Kunden abweisen. Und weil immer mehr Kunden panisch reagieren.
Seit der russischen Invasion in der Ukraine ist die Nachfrage nach Brennholz ohnehin gestiegen – und seit vergangener Woche von einem Handelsgut zu einem knappen Gut geworden. Seit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck angesichts reduzierter Gaslieferungen aus Russland vor einem strengen Winter gewarnt habe, sei die Nachfrage sprunghaft angestiegen, sagt Klahold. Er bekommt täglich bis zu 50 Anrufe von Leuten, die sich mit Holz für den von Habek angekündigten bitteren Winter wappnen wollen.
Die Läden der Händler sind fast leer
„Brennholz ist das neue Klopapier“, sagt Klahold. Immer mehr Menschen möchten es speichern. „Aber diesen Bedarf können wir einfach nicht mehr decken, wir bekommen selbst keinen Nachschub mehr.“ Dass die Lagerflächen der Brennholzhändler nahezu leer stehen und die Produktion von Neuware kurzfristig nicht realisierbar ist, habe viele Gründe beim Industrieverband Haus-, Heizungs- und Küchentechnik (HKI) aus Frankfurt und dem Bundesverband Brennholzhandel und Brennholzerzeugung (BuVBB).
Auch die Nachfrage nach Kaminöfen wächst stark
Sie strahlen wohlige Wärme aus, sind aber aufgrund der hohen Feinstaubbelastung ökologisch umstritten. Doch steigende Energiepreise und die große Ungewissheit, ob es im nächsten Winter zu einem Frost kommt, halten die Ofenbauer am Telefon.
“Als der Krieg ausbrach, explodierte die Nachfrage”, so der Zentrale Sanitär-, Heizungs- und Klimaverband. Dadurch ergibt sich eine Wartezeit von bis zu einem Jahr. Allerdings gibt es noch andere Gründe für die Lieferschwierigkeiten: Der Personalmangel nach der Pandemie und die Lieferung von Komponenten aus dem Ausland klappt nicht immer. Viele Teile kommen aus China.
Sie werden in der Regel lange im Voraus bestellt
„Das liegt zum einen an der Beschaffung des Rohstoffs aus dem Wald, da dieser meist Monate im Voraus bestellt wird“, sagte Klaus Egli, der erste Vorsitzende des BuVBB. „Andererseits können vorhandene Rohstoffe nicht kurzfristig und in unendlichen Mengen produziert werden.“ Eine kurzfristige Versorgung sei daher kaum möglich. Die logische Konsequenz: Was seltener und begehrter wird, wird auch teurer.
„Bei einer ordentlichen Marge sollten wir zwischen 160 und 180 Euro pro Schüttraummeter verlangen“, sagt Holzhändler Klahold, der derzeit 130 Euro pro Schüttraummeter trockenes Holz verlangt. Im Vorjahr kostete der gleiche Betrag 80 Euro.
Übrigens ist es keine logische Konsequenz, dass Klahold dadurch mehr verdient. Als Team hatten sie “ernsthafte Gedanken” darüber, wie sie ihre Preise festlegen sollten, sagt er. Klar ist, dass sie ihre gestiegenen Kosten für Rohholz, dessen Produktion und Transport an die Kunden weitergeben müssen. „Wir sehen uns aber auch in einer sozialen Situation“, sagt Klahold, „wir wollen die Menschen mit Brennholz versorgen.“
Auch wenn die Marge dafür trotz steigender Verkaufspreise sinkt. Klahold nimmt keine Neukunden mehr an. Er versucht, das Holz, das er noch hat, gerecht zu verteilen. Stammkunden, die zum Beispiel sieben oder acht Meter Brennholz bestellt haben, bekommen jetzt fünf Meter.
Schussstopp als „großes Problem“
„Der Preisanstieg beruht vor allem darauf, dass Brennholz ein sogenannter Ersatzrohstoff ist und Öl oder Gas ersetzen kann“, sagt Frank Kienle, Geschäftsführer der HKI. Und als die Öl- und Gaspreise massiv stiegen, zogen die Lieferanten nach und erhöhten auch die Brennholzpreise. „Da aber ein Kubikmeter Hartholz den Heizwert von etwa 200 Litern Heizöl hat, ist Brennholz beim derzeitigen Preisniveau immer noch rund 40 Prozent günstiger als Gas und Heizöl“, sagt Kienle. Was die plötzliche Popularität des Produkts erklärt.
Klahold erklärt, dass es mit dem sogenannten Buchenmoratorium von Hessenforst, dem Eigentümer der größten Waldflächen in Hessen, knapp bleiben werde. Das Hessische Umweltministerium hat es mit der Auflage erlassen, dass die Bewirtschaftung von über 100-jährigen Buchenbeständen in bestimmten Gebieten nur dann zulässig ist, wenn sie der Verkehrssicherheit dient.
„Dieser Schockstopp ist ein ganz großes Problem“, sagt Klahold, selbst Förster. Für ihn und alle anderen, die im und mit dem Wald arbeiten, hat der Naturschutz oberste Priorität – „er darf aber nicht dazu führen, dass ganze Flächen aufgegeben werden und dort die Buchen nutzlos absterben“.
Auch die vom Wind entwurzelten Bäume dürfen nicht mehr gefällt werden, ebensowenig die kranken Bäume, die sogenannten Kalamitäten. „Das übt enormen Druck auf die zur Verfügung stehende Menge aus“, sagt Klahold. Daher besteht er darauf, dass aufgrund der entstandenen Situation überlegt werden sollte, das Moratorium für Buche auszusetzen. “Wenigstens müssen der Wind und die Katastrophen besiegt werden.”
Hessenforst will die Mengen erhöhen
„Brennholz haben wir in der Regel genug“, sagt Benjamin Krug, Leiter Rohholzverkauf bei Hessenforst. Dürreschäden in den letzten Jahren in Verbindung mit dem Moratorium für Buchen haben jedoch die Menge begrenzt, während die Nachfrage schnell gestiegen ist. Der Hessenforst hat die Aufgabe, die Wälder zu schützen, sorgsamer mit den Buchenbeständen umzugehen, damit nach den Schäden durch die Dürre kein Wald mehr abstirbt.
Ab Herbst, wenn die Vegetationsphase endet, werden in den jungen und mittelalten Plantagen Pflegeprogramme durchgeführt, d.h. das Unterholz wird entfernt. „Ab September werden wir versuchen, die Lieferungen zu steigern“, sagt Krug. Es kommt aber auch auf eine kluge Verteilung der Vorräte an, Brennholz muss zugeteilt werden. „Mit zehn Metern kommt jeder Haushalt gut durch den Winter“, sagt Krug. „Was wir verhindern wollen, sind Hamsterkäufe.“ Unnötige Bevorratung würde den Markt noch weiter antreiben.
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