Bis: 20.07.2022 17:49
Der britische Außenminister Truss und der frühere Finanzminister Sunak treten in einer Stichwahl als Nachfolger des scheidenden britischen Premierministers Johnson an. Die Tory-Abgeordneten haben bis zum 5. September Zeit, um abzustimmen.
Nachfolger des britischen Premierministers Boris Johnson werden der frühere Finanzminister Rishi Sunak und Außenministerin Liz Truss. Die beiden Politiker erhielten in der konservativen Fraktion die meisten Stimmen. Handelsministerin Penny Mordaunt erhielt die wenigsten Stimmen und lag nur acht hinter Truss.
Wie weit rechts sind die Tories?
Sunak erhielt 137 Stimmen und galt vielen Beobachtern als Favorit. Allerdings ist der 42-Jährige, der auch an die Parteimitte appelliert, innerlich widersprüchlich. Vor allem der rechtskonservative Flügel um Truss wirft Sunak vor, für die größten Steuererhöhungen seit Jahrzehnten verantwortlich zu sein.
Außenministerin Truss hatte 113 Stimmen, aber in früheren Wahlgängen war sie immer hinter dem ehemaligen Entwicklungshilfe- und Verteidigungsminister Mordaunt, der lange als Favorit der Parteibasis galt, auf dem dritten Platz gelandet. Sie hat sich als vehemente Verfechterin des Brexit einen Namen gemacht und viel Unterstützung aus der Parteibasis erhalten. Als einzig verbliebene Vertreter des rechten Flügels dürfte der 46-jährige Truss bereits gute Karten haben.
„Wahlkampf im Sommer“, Annette Dieter, ARD London, über Johnsons Nachfolge
Tagesau 17:00, 20.07.2022
Die Stimmen der Parteibasis
Die Wahl von Johnsons Nachfolger liegt nun bei rund 200.000 Parteimitgliedern. Sie müssen per Briefwahl entscheiden, damit am 5. September ein neuer Parteivorsitzender gewählt werden kann. Die Rolle umfasst dann auch die Position des Regierungschefs. Am 25. Juli trafen Sunak und Truss in einem von der BBC übertragenen Fernsehduell aufeinander.
Die Abstimmung wurde notwendig, da Amtsinhaber Johnson vor zwei Wochen nach einer Reihe von Skandalen unter enormem Druck seiner eigenen Regierung und parlamentarischen Fraktion als Parteivorsitzender zurücktrat.
Große Herausforderungen
Die Herausforderungen, die auf den Nachfolger warten, sind enorm: Vor allem der Druck der explodierenden Inflation ist enorm. Die Inflation ist mit 9,4 Prozent die höchste seit 40 Jahren, für den Herbst wird mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Heizkosten gerechnet.
Es gibt auch einen internen Streit. Viele Parteimitglieder werfen Premierminister Johnson vor, mit seinen ständigen Lügen und falschen Versprechungen das Vertrauen der Torys zu untergraben. In den Meinungsumfragen liegt die größte Oppositionspartei Labour vorn und auch in ihren Hochburgen haben die Konservativen zuletzt schwere Ausfälle hinnehmen müssen.
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