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Die Schriftstellerin Lotte Engrish ist im Alter von 92 Jahren gestorben

Engrish wurde am 20. Juli 1930 in Wien als Charlotte Gruber geboren. Von 1949 bis 1965 war sie mit dem Philosophen Hugo Ingrich verheiratet und veröffentlichte in dieser Zeit unter dem Pseudonym Tessa Tuvari drei Light Novels. Größeren Publikumserfolg erzielte sie mit ihren eingängigen Stücken, meist Einaktern, darunter Berühmte Damen und Vanillekipferln, die im Akademischen Theater aufgeführt wurden. Mitte der 1960er Jahre lernte sie den Komponisten Gottfried von Einem kennen, den sie 1966 heiratete.

Die mit konzipierte Mysterienoper Die Hochzeit Jesu sorgte bei ihrer Uraufführung 1980 im Theater an der Wien wegen “blasphemischer Textpassagen” für einen Skandal. Die dort bereits vorgestellte Idee der Einheit von Leben und Tod manifestierte sich in der Folge in Engrishs esoterischen, sehr persönlichen Texten der 1980er Jahre, den Bestsellern Reiseführer ins Jenseits (1980), Nachtbuch (1986) und mehr vor allem in diesem „Donnertagebuch“. (1988), das ihr der 1986 verstorbene Wiener Stadtrat Jörg Maute “von jenseits diktiert” habe.

Mit der Kinderoper „Tullifant“ und „Lucifer’s Smile“ folgten zwei weitere gemeinsame Werke des Paares. 1993 gründete der Grenzgänger die „Schule der Unsterblichkeit“, um den Menschen die Todesangst zu nehmen: „Sterben für Anfänger“, „Sterben für Fortgeschrittene“ und „Spirit-Etikette“ sind Beispiele aus dem Lehrplan. Nach eigenen Angaben unterhielt sich Engrish nicht nur mit Hexen, Hausgeistern, Feen und Engeln, sondern auch mit ihrem 1996 verstorbenen Mann. 1997 veröffentlichte sie ihre Dialoge mit von Einem unter dem Titel „Rat and Bear Lady – Die Jenseitsreise des Gottfried von Einem“, 2004 folgte ihre Physik des Jenseits.

Engrish widmete auch die Gottfried von Einem-Stiftung der Ehre ihres Mannes und der Pflege seiner Arbeit. Sie schenkte das Haus in Oberdürnbach, in dem von Einem seinen Sonnenuntergang verbrachte, der niederösterreichischen Gemeinde Meissau. Seit 1999 ist die Gedenkstätte auch Schauplatz der jährlich stattfindenden „Gottfried von Eine Tage“. 2002 erhielt der Schriftsteller das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse, vier Jahre später das Goldene Verdienstzeichen des Landes Niederösterreich.

Neben Bundespräsident Van der Bellen, nach dem Ingrish als “einzigartige und unverwechselbare Künstlerin und als sensibler und humorvoller Mensch” in Erinnerung bleiben wird, war auch Kulturstaatssekretärin Andrea Meyer (Grüne) besorgt. Sie lobte Ingrish als „vielfältigen Schriftsteller“, der den Tod als einen natürlichen Teil des Lebens betrachte. Für Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) habe sie „mit ihren Worten immer wieder beeindruckt“.

„Mit ihrem unnachahmlichen Stil bereichert die vielseitige Schriftstellerin Lotte Engrish seit Jahrzehnten das kulturelle Leben Wiens und Österreichs“, sagte die verstorbene Wiener Kulturstadträtin Veronika Kaup-Hassler (SPÖ). SPÖ-Kultursprecherin Gabriele Heinisch-Hosek stellte die „sehr humorvolle und interessante Persönlichkeit“ fest, „die sich auf ganz besondere Weise mit dem Tod auseinandergesetzt hat“. Auch Green Culture-Sprecherin Eva Blimlinger erinnert sich an Engrish: „Sie konnte Menschen unterhalten, aber auch ernsthafte Diskussionen zu den unterschiedlichsten Themen anstoßen und führen.“