Stand: 13.08.2022 15:50 Uhr
Wer Gras raucht, Auto fährt und kontrolliert wird, galt bisher als nicht fahrtauglich, wenn die Droge im Blut nachgewiesen wurde – auch wenn der Konsum schon lange zurückliegt. Experten arbeiten nun daran, die THC-Grenze anzuheben.
In der Cannabis-Legalisierungsdebatte fordern Experten eine Anhebung des THC-Grenzwerts im Straßenverkehr. Die bisherige Beschränkung bestrafe auch Personen, die nach dem Konsum von Cannabis bereits fahrtauglich seien, hieß es. THC ist die psychoaktive Verbindung in Cannabis.
„Der bisherige Grenzwert für die THC-Konzentration ist nicht gut, weil er keine Aussage über die Fahruntüchtigkeit gibt“, sagte Andreas Kramer vom Deutschen Anwaltsverein. Wie beim Alkohol sollte der Wert so angesetzt werden, dass nur betrunkene Fahrer bestraft werden. Ein Drogentrip geht derzeit von einem Nanogrammwert aus – der kleinstmöglichen zuverlässig nachweisbaren Konzentration.
Diese Einschränkung dürfte Personen benachteiligen, die mehr als einmal pro Woche zum Vergnügen Cannabis konsumieren – „selbst wenn sie mit dem Autofahren lange genug warten“, ergänzte Stefan Tönes, Leiter der Forensischen Toxikologie an der Universität Frankfurt.
Forschung: Schaden schon ab zwei Nanogramm
Das Problem ist, dass es bei Cannabis im Gegensatz zu Alkohol keine festen wissenschaftlichen Schwellenwerte gibt, ab denen man als fahruntüchtig gilt. „Anders als Alkohol wirkt Cannabis auf verschiedene Menschen sehr unterschiedlich“, sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.
Er plädiert für einen Grenzwert von drei Nanogramm THC pro Milliliter Blut. Laut dem Deutschen Anwaltverein zeigen Studien, dass bereits zwei bis vier Nanogramm THC zu Beeinträchtigungen führen können.
Thema am Tag der Verkehrspolizei
Kommende Woche beteiligen sich Experten an einem Arbeitskreis zum Thema beim Straßengerichtstag, der am Mittwoch in Goslar stattfindet. Der Jahreskongress ist einer der wichtigsten Treffen von Verkehrssicherheitsexperten in Deutschland. Es schließt am Freitag mit Empfehlungen an den Gesetzgeber.
Der Vorsitzende des Vereins gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr Helmut Trentmann geht davon aus, dass die Freisetzung von Cannabis die Zahl der Fahrten unter Cannabiseinfluss erhöhen wird. Er fordert daher unter anderem eine breite Aufklärung aller Verkehrsteilnehmer. Zudem soll die Alkohol- und Drogenkontrolle im Straßenverkehr verstärkt werden.
Wegen der teilweise unklaren Dosis-Wirkungs-Beziehung will der ADAC an der Ein-Nanogramm-Grenze festhalten. „Die Verkehrssicherheit sollte nicht verhandelbar sein“, sagte ein Sprecher.
Das Datum der Legalisierung ist noch nicht klar
Die Bundesregierung ist derzeit dabei, die im Koalitionsvertrag vereinbarte Legalisierung von Cannabis umzusetzen. Noch kein Datum. Die meisten Staaten verzichten mittlerweile auf eine strafrechtliche Verfolgung des Besitzes kleiner Mengen Cannabis.
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