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Batterien: Problematischer Betrieb mit Lithium

In den südamerikanischen Anden, auf etwa 4.000 Metern über dem Meeresspiegel, kommt Lithium in Salzseen und Wüsten vor. 59 % der weltweiten Ressourcen befinden sich im „Lithium-Dreieck“ Argentinien, Chile und Bolivien. Seit Jahrzehnten sind internationale Bergbauunternehmen in der Region aktiv. Der Ausbau erneuerbarer Energien hat das Interesse an Lithium erhöht.

Millionen Liter Wasser müssen verdunstet werden, um Lithium aus dem Untergrund von Salzseen zu gewinnen. Die Folgen für das Ökosystem seien nicht absehbar, weil es dazu im Wesentlichen keine unabhängigen Studien gebe, kritisiert der Wirtschaftsgeograph Dorn von der Universität Innsbruck. Ein Großteil der Forschungsarbeit war größtenteils das Ergebnis von Umfragen, die von den dort tätigen Bergbauunternehmen in Auftrag gegeben wurden. Die Region ist seit Jahrhunderten von indigenen Gemeinschaften bewohnt. Ihre Lebensweise ist durch den intensiven Lithiumabbau der Unternehmen geprägt.

Felix Dorn/Bajo La Sal Der Lithiumabbau im kleinen Maßstab wird von lokalen Gemeinden betrieben, wie Ariel Alankai erklärt

“Nein zu Lithium, ja zu Wasser und Leben”

In den argentinischen Provinzen Jujuy, Salta und Catamarca leben indigene Gruppen hauptsächlich von Viehzucht und kleinbäuerlicher Subsistenzwirtschaft. Der enorme Wasserverbrauch, der durch die Lithiumgewinnung der Bergbauunternehmen verursacht wird, trocknet das Grasland aus. Die Wanderwege sind unterbrochen. Unter dem Motto „Nein zu Lithium, ja zu Wasser und Leben“ haben die Gemeinden von Salinas Grandes in den vergangenen Jahren zu Protesten aufgerufen.

Doch hinter dem Stichwort Wasser steckt noch viel mehr, wie Dorn bei seinen Forschungsaufenthalten in Argentinien herausfand. Es geht um Mitspracherechte und Selbstbestimmung. In Zusammenarbeit mit dem Regisseur Emiliano Bazzani entstand der Dokumentarfilm „Bajo la sal“ (deutsch: „Unter dem Salz“), der die Perspektive lokaler Gemeinschaften beleuchtet.

Von der Regierung aufgegeben

Kritik an den Kommunen richtet sich nicht nur an die Unternehmen, sondern auch an die Regierung. Bergbauunternehmen genießen in Argentinien Steuervorteile. Auf den Umsatz müssen nur drei Prozent Mining-Gebühren gezahlt werden. Der Wasserverbrauch wird überhaupt nicht besteuert. „Was wir hier sehen, ist eine ungleiche Verteilung von Gewinnen einerseits und Umweltrisiken andererseits; Gewinne zugunsten internationaler Unternehmen und Umweltrisiken zu Lasten der lokalen Gemeinschaften vor Ort“, fasst Dorn zusammen.

Die Regierung kann nicht vermitteln. Das Eigeninteresse des Unternehmens, durch den Lithium-Boom eine wichtige Rolle in der Weltwirtschaft zu spielen, überwiegt. Der größte Teil des Lithiums wird jedoch für die Batterieproduktion nach Asien und Europa exportiert.

Felix Dorn/Bajo La Salle Wirtschaftsgeograph Felix Dorn stellt grundlegende Fragen zur Elektromobilität

Aussehen im Felsen

Lithium ist ein chemisches Element, das in seiner reinen, metallischen Form nicht in der Natur vorkommt. Große Vorkommen gibt es zum Beispiel in Australien und China. Gesteine ​​sind im konventionellen Bergbau der Rohstoff, in dem Lithium in geringen Mengen in Mineralien enthalten ist. Dazu gehört das Mineral Spodumen mit einem Lithiumgehalt von einem bis maximal fünf Prozent.

Lithium muss durch chemische Prozesse aus dem Mineralgestein entfernt werden, erklärt der Geologe Frank Melcher von der Montanuniversität Leoben. Dies kann manchmal umständlich sein. Auf jeden Fall bleibt viel Material übrig, das entweder wieder in die Mine zurückgebracht werden muss oder anderweitig, zum Beispiel in der Bauindustrie, verwendet werden kann.

Lavantaler Lithium

In Europa könnten die Kärntner Korallen in den nächsten Jahren zu einem der wichtigsten Bergbaugebiete werden. Seit 2011 gehört der Bergbaustandort einschließlich der Schürfrechte der European Lithium Company. Dahinter steckt der australische Bergbaukonzern Global Strategic Metals.

Exploration, Testbohrungen und Machbarkeitsstudien sind im Gange. Technisch gesehen könnte der Abbau von europäischem Lithium im Jahr 2024 beginnen. Laut European Lithium soll in der Region eine Fabrik gebaut werden, um 10.000 Tonnen Lithiumhydroxid pro Jahr weiterzuverarbeiten und zu produzieren.

Felix Dorn/Bajo La Salle Yanina Flores aus Argentinien erzählt, wie ihre Felder durch den industriellen Lithiumabbau versiegen

Auch in Kärnten

Günther Valant, Bürgermeister von Frantschach/St. Gertraud (SPÖ), beantragt eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) im Hinblick auf die Pläne von European Lithium, Koralpe abzubauen. Frank Melcher (Montanuni Leoben) schätzt die Umweltrisiken des Abbaus als gering ein, da das Lithiumerz keine giftigen Metalle oder Schwefel enthält. Eine UVP würde überhaupt nicht schaden. Der Transport großer Gesteinsmengen ins Tal führt jedoch zu einer massiven Staub- und Lärmbelastung. Auch dies kann im Rahmen der UVP geklärt werden. Alternativen zum Lkw-Transport seien zu prüfen, etwa der Bau einer Seilbahn, ergänzt Melcher.

Ob es eine UVP geben wird, bleibt abzuwarten. Da es derzeit kein konkretes europäisches Lithium-Mining-Projekt gibt, könne eine offizielle UVP vom Land Kärnten nicht beantragt werden, so Valant. Darüber hinaus ist eine UVP nur für Verfahren mit einer Größe von mehr als zehn Hektar obligatorisch. Im aktuellen Fall seien es etwa 9,9 Hektar, sagt Valant und kritisiert die Fokussierung der Behörden auf solche Formalitäten. Zu wenig wird durch tatsächliches Urteil beurteilt.

Energiewende: Zwischen Ersatz und Reduktion

1991 stellte Sony seine wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Akkus vor. Seitdem hat die Suche nicht aufgehört. Neben Akkus für Handys und Laptops wird Lithium vor allem zum Ausbau der Elektromobilität eingesetzt. Die Global Battery Alliance rechnet mit einer Vervierzehnfachung der Batterieproduktion bis 2030. Lithium steht in direktem Zusammenhang mit der notwendigen Energie- und Mobilitätswende. Das Elektroauto soll in den kommenden Jahrzehnten den Verbrennungsmotor ersetzen. Dies legitimiert den Lithiumabbau. Aus europäischer Sicht stellt sich die Frage, woher das Lithium kommen soll.

Derzeit liegen die Importe nach Europa bei über 80 Prozent. Melcher sieht Nachholbedarf bei Investitionen in Forschung und damit verbundene Forschungsprojekte in Europa Die Europäische Kommission will die Abhängigkeit von Importen verringern. Dass die Arbeit an der Koralpe von australischen Akteuren geleitet wird, verdeutlicht die Widersprüche des Lithium-Booms.

Dorn hingegen wirft eine grundlegendere Frage auf. Die weitere Inwertsetzung natürlicher Rohstoffe reiche seiner Meinung nach nicht aus, um die Energiewende sozial gerecht zu gestalten. Sie löst auch nicht die strukturellen Probleme des Individualverkehrs. Als Hauptverursacher der Klimakrise muss der globale Norden mehr darüber nachdenken, das derzeitige Wirtschaftsmodell zu reduzieren und zu transformieren.