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Steuervergünstigungsdebatte: Warum Ampeln über Dienstwagen diskutieren

Analyse

Stand: 24.08.2022 14:19 Uhr

Die Ampel debattiert über die Besteuerung von Dienstwagen. Wer will was in der Debatte? Was hat das mit dem 9-Euro-Ticket zu tun – und warum spricht die FDP von „linker Rahmung“?

Von Lothar Lenz, ARD-Hauptstadtstudio

Für Christian Lindner ist der Begriff selbst ideologisch konnotiert: „Dienstwagenprivileg“. Wenn die Grünen oder Umweltverbände vom sogenannten Dienstwagenprivileg sprechen, dann sei das “linke Rahmung”, sagt der Finanzminister. Manipulative Wortwahl.

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Weder Lindner noch seine FDP-Partei sehen einen Anlass, die bestehenden Steuerregeln für Dienstwagen zu ändern. Im Zuge der Gerechtigkeits- und auch Klimadebatte formiert sich jedoch zunehmend politischer Widerstand gegen diese Haltung der Liberalen.

Statussymbol für das Firmenkonto

Viele Arbeitgeber stellen ihren Mitarbeitern Dienstwagen zur Verfügung – oft ist das Auto Mittel zum Zweck, zum Beispiel für Außendienstmitarbeiter, die mit dem Auto zu Kunden kommen. Höhere Positionen in bestimmten Unternehmen sind dagegen oft damit verbunden, dass das repräsentative Fahrzeug Teil des Jobs ist – ein Statussymbol auf Kosten des Unternehmens.

Sobald der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer erlaubt, den Dienstwagen privat zu fahren, interessiert sich das Finanzamt: Denn dann wird das Auto für den Arbeitnehmer zu einem geldwerten Vorteil – d.h. effektiv eine Zulage zu seinem Gehalt.

Steuerstreit

Das Einkommensteuergesetz sieht vor, dass der Arbeitnehmer pauschal ein Prozent des Neupreises des Autos pro Monat versteuern muss – ebenso wie eine geldwerte Abfindung. Bei einem 50.000-Euro-Mittelklassewagen wären das 500 Euro im Monat, auf die der Arbeitnehmer Steuern und Versicherungen zahlen muss (wenn er so gut verdient, dass er über der Bemessungsgrenze liegt, sind nur Steuern fällig).

Diese Bestimmung wird meist als „Dienstwagenprivileg“ bezeichnet, dh. ein besonderes Privileg, denn der tatsächliche wirtschaftliche Vorteil für den Arbeitnehmer dürfte höher als ein Prozent der Anschaffungskosten des Neuwagens sein: Denn viele Gebrauchtwagenkosten, wie z Abschreibungen, Reparaturen und oft zahlt der Arbeitgeber das Tanken. Wäre der private Firmenwagen kein gutes Geschäft, würden die meisten Betroffenen ihn wohl ablehnen.

Der wahre Preis

Tatsächlich geht das Umweltbundesamt davon aus, dass der geldwerte Vorteil eines privat genutzten Dienstwagens tatsächlich das Doppelte eines Prozents des Listenpreises beträgt. Mit anderen Worten, der Staat, d.h. alle Steuerzahler, subventioniert privat genutzte Dienstwagen (unter denen sich, wie Umweltschützer betonen, auch überproportional viele Spritfresser und SUVs befinden).

Viele sehen das nicht mehr als relevant an – die Grünen im Bundestag, aber neuerdings auch die Wirtschaftswissenschaftlerin Veronika Grimm, halten das „Dienstwagenprivileg“ für eine klimaschädliche Subvention, die die wahren Kosten des Autofahrens verschleiert.

Geld für das Ticket ab 9 Euro

Beobachter schätzen, dass die Dienstwagenregulierung den Fiskus jährlich drei bis fünf Milliarden Euro kostet – das Geld würden die Grünen zum Beispiel lieber in die Fortführung des 9-Euro-Tickets für den Nahverkehr stecken. Sie plädieren für eine deutlich höhere Besteuerung privat genutzter Dienstwagen – etwa in Relation zum CO2-Ausstoß des jeweiligen Fahrzeugs.

Der Gesetzgeber hat längst eine Ökosteuer eingeführt: Bei Dienstwagen mit Elektroantrieb beträgt der geldwerte Vorteil für die Eigennutzung nur noch ein Viertel Prozent des Neupreises; für Hybridfahrzeuge gilt ein halbes Prozent pro Monat. Daher ist das eigene Fahren eines solchen Dienstwagens für die Mitarbeiter deutlich günstiger.

Firmenwagen sind übrigens ein gutes Geschäft für die deutsche Autoindustrie: Knapp eine Million Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr auf ein Unternehmen zugelassen – etwa jede dritte Neuzulassung. Darunter sind aber auch viele Kleinwagen, etwa für medizinische Dienstleistungen. Der Begriff „Dienstwagenprivileg“ bezieht sich vermutlich auf Firmenlimousinen, die für Geringverdiener unerreichbar bleiben.

Stichwort – Der Streit um das Dienstwagenprivileg

Lothar Lenz, ARD Berlin, 24.08.2022 14:54 Uhr