Länder müssen eine Linie finden Städte und Gemeinden drängen auf einen Nachfolger der 9-Euro-Tickets
26.08.2022, 04:35 Uhr
Das 9-Euro-Ticket war in den letzten Monaten sehr beliebt – und die Rufe nach einem Nachfolger mehren sich. Nun drängt der Gemeindebund auf eine Konferenz der Verkehrsminister.
Im Vorfeld einer Sonderkonferenz der Landesverkehrsminister fordern deutsche Städte und Gemeinden eine zügige Ablösung des in der kommenden Woche auslaufenden 9-Euro-Tickets. „Ziel sollte ein durchgängig günstiges Einzelticket sein, beispielsweise eine Jahreskarte von 365 Euro“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebundes Gerd Landsberg der Augsburger Allgemeinen. Landsberg warnte vor längeren Diskussionen.
„Der Deutsche Städte- und Gemeindebund erwartet, dass die Bundesländer endlich Schluss mit der Polyphonie machen und sich auf eine einheitliche Linie einigen, wie die Verkehrswende vollzogen werden soll“, sagte Landsberg. Dazu gehört ein Ende des „Tarif-Dschungels“ im öffentlichen Nahverkehr und ein „nationales Einheitsticket“, forderte Landsberg. Eine Fortführung des 9-Euro-Tickets sei allerdings „kaum zu finanzieren“.
„Darüber hinaus müssen die Länder nachhaltige und langfristige Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr organisieren“, forderte Landsberg. „Wir brauchen mehr Busse, mehr Züge und mehr Schienenverkehr, um mehr Pendler für den ÖPNV zu gewinnen“, betonte er. „Allerdings müssen wir uns auch von der Illusion verabschieden, dass diese Ziele kurzfristig erreichbar sind. Der notwendige Ausbau wird Jahre, wenn nicht Jahrzehnte dauern.“
Allerdings sollten die Verkehrsminister das Thema nicht auf die lange Bank schieben. „Wichtig ist jetzt ein klares Signal der Länder, dass es endlich losgeht“, betonte Landsberg. „Natürlich sollte auch der Bund an einer gemeinsamen Lösung beteiligt sein und sich an der Finanzierung beteiligen, die auch die gestiegenen Energiepreise umfassen sollte“, erklärte der Geschäftsführer des kommunalen Spitzenverbandes. „Dazu wird die Bundesregierung eher bereit sein, wenn sich die Länder jetzt auf eine einheitliche Linie einigen“, warnte Landsberg vor einem schnellen Kompromiss zur Zukunft des Regional- und Nahverkehrs. „Auch in der Verkehrspolitik müssen wir langfristig und nachhaltig handeln, statt ständig neue Ideen zu diskutieren.
Scholz ist grundsätzlich dafür
Am Vormittag beraten die Verkehrsminister der Bundesländer per Videoschalte über die Folgen der Energiepreiserhöhung für den ÖPNV. Bundesverkehrsminister Volker Vissing wird an der Konferenz nicht teilnehmen. Es gehe darum, eine gemeinsame Position mit der Bundesregierung zu finden, sagte ein Sprecher von Bremens Mobilitätssenatorin Maike Schäfer, die derzeit die Verkehrsministerkonferenz leitet.
Bundesländer benötigen wegen hoher Energiekosten zusätzliche Mittel vom Bund. Verkehrsverbänden gingen Einnahmen verloren, da während der Corona-Krise – analog zum Corona-Rettungsschirm – nun ein „Energie-Bailout“ erfolgen solle, sagte Schäfers Sprecher. Dabei soll es auch um mögliche Folgeregelungen für das 9-Euro-Ticket gehen.
Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich grundsätzlich zu einem Empfänger der 9-Euro-Ticket-Regelung bekannt. Auch wenn es aus Kostengründen so nicht weitergehen kann, muss es ein neues Angebot geben, das das Prinzip der Ticket-Einfachheit grundsätzlich aufgreift. „Wir haben entschieden, dass wir etwas entwickeln, das bald kommt“, sagte Scholz am Donnerstagabend bei einem Bürgerdialog in Magdeburg.
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