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Der gemeinsame Start in den Ruhestand ist für viele Paare das Ziel.
Ruedi Studer
In der Schweiz läuten durchschnittlich 100 Mal am Tag die Hochzeitsglocken. 36.410 Paare haben letztes Jahr Ja gesagt. Statistiken zeigen, dass Männer eher jüngere Frauen heiraten. Der durchschnittliche Altersunterschied beträgt zwei bis drei Jahre.
Mit oder ohne Ehering am Finger – laut Bundesfamilienbericht 2021 leben drei Viertel der Bevölkerung zwischen 18 und 80 Jahren in einer Lebensgemeinschaft. Etwa 60 Prozent der Männer sind mindestens zwei Jahre älter als Frauen. Drei von zehn Paaren sind ungefähr gleich alt. Nur bei 13 Prozent der Paare war die Frau älter.
Paare wollen gemeinsam in Rente gehen
Der Altersunterschied beeinflusst die Lebensplanung. Vor allem, wenn es um den Ruhestand geht. «Die Vorsorgenachfolge ist ein grosses Thema an unseren Seminaren», sagt Lilo Steinmann (55) von AvantAge, der Fachstelle Alter und Beruf von Pro Senectute Kanton Bern und Zürich. „Die meisten Paare gehen gemeinsam in den Ruhestand oder schließen sich zusammen, wenn sie es sich leisten können.“
Das bedeutet zum Beispiel, dass der Partner früher in Rente gehen oder länger arbeiten kann. Je größer der Altersunterschied, desto schwieriger wird es, gleichzeitig in den Ruhestand zu gehen.
Mit der AHV-Reform wird die Hürde zur gleichzeitigen Pensionierung etwas höher. Wird das Rentenalter einer Frau auf 65 Jahre angehoben, vergrößert sich die „Lücke“ in der Rentenfolge aufgrund des Altersunterschieds. Dann muss das gemeinsame Hobby oder die geplante Weltreise noch etwas warten.
“Unnötige Eingriffe”
Ein weiterer Grund für die Gewerkschaften, sich gegen die Reform zu erheben. „Ein höheres Renteneintrittsalter für Frauen ist ein unnötiger Eingriff in die Lebensplanung und hat für viele Paare weitreichende Folgen“, sagt SGB-Generalsekretärin Gabriela Medici (37). Aufgrund des Altersunterschieds ist ein gemeinsamer Bezug zur AHV erschwert. «Sie müssen ein weiteres Jahr warten, bis die Frau ihre AHV-Rente vorzeitig beziehen kann.»
Die Reform erhöht auch das Vorruhestandsalter von 62 auf 63 Jahre. “Und es ist unnötig, weil Frauen den Vorruhestand mit entsprechenden Rentenkürzungen selbst bezahlen würden.”
Dann ist da noch der finanzielle Aspekt. «Mit der Erhöhung verlieren Ehepaare im Schnitt 24’000 Franken Jahresrente», klagte Medici. Und selbst wenn die Frau ein Jahr mehr arbeiten und damit ein Jahr mehr Gehalt erhalten würde, würden Verheiratete kaum davon profitieren. „Wegen der Ehegattenobergrenze bekommen viele für das zusätzliche Arbeitsjahr keine höhere Rente.“
Flexibilität dank Teilrenten
Auch FDP-Nationalrätin Susanne Vincenz-Stauffacher (55, SG) stellte in ihrem Bekanntenkreis fest, dass „viele Paare lieber gemeinsam ins Rentenalter starten“. Der Altersunterschied ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum das Rentenalter der Frauen sinkt, glaubt sie.
Sie haben keinen Grund, die AHV-Reform zu versenken. Weil es eine gewisse Flexibilität gibt – zum Beispiel durch Teilrenten. „Diese Flexibilität ist ein großer Vorteil für die Lebensplanung und gleicht den Nachteil eines höheren Renteneintrittsalters für Frauen aus.“
Es gibt also noch Möglichkeiten, den Ruhestand zu koordinieren. „Ob der Mann länger arbeitet oder die Frau früher in den Ruhestand geht“, sagt Vincenz-Stauffacher. “Gerade niedrigere Einkommen in der Übergangsgeneration sind auch finanziell vorteilhaft.”
Auch wenn der Partner ein Jahr länger warten muss als heute, ist das kein Problem. „Ein gewisses Maß an Betäubung ist auch spannend und eröffnet neue Räume.“ Und sie fügt schmunzelnd hinzu: „Den Traum von der Weltreise kann man sich auch später noch erfüllen.“
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