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Debatte über das Hilfspaket: Der Koalitionsausschuss berät morgen

Stand: 02.09.2022 13:01 Uhr

Beim dritten Hilfspaket muss es jetzt schnell gehen: Ab Samstagmorgen will der Koalitionsausschuss über weitere Hilfen beraten. Die Gewerkschaft Ver.di droht mit landesweiten Protesten, wenn die Entlastung zu gering ausfällt.

Angesichts des öffentlichen Drucks forciert die Koalition die Diskussion über zusätzliche Erleichterungen für die Bevölkerung. Nach Angaben des Hauptstadtstudios ARD will der Koalitionsausschuss am Samstagvormittag zusammentreten, um über weitere Maßnahmen zu beraten. Der Kommission gehören Vertreter von SPD, Grünen und FDP aus Partei, Fraktion und Bundesregierung an. Die Bundestagsdebatte nächste Woche zum Bundeshaushalt im kommenden Jahr erhöht den Zeitdruck, einen konkreten Fahrplan für Mehrausgaben festzulegen, die sich aus einem zusätzlichen Entlastungspaket ergeben.

Mützenich erwartet “belastbare Ergebnisse”

SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich zeigte sich im Gespräch mit NDR Info zuversichtlich, dass sich die Koalitionspartner an diesem Wochenende auf “tragfähige Ergebnisse” bei den Hilfsmaßnahmen einigen könnten. Gerade bei der am Dienstag beginnenden Haushaltsdebatte ist es wichtig, dass jetzt „Verlässlichkeit“ einspringt. Mützenich sprach von schwierigen Monaten, jetzt gelte es, kurzfristig Maßnahmen zu ergreifen. Der Chef der Gruppe versprach nicht nur finanzielle Hilfen, sondern auch „strukturelle Maßnahmen“.

Die Preisfrage zum Ende der Frage

Anfang der Woche versuchte die Ampelkoalition bei ihrer Kabinettssitzung in Meseberg Einigkeit und Optimismus zu demonstrieren. Allerdings bleiben einige Streitpunkte, etwa das Schlagwort Überschusssteuer oder die Frage, wie viel der Bund für das dritte Maßnahmenpaket ausgeben will.

Die ersten beiden Förderpakete umfassen ein Gesamtfinanzvolumen von rund 30 Milliarden Euro. Geht es nach Bundesfinanzminister Christian Lindner, sind auch im nächsten Jahr wieder Hilfsmaßnahmen in zweistelliger Milliardenhöhe möglich. Im laufenden Jahr kann jedoch nicht mehr als eine einstellige Milliarde aufgebracht werden. Den Grünen reicht das nicht – sie bezweifeln, dass eine solche Summe bis Ende des Jahres ankommt.

Wirtschaftlichkeit für längere Betriebszeiten des Kernkraftwerks

Für Veronica Grimm, Mitglied im Beirat der Bundesregierung, soll das dritte Entlastungspaket vor allem mittlere und kleine Einkommen entlasten – etwa durch zusätzliche Einmalzahlungen. Auch die Wirtschaft schließe eine Deckelung des Benzinpreises nicht aus, wie sie bei einem Treffen der Spitzen der Unionsfraktionen in Bayern sagte.

Alternativen zu russischen Energiequellen bieten jedoch ein Heilmittel gegen die Energiekrise. Deshalb plädierte Grimm dafür, die Lebensdauer von Kernreaktoren zu verlängern. Atomkraftwerke sollen laut Grimm noch fünf Jahre am Netz bleiben, zumindest die drei derzeit noch am deutschen Netz angeschlossenen Atomkraftwerke.

Die Bundesregierung will die Ergebnisse des Stresstests zum Weiterbetrieb der Kraftwerke abwarten, bevor sie über eine Laufzeitverlängerung der Anlagen entscheidet. Die Ergebnisse dieses Tests liegen laut Bundeswirtschaftsministerium noch nicht vor.

Ver.di plant Proteste bei zu geringer Entlastung

Auch Frank Wernecke, Chef der Gewerkschaft Ver.di, drängt auf einen deutlich höheren Finanzrahmen für das geplante Hilfspaket. “Um die finanziellen Engpässe durch die Energiepreisexplosion auszugleichen, muss der Staat in diesem Jahr 20 bis 30 Milliarden Euro zusätzlich aufwenden”, forderte er in der Augsburger Allgemeinen.

Wenn die Bundesregierung die Bürger aus Sicht der Gewerkschaft nicht genug entlastet, droht Ver.di mit einer Teilnahme an landesweiten Protesten. Ver.di verhandelt bereits mit anderen Gewerkschaften und sozialen Organisationen, um sich auf mögliche Demonstrationen und Proteste vorzubereiten. „Wenn nicht jetzt, wenn die Menschen ihre Forderungen auf die Straßen und Märkte tragen müssen“, betonte Wernecke.

Entscheidung über das 3. Entlastungspaket – vor der Sitzung der Koalitionskommission

Dietrich Karl Moerer, ARD Berlin, 02.09.2022, 12:14 Uhr