Ministerpräsident Kretschmann hat längere Arbeitszeiten für Teilzeitlehrer vorgeschlagen. Die Landesregierung prüft bereits, ob die Mindestarbeitszeit erhöht werden kann.
Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat am Montagabend in einer Podiumsdiskussion längere Arbeitszeiten für Teilzeitlehrer angehoben und damit eine Welle der Empörung ausgelöst. Bei einer Regierungspressekonferenz am Dienstagnachmittag in Stuttgart sagte Kretschmann, es sei eine spontane Aussage gewesen, er müsse in Ruhe gehen. Allerdings prüfe die grün-schwarze US-Regierung, ob die Mindestarbeitszeit von Teilzeitbeamten erhöht werden könne.
Die Regierung hofft auf umgerechnet 1.000 Lehrerstellen
Die Teilzeitregelungen seien sehr großzügig, so unterrichten insbesondere viele Lehrerinnen nur relativ wenige Stunden, sagte Kretschmann. Er bestätigte, dass, wenn jeder Teilzeitlehrer eine zusätzliche Stunde unterrichtet, 1.000 Lehrerjobs geschaffen werden.
Die Ministerien erwägen eine Erhöhung der Mindestarbeitszeit
Deshalb beschäftigen sich derzeit das Innenministerium und das Kulturministerium mit dem Thema. Konkreter wurde Kretschman etwa in Sachen Rechtsdurchsetzung nicht. Die baden-württembergische Kultusministerin Theresa Schoper (Grüne) nahm an der Kabinettssitzung am Dienstagvormittag und der anschließenden Regierungspressekonferenz in Stuttgart nicht teil, da sie positiv auf das Coronavirus getestet wurde.
Der Krieg in der Ukraine verschärft die Situation an den Schulen
In den vergangenen zwei Monaten seien rund 9.000 ukrainische Kinder und Jugendliche nach Baden-Württemberg geflüchtet, die nun versorgt und ausgebildet werden müssten, erklärte der Regierungschef. Auch deshalb werden dringend mehr Lehrkräfte benötigt. Grundsätzlich geht es auch darum, dass durch den Krieg in der Ukraine in Baden-Württemberg Vertrautes auf den Prüfstand gestellt werden muss.
GEW kritisiert Kretschmanns Initiative als “völlig falsch”
Monica Stein, Chefin der GEW Bildungsgewerkschaft, zeigte sich empört über Kretschmanns Vorschlag. „Das ist völlig falsch“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. „Teilzeitlehrer arbeiten nicht weniger, weil es Spaß macht, weniger Geld zu verdienen, sondern weil sie Teilzeit arbeiten müssen, um einen guten Job machen zu können.“
Es geht auch um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Nach zwei Jahren Pandemie mit Überbelastung seien viele Lehrer und Schulleiter ohnehin am Ende ihrer Kräfte, sagte der Gewerkschafter. Es gibt jetzt Kinder und Jugendliche, die aus der Ukraine geflohen sind.
Die Union warnt vor einem Scheitern
„Wenn ich das Arbeitspensum weiter erhöhe, werden deutlich mehr Lehrer fehlen“, warnte Stein. Der Ministerpräsident hatte jedoch Kenntnis erlangt. „Herzlichen Glückwunsch, Herr Kretschmann, dass Sie nach elf Jahren an der Regierung feststellen, dass Sie einen Lehrermangel haben.“ Damit hat die GEW immer gerechnet.
Auch der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Peter Meidinger, reagierte mit einer Ablehnung eines Vorschlags des baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann, die Arbeitszeit von nebenamtlichen Lehrkräften im Land überall um eine Stunde zu verlängern. „Auch Teilzeitkollegen haben dafür Gründe“, sagte Meidinger dem SWR.
“Ob das große Kapazitäten bringt, bezweifle ich.”
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Darunter sind viele Frauen, die Familie und Beruf sonst nicht vereinbaren könnten. Ein Appell an die Lehrer, ob sie vorübergehend freiwillig eine Stunde aufstocken könnten, sei durchaus zulässig, sagte Meidinger. „Ob das große Kapazitäten bringt, bezweifle ich“, sagte der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes.
An den allgemeinbildenden Schulen in Baden-Württemberg sind rund 110.000 Lehrkräfte tätig.
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