Germany

Kritik an Altkanzler Schröder: „Auf Putins Sanktionsliste Sanktionen“

Stand: 27.04.2022 07:19 Uhr

Da sich Altkanzler Schröder immer noch nicht von Russland distanzieren will, fordern immer mehr Politiker Sanktionen gegen ihn. In diesem Zusammenhang wird auch die gemeinsame Ausstattung der Altkanzler diskutiert.

Daran hält Altkanzler Gerhard Schröder fest – er hat seine engen Beziehungen zu Russland und Präsident Wladimir Putin immer wieder bekräftigt – zuletzt vor wenigen Tagen in der New York Times. Deshalb haben sich nun auch andere Politiker von FDP, Grünen und CDU für Sanktionen gegen ihn ausgesprochen. „Er gehört so schnell wie möglich auf Putins Sanktionsliste“, sagte FDP-Präsidiumsmitglied Moritz Körner dem Handelsblatt. Schröder ist inzwischen Putins wichtigster Mann in Deutschland. “Er gehört nicht mehr zur Creme der deutschen Innenpolitik, sondern zur Creme des Kremls.”

Auch CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter forderte Sanktionen: Dass sich Schröder noch nicht von Putin und Russland distanziert habe, zeige, wie sehr er in deren Dienst stehe, sagte der Bundestagsabgeordnete der Zeitung. „Deshalb müssen Sanktionen befürwortet werden, die auch die Putin-Clique treffen müssen. Schröder ist einer von ihnen.

Auch Parteikollegen fordern Sanktionen

Auch der grüne Europaabgeordnete Reinhard Boutikofer forderte Sanktionen gegen Schröder und andere ehemalige Europapolitiker, „die sich inzwischen an Wladimir Putin verkauft haben“. Auch Schröder müsse seines Postens als Altkanzler enthoben und aus der PSD ausgeschlossen werden, sagte Boutikofer dem Handelsblatt. Zuletzt hat Schröders Parteikollege Michael Roth bereits EU-Sanktionen gegen den Altkanzler angesprochen.

Gestern kündigte Bild unter Berufung auf informierte Kreise zudem an, dass im Rahmen der Beratung des Bundeshaushalts für 2023 die Haushaltsposition für Schröders Kabinett im Haushalt des Kanzleramts gekürzt werden soll.

Ein Überblick über die Privilegien des Altkanzlers

In einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) betonte die Grünen-Fraktionsgeschäftsführerin Irene Mihalic nun, dass der Haushaltsausschuss des Bundestags über eine grundlegende Einschränkung der Privilegien des Altkanzlers nachdenke. „Gespräche laufen derzeit, um die Regeln für die Ernennung von Altkanzlern zu überarbeiten“, sagte Mihalic dem RND. Schröder wird dann von dieser Reform betroffen sein.

Dabei gehe es aber nicht um willkürliche Gehaltskürzungen – das sei im Rechtsstaat keine Option, betonte Mihalic. “Dennoch verurteilen wir Schröders Vorgehen und seine engen Kontakte zum Putin-Regime auf das Schärfste.”

Während die Pensionen des Bundespräsidenten und der Mitglieder des Bundeskabinetts gesetzlich geregelt sind, umfasst die Haushaltshoheit des Bundestages die Bereitstellung von Stellen und Personal. Schröder stehen derzeit neun Stellen für sein Altkanzleramt zu, für das im vergangenen Jahr laut Bundestag 407.000 Euro aus der Staatskasse geflossen sind. Sie sind derzeit jedoch vakant, weil Mitarbeiter nach Kriegsausbruch ausgeschieden sind und noch kein Nachfolger gefunden wurde. Deshalb prüft der Haushaltsausschluss nun, ob im Bundeshaushalt für 2023 Stellen gekürzt werden.

Der Partybestellprozess ist bereits im Gange

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubitzky sagte gegenüber RND: „Ich gehe davon aus, dass der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages sehr sorgsam mit Steuergeldern umgehen und in dieser Frage eine kluge Entscheidung treffen wird.“ Wenn die Stabsstellen bei Schröder derzeit ohnehin nicht besetzt sind, ist die Bereitstellung von Büroflächen aus pragmatischen Gründen nicht sinnvoll.

PSD-Chefin Saskia Esken forderte ihn kürzlich auf, die Partei nach fast 60 Jahren PSD-Mitgliedschaft zu verlassen. Gegen den Altkanzler läuft bereits ein Parteibefehl, der zu seinem Ausschluss aus der PSD führen könnte.

Roth verhängt EU-Sanktionen gegen Altkanzler Schröder

Georg Schwarte, ARD Berlin, 26.04.2022 20:40 Uhr