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Tag der Arbeit: 14.000 Menschen ziehen bei der „Revolutionären Maifeiertag“-Demonstration durch Neukölln

Tag der Arbeit in Berlin – 14.000 Menschen ziehen bei der Revolutionären Maidemonstration durch Neukölln

rbb / Hassan Gokay

Audio: rbb24-Inforadio | 01.05.2022 | Detlef Löschmann Bild: rbb / Hasan Gökkaya

Höhere Löhne, mehr Mitbestimmung, gerechtere Vermögensverteilung: Der 1. Mai ist in Berlin meist politisch. Allerdings musste der regierende Bürgermeister seine Rede unterbrechen. Am Abend begann die Demonstration zum „Revolutionären 1. Mai“.

Etwas verspätet begann in Berlin-Neukölln die sogenannte “Revolutionäre Maidemonstration”. Der Zug mit mehreren tausend Teilnehmern will am Sonntagabend am Maifeiertag vom Herzbergplatz über Kreuzberg zum Oranienplatz umziehen. Rund 14.000 Menschen nahmen an der Demonstration teil, sagte die Berliner Senatorin Iris Spranger (SPD) dem rbb.

Es wurden verschiedene Blöcke gebildet, darunter viele schwarz gekleidete Teilnehmer. In der riesigen Menschenmenge waren Fahnen und Spruchbänder zu sehen. Einschließlich pro-palästinensischer und anti-israelischer. Die für Freitag geplante entsprechende Demonstration wurde nicht genehmigt.

Einige der Straßen sind abgeschnitten und viele Polizeiwagen stehen. Linke und linksradikale Gruppen riefen zum Protest auf. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot entlang der Strecke präsent.

Die künftige Polizeiwache am Kottbusser Tor ist gesichert

Die Fenster des künftigen Polizeireviers im Hochhaus oberhalb der Adalbertstraße wurden vor dem Start mit Cottbusser Thor Spanplatten und Gittern geschützt. Einheimische begrüßen, dass an einem Ort mit viel Kriminalität und Partyleben eine Polizeistation eingerichtet wird. Das Projekt wurde jedoch von linken Gruppen abgelehnt.

Die Polizei befürchtet Ausschreitungen während des Protestzugs. Dort hatten laut Polizei bereits am Samstag etwa 200 Menschen gegen die für 2023 geplanten Sicherheitsmaßnahmen demonstriert. Es verlief weitgehend friedlich. Zu der Demonstration werden bis zu 20.000 Teilnehmer erwartet. Das Motto der Demonstration lautet „Yallah Klassenkampf – Es gibt keinen Krieg, sondern Klassenkampf!“.

An mehreren Orten in Berlin haben bereits Tausende an Demonstrationen und Protesten teilgenommen. Allein bei einer Demonstration von Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB) Am Brandenburger Tor in Berlin nahmen am Vormittag mehrere tausend Menschen teil, sagte ein Polizeisprecher dem rbb. Weitere 200 Personen nahmen an der Fahrradparade teil.

Die Abschlusskundgebung fand am Mittag vor dem Brandenburger Tor statt. Dort sprachen unter anderem der DGB-Bundesvorsitzende Rainer Hoffmann und der Regierende Bürgermeister von Berlin, Francisco Gifi. Der PSD-Politiker unterbrach seine Rede jedoch, nachdem die Menge Eier auf sie geworfen hatte. Zuvor hatte es Buhrufe aus der Menge gegeben.

DGB-Chef Hoffmann: Waffenlos auf Kosten des sozialen Friedens

Hoffmann warnte in seiner Rede davor, dass der Krieg in der Ukraine dazu genutzt werden könnte, das Rüstungsbudget dauerhaft zu erhöhen. Das Geld werde viel stärker für Zukunftsinvestitionen und die Leistungsfähigkeit des Sozialstaats verwendet, sagte er. Militärische Friedenssicherung darf nicht auf Kosten des sozialen Friedens erkauft werden.

Demonstrationen von Arbeiterorganisationen sind die ersten großen Kundgebungen nach einer Pause von rund zwei Jahren infolge der Corona-Pandemie. Insgesamt waren am Sonntag etwa 20 Demonstrationen in der Stadt angekündigt. Laut Polizei verliefen alle Veranstaltungen bis zum frühen Nachmittag reibungslos.

Die geänderte Route der “Revolutionären Maidemonstration”

Radrallye Richtung Grunewald – erhebliche Verkehrsbehinderungen

Fast parallel zur Gewerkschaftsdemonstration begann der Morgen aus verschiedenen Richtungen Fahrrad-Rallye in Berlin. Aus fünf Richtungen (Wedding, Friedrichshain, Neukölln und zwei Gruppen aus Mitte) sind die Teilnehmer Grünewald Sie fuhren dorthin, um gegen die aus ihrer Sicht ungerechte Kapitalverteilung zu demonstrieren. Rund 4.000 Menschen nahmen an der Fahrradparade teil.

Das Motto lautete „Nimm die Grunewalder. Nimm die Umverteilung in der Kette.“ Während der Kundgebung wird es in der ganzen Stadt zu großen Unruhen kommen, auch in der Mitte rund um den Rosenthalerplatz und den Alexanderplatz.

Auch in Kreuzberg und Friedrichshain wird es Einschränkungen geben Cottbusser Damm, Moritzplatz und Heinrich-Heine-Straße wie in Charlottenburg und Tiergarten am Potsdamer Platz, An Wittenbergplatz, An Ku‘Damm und Hohenzollernd Geben. Unterdessen wurde die A100 zwischen Hohenzollernd und Drake Neukölln in beiden Richtungen komplett gesperrt.

So feiert Berlin den 1. Mai 2022

  • Bild: dpa / Christoph Söder

    Umverteilung ist eines der großen Probleme bei den Maidemonstrationen in Berlin in diesem Jahr. Mit Tänzern und buntem Nebel stimmt die Initiative zur Enteignung großer Wohngruppen vor dem Roten Rathaus auf ihre Sache ein.

  • Bild: rbb

    Mit Bommeln und goldenen Röcken gegen große Vermieter: Gelb und Lila der Initiative heben sich von der Protestmasse ab.

  • Bild: dpa / Jörg Carstensen

    Der Tag der Arbeit ist fester Bestandteil der SPD- und Linker-Kalender. Mittags erscheinen die Regierende Bürgermeisterin von Berlin Franciska Gifi (5.v.r.) und Sozialsenatorin Katja Kiping (4.v.l.) vor dem Reichstagsgebäude.

  • Bild: dpa / Jörg Carstensen

    Neben Gifi (links) Ursula Engelen-Kefer vom Deutschen Sozialverband. Der ehrenamtliche Vorsitzende des Ortsverbandes Berlin und Brandenburg gilt als starker Verfechter der Interessen von Menschen mit geringem Einkommen, Menschen mit Behinderungen und anderen im Alltag Benachteiligten.

  • Bild: rbb

    Hunderte von Menschen verfolgten am 18. März die DGB-Kundgebung anlässlich der Revolution von 1848.

  • Bild: rbb

    Rund um den Hermanplatz in Neukölln ist es in den vergangenen Jahren am 1. Mai immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Auf der Sonnenallee wurden am Sonntag versenkbare Absperrzäune errichtet.

  • Bild: rbb

    Nur wenige Meter entfernt füllt die Polizei Wasserbehälter, die offensichtlich als Absperrungen dienen können.

  • Bild: rbb

    Schreinerinnen und Schreiner übernachten in der Tracht der Zunft beim DGB-Kundgebung am Brandenburger Tor.

  • Bild: rbb

    Auch während der Kundgebung gab es Proteste. Rund 4.000 Menschen nahmen daran teil.

  • Bild: rbb

    Die Radler im Grunewald im Westen Berlins sind zusammen. Auch im Villenviertel wird über die Verteilung des Reichtums in der Gesellschaft diskutiert.

  • Bild: rbb

    … sowie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum.

Mehrere Straßenfeste in Neukölln

IN Neukölln finde über den Tag hinaus mehrere Straßenfeste stattdessen. Es ist in der Mitte Hermannplatz. Ein großer Flohmarkt mit Street Food beginnt um 13:00 Uhr, zwischen 15:00 und 21:00 Uhr gibt es Live-Musik mit Fujiama Nightclub Roadshow.

Auch von 15:00 bis 19:00 Uhr ist dies der Fall Rathaus Neukölln Geplant ist ein großes Kinder- und Familienfest. Ab 19 Uhr gibt es …