Germany

Massiv höheres Heeresbudget – mit Mängeln

Verteidigungsministerin Viola Amherd, 59, konnte die Debatte gelassen angehen. Schon im Vorfeld war klar: Der Nationalrat erhöht am Montag das Armeebudget – um sagenhafte 40 Prozent! Das Militärbudget muss bis 2030 schrittweise von gut fünf Milliarden auf sieben Milliarden Franken steigen.

Die Partei von Amherd Mitte, die SVP und die FDP führen seit Wochen eine erbitterte Kampagne, um das Budget auf ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu erhöhen. Das reicht für eine komfortable Mehrheit im Rat.

Gegner gegen einen Blankoscheck

Grünliberale, Grüne und SP wehrten sich dagegen gegen einen Blankoscheck für die Bundeswehr. Wofür die zusätzlichen Mittel verwendet werden, ist noch unklar. Auch die liberale Denkfabrik Avenir Suisse kritisiert die Notwendigkeit, die Sicherheitspolitik neu auszurichten. Aber die Gegner waren verloren.

Und so kam es, wie es kommen sollte: Mit 111 Ja-Stimmen, 79 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen stimmte der Nationalrat für eine massive Erhöhung des Budgets. Der Staatsrat muss dem Beispiel der Sommersession folgen.

Sparprogramme sollten nicht benötigt werden

Die Mehrkosten seien ohne weitere Sparprogramme möglich, sagte Zentrumssprecher Alois Gmur (67). Er verwies auf den Finanzplan des Bundes, der allein für 2023 einen Überschuss von 1,5 Milliarden Franken vorsehe.Steuererhöhungen drohe nicht, fügte Amherd hinzu.

Gleichzeitig verteidigte sich der Verteidigungsminister gegen den Vorwurf, die Armee habe keine Ahnung, wofür sie in so kurzer Zeit so viel Geld ausgeben müsse. Sie nannte drei Beispiele: Material im Cyberspace, eine zweite Tranche eines 12-cm-16-Mörsers – nachdem die erste Tranche “nach mehreren zusätzlichen Zyklen” geliefert wurde – und ein Kommandofahrzeugmodell, das eines Tages veraltete Schützenpanzer ersetzen soll.

Kaum abgeschlossene Projekte

Nachteil Nummer eins: Das sind die einzigen schnellen Projekte, auf die das Verteidigungsministerium hinweisen kann. Das geht aus einer geheimen Liste im Auftrag von SVP-Berater Werner Salzmann, 59, hervor, die dem Blick vorliegt.

Nachteil Nummer zwei: Das VBS weiss bis heute nicht einmal, wie hoch die zusätzlichen Fördermittel ab dem nächsten Jahr sein werden. „Wie viel, können wir nicht sagen“, sagte ein Sprecher. In welchen Teilschritten die Erhöhung erfolgt, hängt von der Finanzplanung ab.

Davor schreckt die bürgerliche Mehrheit nicht zurück. Wegen des Krieges in der Ukraine will sie schnell handeln. Wobei selbst Amherd beteuert, dass sich die Sicherheitslage in der Schweiz trotz der Kämpfe in Osteuropa nicht verändert habe.