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Rabatt für den Tank: Habek will Kartellrecht “mit Nägeln und Zähnen” durchsetzen.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck will angesichts anhaltend hoher Spritpreise “schnellstmöglich” Vorschläge für ein schärferes Kartellrecht vorlegen. „Wir machen Kartellgesetzgebung mit Nägeln und Zähnen“, sagte Habek am Montag. Die Idee der Besteuerung überhöhter Gewinne könne und werde er nicht vom Tisch nehmen, weil er sie für richtig halte, sagten die Grünen gegenüber dem Deutschlandfunk. Angesichts des Widerstands der FDP sagte Habek jedoch, die Besteuerung überhöhter Gewinne scheine in der Ampelkoalition keine Mehrheit gewinnen zu können. Jetzt kommt also das Kartellrecht zum Einsatz.

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Am Wochenende drohte der Vizekanzler mit Repressionen gegen Konzerne. Er will dem Kartellamt mehr Eingriffsmöglichkeiten geben, um effektiver gegen Ölkonzerne vorgehen zu können. Dies soll es auch erleichtern, Gewinne zu erzielen, wenn Unternehmen ihre Marktmacht missbrauchen. Im Extremfall soll ein Abriss möglich sein. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um ein Positionspapier des Bundeswirtschaftsministeriums, das am Sonntag erstmals vom Spiegel angekündigt wurde.

Habek bat um Unterstützung für sein Projekt. Er hoffe, „jeder, der um die Intervention des Kartellamts gebeten hat, ist auch bereit, ihn in die Lage zu versetzen, einzugreifen“, sagte Habek gegenüber Welt (Montag). „Das gilt nicht mehr für den Rabatt für Panzer, aber es schärft das Schwert für die Zukunft und sendet ein klares Signal, dass es nicht so einfach ist, auf Kosten anderer reich zu werden.“

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Allerdings sagte er: „Ich verstehe den Frust und Frust der Verbraucher, wenn Konzerne einfach von Steuersenkungen profitieren, die Pendler entlasten sollten.“

Die Gewinnsteuer spaltet die Koalition

Bundesfinanzminister Christian Lindner verteidigte den Tankrabatt trotz aller Zweifel an seiner Wirksamkeit. Ohne die Steuerrückerstattung würden die Spritpreise “deutlich höher” ausfallen, sagte der FDP-Politiker am Sonntagabend gegenüber ARD und ZDF. Grundsätzlich billigte Lindner auch die Initiative von Wirtschaftsminister Robert Habek (Grüne), das Kartellrecht zu verschärfen. Die überhöhte Gewinnsteuer, um den Mineralölkonzernen zusätzliche Gewinne abzupressen, lehnt der FDP-Chef weiterhin entschieden ab, doch für die Koalitionspartner SPD und Grüne ist die Diskussion noch nicht beendet.

Zum 1. Juni wurde die Energiesteuer auf Benzin und Diesel deutlich gesenkt, um Autofahrer zu entlasten. An den Pumpen war dies aber kaum zu spüren. In der Sendung des ZDF „Berlin direkt“ und in den ARD-„Tagesthemen“ verteidigte sich Lindner gegen den Eindruck, dass der Abbau des Panzers nicht begonnen habe.

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Als Faktoren für die Preisbildung nannte er höhere Weltmarktpreise, einen starken Dollar und einen Mangel an Raffinerien. „Ich habe den Eindruck, dass die Debatte etwas emotional ist“, sagte Lindner dem ZDF.

SPD-Chef Lars Klingbeil sagte der Rheinischen Post (Montag): „Der Tankrabatt ist für Reisende, nicht für multinationale Mineralölkonzerne.“ Grünen-Chefin Ricarda Lang räumte im ARD-„Bericht aus Berlin“ ein, dass mit dem Rabatt eigentlich nicht die Menschen, sondern die Mineralölkonzerne entlastet würden. Ihre Partei setzt sich jedoch für Steuersenkungen ein.

„Wir stehen zu den Kompromissen, auf die wir uns in der Ampelkoalition gemeinsam geeinigt haben.“ Klar sei aber: „Wir haben kein Interesse daran, den Ölkonzernen zuzusehen, wie sie große Gewinne machen.“ Die Debatte um andere Instrumente wie die Gewinnsteuer sei noch nicht beendet.

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„Es ist gut, dass endlich gehandelt wird. Solche Preisabsprachen sind unanständig“, sagte PSD-Chef Klingbail zu Habeks Plan. Finanzminister Lindner sagte, die Umsetzung werde geprüft. „Die Richtung stimmt“, betonte er. FDP-Chef Christian Dürr sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Montag): „Vorschläge, die verfassungskonform sind und dem Investitionsstandort Deutschland nicht schaden, sind willkommen.“ Besonderen Wert legt die FDP auf die Schaffung von Transparenz bei Tankstellen.

Die Gewerkschaft hingegen stand Habeks Wechsel skeptisch gegenüber. Konzern-Vizepräsident Thorsten Fry sagte der Rheinischen Post (Montag), die Tankerstattung dürfe nicht zur Gewinnmaximierung missbraucht werden. Allerdings hat der Kartelldienst bereits Möglichkeiten einzugreifen.

Der HDZ-Politiker warnte vor einem möglichen Eingriffsrecht der Behörden, das unabhängig von möglichen Missbräuchen genutzt werden könne. „Hier muss man sehr aufpassen. Es darf keine willkürliche Gewinnmacherei geben“, sagte Fry. Gewerkschaftsfraktionschef Jens Spahn lobte Habeks Ideen im RND als Anerkennung der Koalition, dass “ihre milliardenschweren Zugeständnisse wirkungslos zurückgenommen werden”.

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Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Frazscher, bezeichnete Habeks Vorschlag als “wichtige Initiative”. Das Problem der Mineralölkonzerne sei nicht, dass sie aus eigener Kraft Gewinne erwirtschaften, „sondern dass sie ihre Marktmacht zu Lasten der Verbraucher missbrauchen“, sagte der Augsburger Allgemeine Volkswirt am Montag. Die Reform des Kartellrechts werde zu spät kommen, um die Kraftstoffpreise zu senken, sagte Fratscher. Bei der Steuerrückerstattung handelt es sich um einen „Erklärungsfehler“.

Die Diskussion um eine Gewinnsteuer, mit der die krisenbedingten Mehrgewinne besteuert werden, ist noch nicht entschieden. Ähnlich äußerte sich SPD-Chef Klingbale gegenüber seinem Green-Lang-Kollegen und nannte es „erwägenswert, Unternehmen zu nutzen, die jetzt Extraprofite machen, um das Gemeinwohl zu finanzieren“. Allerdings hofft der FDP-Chef, dass mit Habeks Initiative das Thema Gewinnsteuer aus der Welt geschafft wird. „Das würde zu willkürlichen Steueränderungen und politischen Stimmungsschwankungen führen“, warnte Lindner im ZDF.

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