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Energiekrise: Tempo 130 – das Umdenken der Union beginnt jetzt

Zunächst sah es aus wie ein Solotanz eines führenden Christdemokraten, der seine Partei im anstehenden Landtagswahlkampf für die zunehmend bürgerliche Klientel attraktiv halten wollte. „Ein temporäres Tempolimit von 130 Stundenkilometern auf Autobahnen ist nicht mehr auszuschließen“, sagte Dirk Töfer, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Niedersachsen, Ende vergangener Woche.

Ein Tabubruch in der Union, die sich in der Vergangenheit immer wieder stark gegen Tempolimits ausgesprochen hat und immer wieder mit dieser ablehnenden Haltung in den Wahlkampf gegangen ist.

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Töfer begründete seine Initiative mit der Krise auf dem Energiemarkt seit Kriegsbeginn in der Ukraine. „In schwierigen Zeiten“, sagte der Christdemokrat, dessen Partei nach der Landtagswahl im Oktober wieder stärkste Kraft im niedersächsischen Landtag sein möchte, „sollte es in der HDZ keine Denkblockaden mehr geben.“ In seiner Fraktion war klar, dass sich beim Thema Tempolimits etwas bewegt.

Ganz allein sind Tofer und seine Kollegen im niedersächsischen Landtag jedenfalls nicht.

“In einer Krise kann man nichts ausschließen”

In der NRW-CDU etwa, die gerade mit den geschwindigkeitsliebenden Grünen eine Koalition gebildet hat, hat CDU-Fraktionsverkehrsexperte Klaus Wusem zumindest bedingte Offenheit gegenüber der Initiative seines Parteifreundes aus Dolna signalisiert. Sachsen.

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In der aktuellen Situation seien neben einem „effizienten Straßennetz“ und einem „intelligenten Verkehrsmanagement“ auch „innovative Ideen gefragt, die den Bürgern helfen und die Umwelt schützen“, so Voussem WELT. Das Thema Tempolimits sei übrigens laut Wusem “generell Bundesangelegenheit”.

Auch der Vorsitzende des HDZ-Arbeitskreises Verkehr Baden-Württemberg, Thomas Dörflinger, verweist auf die Verantwortung des Bundes. Doch wie Toepffer plädiert auch Dörflinger gegen Fahrverbote in der 130-km/h-Thematik. „In Krisenzeiten kann man nichts ausschließen“, sagte er. Letztlich werde Deutschland das “große Thema der Energienachhaltigkeit” aber “nicht durch eine minimal wirksame Flickenteppich- und Symbolpolitik” lösen können. Dennoch: Letztlich muss sich das „Rote Licht“ in Berlin auf ein generelles Tempolimit auf Autobahnen einigen.

Dort ist in der Bundesregierung das Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen bei den Verhandlungen für eine Ampelkoalition im vergangenen Herbst am Veto der FDP gescheitert, die das Tempolimit anders als die Sozialdemokraten für falsch hält . Auch die von Parteichef Friedrich Merz geführte HDZ/HSS-Fraktion im Bundestag lehnte das generelle Tempolimit von 130 Stundenkilometern ab. Laut dem verkehrspolitischen Sprecher Thomas Barris ist eine solche Maßnahme kein wirksames Mittel, um der Energiekrise entgegenzuwirken.

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„Ich bin davon überzeugt, dass die meisten Autofahrer angesichts der hohen Spritpreise bereits darauf verzichten und sparsam fahren. Wir müssen ihnen das nicht vorschreiben, wir vertrauen darauf, dass sie es auf eigenes Risiko tun“, sagte Barys VELT.

Das Umweltbundesamt schätzt, dass durch ein absolutes Tempolimit auf Autobahnen etwa 600 Millionen Liter Kraftstoff pro Jahr eingespart würden. Das wären grob gesagt 1,5 Prozent des jährlichen Benzin- und Dieselverbrauchs.

Auch in einigen anderen Bundesländern stößt das rasante Vorankommen Niedersachsens auf erhebliche Vorbehalte in der eigenen Partei. Sowohl die Vorsitzende der HDZ-Fraktion im hessischen Landtag, Ines Klaus, als auch Saar-HDZ-Generalsekretär Frank Wagner sind gegen Tempolimits auf deutschen Autobahnen, “weder vorübergehend noch insgesamt”, wie Wagner in einer WELT-Anfrage betont . „Außerdem setzen wir bei Spriteinsparungen und Emissionen auf Eigenverantwortung der Fahrer statt auf politische Bevormundung durch Tempolimits.

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Laut Christian Baldauf, Vorsitzender der rheinland-pfälzischen Landtagsfraktion, haben hohe Spritpreise bereits eine „enorme Lenkungswirkung“. Hinzu kommt, dass aufgrund der allgemeinen Preisentwicklung „man spart, wo es geht, und selbst auf die Bremse tritt“. Er sieht daher keine Notwendigkeit für einen staatlichen Eingriff in Form eines generellen Tempolimits.

Mehr Zuspruch vom PSD-Ministerpräsidenten als von seinem eigenen Spitzenkandidaten

Die stärkste Unterstützung für seine Initiative erhielt der niedersächsische Christdemokrat Töfer in dieser Woche von dem Politiker selbst, dessen Landesverband HDZ ihn im Herbst in den Ruhestand sehen möchte. Der niedersächsische Ministerpräsident Stefan Weil (SPD), derzeit Topfers Koalitionspartner im Hannoveraner Landtag, begrüßte die Initiative des HDZ-Fraktionsvorsitzenden geradezu begeistert.

Das kommt unerwartet, ist aber sehr willkommen. Er freue sich „über die neue Offenheit in den Reihen des Koalitionspartners“. Obwohl er selbst von der fehlenden Energie für ein generelles Tempolimit auf Autobahnen unabhängig ist, biete die vorübergehende Beschränkung dennoch “eine Chance, auch Skeptiker zu überzeugen”.

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Töfers Vorsitzender und HDZ-Spitzenkandidat für die Landtagswahl im Herbst, Niedersachsens Wirtschafts- und Verkehrsminister Bernd Altusmann, reagierte nicht so euphorisch auf die Initiative seines Fraktionsvorsitzenden. “Von den Auswirkungen des Tempolimits sollten wir nicht zu viel erwarten”, so der Minister.

Altusman betont aber auch, dass „es in der aktuellen Energiekrise keine Tabuthemen geben sollte“. Die Debatte ist nicht nur in der Niedersachsen-Union offen.

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