Russland sperrt den ersten EU-Staaten das Gas, Österreich ist darauf aber genauso angewiesen wie vor dem Krieg in der Ukraine. Das sagt der Energieminister.
Energieministerin Leonore Gevesler teilte am späten Mittwochabend im ORF „ZiB 2“ mit Moderator Armin Wolf mit, dass Österreichs Gasversorgung „durch unsere Pipelines“ weiterhin intakt sei und es derzeit keine Einschränkungen gebe. Kurz davor warnte Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) auf Pulse 4: „Der Druck in den Warteschlangen lässt übrigens nach.“ Gewesler erklärte es wie folgt: Der Druck fiel nur ab und der Gasfluss nahm durch die Pipeline nach Polen ab, aber die Flüsse nach Österreich waren nicht betroffen und der Druck fiel nicht ab.
Der grüne Minister hat Gaskönig Putin eine neue Frist gesetzt
Laut dem Energieminister gebe es derzeit “keine Anzeichen”, dass Russland die Gaslieferungen nach Österreich kürzen könnte, “aber wir bereiten uns natürlich auf den Ernstfall vor”, wie alle anderen Szenarien, so Gevesler. Diese Szenarien werden auch enthalten, wo es Energiekontrollen und -beschränkungen für Großverbraucher geben kann. Gewessler kann nicht nachvollziehen, dass die Branche diesbezüglich mangelnde Informationen beklagt – die E-Control stehe in „ständigem Austausch“ mit möglicherweise betroffenen Unternehmen, der Gas-Notfallplan sei für jeden Bürger öffentlich einsehbar.
Notreserve – Österreich reagiert jetzt auf eine Gassperre
„Natürlich“ werden im Vorfeld Simulationen angestellt, bei denen beispielsweise die Gasversorgung der 50 größten Industrieverbraucher gestört und eingeschränkt werden kann, so der Minister. Aber die „unbequeme Wahrheit“ ist, dass, wenn Russland die Gaslieferungen über Nacht abschneidet, es nicht ersetzt werden kann. Daher ist es wichtig, dies zu verhindern, da es sonst zu Produktionseinschränkungen und Schäden kommt. Der Minister akzeptierte nicht, dass Österreich nicht genügend Vorsorgemaßnahmen getroffen hat – die Schlüsselgröße der Gasspeicherung liegt derzeit bei 18 Prozent.
Russisches Gas fliesse weiterhin nach Österreich, sagte der Minister
Österreich gebe viel Geld aus, um die Situation zu lösen, und erst zu Beginn der Speichersaison seien die Speicherstände „in den letzten Tagen deutlich gestiegen“. Nach Angaben des Ministers reichen die Vorräte derzeit für alle Verbraucher „zwei bis drei Monate“. Dass Österreich im Gegensatz zu Deutschland seine Abhängigkeit von russischem Gas nicht wesentlich reduziert hat, liegt laut Gewessler vor allem an einer „komplizierteren“ Situation und langfristigen Verträgen. Klar sei: Eine Sucht könne nicht „innerhalb weniger Wochen“ vermieden werden, hieß es.
Eskalation – Putin stoppt nun das Gas für EU-Länder
Doch was der Minister zugab: “Das ist kein Land, in dem Österreich auch nur ein paar Tage länger bleiben kann.” Die aktuelle Situation mache uns „erpressbar“ und „abhängig“, weshalb neue Pläne zum Ausstieg aus russischem Gas präsentiert wurden. Ziel: “Gehen Sie in den nächsten Winter mit weniger Abhängigkeit ein, als Sie diesen Winter verlassen haben.” Dazu müsse laut Gevesler aber jeder Bürger beitragen, denn das sei ein “nationaler Kraftakt, es wird nicht einfach”. Schließlich gehe es zu Hause um „jeden Gasherd“ und „jedes Grad Temperatur“, so der Minister.
Nav Account Funkzeit 27.04.2022, 22:33 | Akt: 27. April 2022, 22:37 Uhr
Add Comment