Eine grosse Umfrage der ETH
Der Glaube an die Neutralität beginnt zu bröckeln
Der Krieg in der Ukraine bringt die Schweizer zum Umdenken. Neutralität steht plötzlich nicht mehr im Vordergrund. Eine Annäherung an die NATO ist möglich und Sanktionen gegen Russland werden unterstützt. Das geht aus einer neuen Studie der ETH hervor.
Gesendet: 9:23 Uhr
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Aktualisiert: 10:28 Uhr
Der Krieg in der Ukraine führt zu einem Stimmungsumschwung im Land. Inzwischen begann sogar der Glaube an die mythologische Neutralität der Schweizerischen Eidgenossenschaft zu bröckeln – zum ersten Mal seit 20 Jahren. 89 Prozent befürworten nach wie vor klar das Neutralitätsprinzip. Im Vergleich zum Januar sind das aber acht Prozentpunkte weniger.
Generell wird die Neutralität deutlich kritischer gesehen als in den letzten Jahren. Zu diesem Schluss kommt eine Folgestudie der Studie Security 2022 der Militärakademie (MILAK) und des Center for Security Studies (CSS) der ETH Zürich. Heute sind nur noch 58 % der Bevölkerung davon überzeugt, dass Neutralität uns vor internationalen Konflikten schützt. Im Januar waren es noch 69 Prozent.
Mehrheit für Annäherung an die Nato
“Dies zeigt, dass der Krieg in der Ukraine die Einstellung der Schweizer Bevölkerung zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen deutlich verändert hat”, betonte Forschungsleiter Tibor Shvirtsev an der Präsentation vom Donnerstag.
Heute glaubt mit 35 Prozent gut ein Drittel der Wähler, dass eine europäische Verteidigungsunion mehr Sicherheit bringen würde als die Wahrung der Neutralität. Das sind immerhin 12 Prozentpunkte mehr als im Januar: “So gibt es immer mehr kritische Stimmen zur Machbarkeit der Neutralität.” Bemerkenswert auch: Die Zustimmung zur Annäherung an das westliche Verteidigungsbündnis Nato ist mit 52 Prozent hoch (+7 Prozentpunkte).
Klare Mehrheit für Sanktionen
Und auch ganz klar: Immerhin 77 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer finden es richtig, dass die Schweiz Sanktionen gegen Russland unterstützt. Und 71 Prozent glauben, dass Sanktionen mit Neutralität vereinbar sind. Andererseits wird die internationale Verflechtung der Schweiz zunehmend als Hindernis für die Neutralität angesehen. Dementsprechend sehen 39 Prozent (+10 Prozentpunkte) Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Neutralität.
Gleichzeitig halten 80 Prozent der Bevölkerung die Schweizer Armee für noch notwendiger (+ 5 Prozentpunkte). Vor allem aber ist die Nachfrage nach einer “voll ausgestatteten” Armee auf maximal 74 Prozent gestiegen. Wegen des Krieges in der Ukraine sind Herr und Frau Schweitzer zunehmend bereit, mehr Geld für die Verteidigung auszugeben.
Die Armee muss verstärkt werden
19 Prozent halten die Militärausgaben für “zu gering”. Dies entspricht einer Steigerung um 12 Prozentpunkte. Dieser Anteil war seit Beginn der Messungen in den 1980er Jahren noch nie so hoch. Die Meinung, dass die Schweiz “zu viel” für die Verteidigung ausgibt, ist hingegen immer noch mit 30 Prozent vertreten. Das entspricht einem Rückgang um 12 Prozentpunkte und ist der niedrigste jemals gemessene Wert. (db)
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