Bei der letzten Präsidentschaftswahl 2019 erzielte Abwerzger 98,7 Prozent. Der Vorsitzende des blauen Klubs sollte nicht mehr als Spitzenkandidat für die Landtagswahl gewählt werden, dies wurde bereits vor einigen Wochen von der Parteispitze „durchgezogen“. Bei der Landtagswahl 2018 erzielte die Partei 15,53 Prozent, eine aktuelle Umfrage prognostizierte mehr als 16 Prozent.
In seiner mehr als 30-minütigen Rede vor dem Landesparteitag vor rund 250 Delegierten im „S-Zentrum“ in Schwaz hat Abwerzger der ÖVP eine herbe Wahlniederlage zugefügt. Nur so kann das schwarze System überwunden werden, die FPÖ ist der einzig wirkliche Herausforderer. „Tirol hat endlich eine Regierung ohne die Grünen und einen anderen Landeshauptmann gewonnen“, sagte Abwerzger. Der FPÖ-Chef sprach vom 25. September als “Mutter aller Kämpfe”. Die FPÖ habe „tolle Ergebnisse in den Umfragen“ und jetzt müsse man „die PS auf die Straße bringen“.
„Wir können das, müssen wir aber nicht“, sagte Abwerzger. Die ÖVP kämpfe jedenfalls nicht wie die anderen Oppositionsparteien um eine Regierungsbeteiligung: “Ich kämpfe nicht für die hässlichste Braut Österreichs, die Tiroler ÖVP.” Der zurückgetretene ÖVP-Landeshauptmann Günter Platter war “Tirols berühmtester Flüchtling”, er scheute sich vor der Verantwortung und trieb Partei und Land an die Wand. Sein designierter Nachfolger, Anton Mattel, ist schlichtweg Platters’ „politischer Zwilling“. Der legendäre, ehemalige ÖVP-Landeshauptmann Eduard Wallnöfer wird sich “im Grabe umdrehen” über das Land der Tiroler ÖVP. Valnöfer würde Mattel als “Zukunftshoffnung der Sozialisten” verlassen. Platter sei „Batman bereit für den Ruhestand“, Mattel „der graue Robin“, spottete der FPÖ-Vorsitzende.
Nach Abwerzger war Kickl an der Reihe und bestätigte dem Vorsitzenden seiner Landespartei gleich die Chancen. Nach der Wahl beginne die “Ära des Landeshauptmanns Markus Abwertzger”, sagte Kickle in seiner rund einstündigen, teils beklatschten und hochemotionalen Rede. Er glaubt Abwerzger, dass es nicht unmöglich ist. „Du hast Herz, Hirn und Erfahrung. Außerdem bist du ein tapferer Kampl«, sagte Kickle. Gleichzeitig sei “die Ära des schlechtesten Tiroler Landeshauptmanns aller Zeiten, Gunther Platter”, vorbei, sagte Kickle vor den Delegierten. Schließlich wurde er mit Rufen „Herbert“ belohnt.
Jörg Heider hat in den 1980er-Jahren in Kärnten einmal gezeigt, dass der Landeshauptmann möglich ist. Damals hätte jeder gelacht, als er die Absicht von LH genannt hätte. Haider habe daraufhin „einen Satz gesagt, den sie nicht hören wollten“, sagte Kickle und bezog sich dabei offenbar auf Haiders damalige Rede über die „richtige Beschäftigungspolitik“ im Dritten Reich im Landtag, die am Ende dem langjährigen FPÖ-Vorsitzenden einen Strich durch die Rechnung machte dagegen stimmen. Am Ende kam Hyder jedoch stärker als je zuvor zurück.
Ansonsten startete Kickl auch massive Angriffe auf die Tiroler ÖVP und Platter: „Wir sind die einzigen Rivalen von Schwarzgepäck in Tirol.“ Das Platter-System soll am 25. September eingestellt werden. Kickl erklärte, dass er Platter damals kannte, ihn aber nicht bewertete. Der scheidende Tiroler LH ist ein „politisches Chamäleon“, eine Fahne im Wind und ein „Zocker“, weil er mit seinen „politischen Gags“ mit den Grünen dem Land großen Schaden zugefügt hat. Lauf jetzt vor Platter weg und versuche den ultimativen Wahlbetrug, denn: „Wo auch immer Mattel die Grinsekatze geschrieben steht, ist der böse Geist von Gunther Platter drin.“
Die FPÖ kann mit Zuversicht in diese Wahl gehen, weil sie in den letzten Corona-Jahren auf der rechten Seite stand – „Freiheit, Selbstbestimmung, Freiheit und Anstand“. „Das wird ein Wählerwatschn, ein Wedeltanz. Tirol wird das erste Land sein, das abgerechnet wird. Ihr Tiroler Freiheitsliebenden werdet die Initialzündung setzen und es wird eine Kettenreaktion aus Tirol geben.“ Die FPÖ sei jetzt „die Nummer eins im bürgerlichen Lager“, deutete der FPÖ-Chef in einer aktuellen Umfrage an. Das ist ein Trend, der Turnaround ist geschafft. Bei den nächsten Nationalratswahlen brauche es ein «blaues Erdbeben, um die Mauern zu erschüttern». Die FPÖ müsse das Kommando übernehmen, alles andere sei schon probiert und sei „für den Fisch“.
Zudem hatte Kickl auf Bundesebene deutliche Angriffe gegen (türkis-grüne) Anhänger. Bundespräsident Alexander Van der Bellen sei eine „Mumie in der Hofburg“, ein „Schlafmittel“, das sich „seit Jahren im Wachkoma“ befinde. Verteidigungsministerin Claudia Tanner (ÖVP) könne „einen Panzer nicht von einem Traktor unterscheiden“, Umweltministerin Leonore Gevesler (Grüne) von „Zwiderwurzn“. „In Russland geht der Rubel, hier brennt die Hütte“, sagte der FPÖ-Vorsitzende mit Blick auf den massiven Kursanstieg. Erneut rief Kickl Österreich zu einer neutralen Haltung gegenüber dem Krieg in der Ukraine auf. Denn man muss sich endlich den Ursachen der aktuellen wirtschaftlichen Probleme stellen.
Hinsichtlich der Wahl eines Bundespräsidenten kündigte Kickle allerdings nichts Neues an. Sie haben „Manderln und Weiberl“ als mögliche Kandidaten. Und diese Person wird es bald präsentieren, „vor dem Sommer“, etwa drei Monate vor den Wahlen am 9. Oktober. Ein “lebendiger, heller” Kandidat wird angeboten. Der FPÖ-Chef erschoss Van der Bellen erneut auf einen Mann, der morgens von einem Wecker geweckt wurde und nicht – wie derzeit in der Hofburg – von einem „Defibrillator“-Wagen.
Die Landespartei versuchte auf dem Parteitag die üblichen blauen Karten auszuspielen. Fahnenschwenkend – und nachdem eine Abordnung der Blaskapelle die Tiroler Landeshymne „Zu Mantua in Banden“ und die Landeshymne gesungen hatte – betraten Kickl, Abwerzger und andere Größen mit einer moderneren Klangkulisse den gut gefüllten Saal. Später marschierten auch die Kinder und Jugendlichen der Innsbrucker Stadtwache, die zu den Klängen von „Anton aus Tirol“ von DJ Ötzi, „Brenna tuats guat“ von Hubert von Goisern, „Hulapalu“ von Andreas Gabalier oder „Dem Land Tirol” die Treue”.
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