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Schwellbrunn AR: Appenzeller Alpabzug verkommt zum Saufen

Aktualisiert am 26. August 2022, 06:22 Uhr

Schwellbrunn AR: Appenzeller Alpabzug verkommt zum Saufen

Ein Video von News Scout zeigt atemberaubende Appenzeller Sennen auf ihrem Weg die Alpen hinunter. Traditionell wurde den Männern von Anwohnern und Gastronomen Alkohol ausgeschenkt.

Die Milchmänner machen sich auf den Weg von der Alp zurück ins Tal.

  • Ein Video, das 20 Minuten später von einem Nachrichtenscout gesendet wurde, zeigt offenbar betrunkene Hirten, die von den Alpen herunterkommen.

  • Der Leser ist irritiert. Er ist der Meinung, dass Alkohol das einzige Highlight bei traditionellen Veranstaltungen ist.

  • Dazu wollen sich die Appenzeller Institutionen aber nicht äussern.

In Appenzell wirbt man gerne mit aussichtsreichen Alpauf- und -abstiegen. Und mit prächtig gekleideten Hirten, erfahrenen Männern mit stoischen, nüchternen Mienen. Doch was ein Scout am vergangenen Sonntag auf dem Heimweg in Schwellbrunn AR sah, hatte wenig mit Nüchternheit zu tun. Und die Männer, denen er begegnete, konnten kaum aufrecht stehen.

Die Milchmänner waren auf dem Weg die Alpen hinunter – und taumelten sichtlich betrunken auf und neben der Straße, wie ein 20-minütiges Video zeigt. Der News-Scout ist enttäuscht: „In letzter Zeit ist der Alkoholkonsum stark eskaliert“, stellt er fest, ein Direktbewohner der Route. „Der alpine Skilauf ist eine Tradition, die tief in der Region verwurzelt ist. Es ist nicht wie bei der Street Parade, wo man einfach hingeht, um erschossen zu werden.”

Aber wie und warum wurden die Männer so stark betrunken? Laut Leser wurde den Milchmännern im Vorbeigehen von den Anwohnern Schnaps serviert. Der Beobachter findet ihn zu großzügig: „Für meinen Vater ist der Abzug etwas sehr Wichtiges, er selbst wurde vor 20 Jahren gemäht. Diese Entwicklung macht ihn traurig. Es ist nicht angenehm zuzusehen, wenn die Hirten vor den Kühen taumeln.”

„Gefahr für den Straßenverkehr“

Auch das ist nicht ohne Probleme. Hirten streifen während des Abstiegs lange mit ihren Tieren durch die Straßen. „In einem solchen Zustand kann man die Tiere nicht richtig führen, sie werden zu einer Gefahr für den Straßenverkehr“, klagt Schwellbrunner weiter. Er sieht Parallelen zu anderen traditionellen Ereignissen wie dem Neujahrsfest. “Heutzutage dreht sich beim Schweizer Zoll alles um das Trinken von Alkohol.”

Milchmännern wird traditionell Alkohol ausgeschenkt

Die Kantonspolizei begleitet die Alpabfahrt auf einem Teil der Strecke, aber nicht auf der ganzen Strecke. Allerdings liegen der Polizei, wie sie auf Nachfrage mitteilt, keine Informationen über den Vorfall in Schwelbrunn vor. „Traditionell werden den Älplern anlässlich der Almabfahrt auch alkoholische Getränke angeboten. Mir ist nicht bekannt, dass die Polizei aus diesem Grund hätte ausrücken oder ein Unfall hätte melden müssen», sagt Daniel Manser, Mediensprecher der Kantonspolizei Appenzell Ausserroden.

Aber auch die Milchbäuerinnen und -bauern sind Werbeträger, besonders in Appenzell. Welche Falle ist das für das Image der Region? 20 Minutes stellte verschiedene Anfragen, um die Szenen der Alpenabfahrten zu bewerten. Doch weder der Verein für Landwirtschaft und Alpwirtschaft Schwellbrunn, noch Appenzellerland Tourismus AR/AI, noch das Amt für Alpwirtschaft des Kantons Appenzell Innerrhoden wollten sich dazu äussern. Zum Appenzeller Käse, der Sennen zu einem wahren Kult machte, wollten sie sich nicht äußern.

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