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„Hallo, wir sind in Silt angekommen. […] Wir sind gerne auf Sylt! Chaos Days ’22, wir sind live dabei!”
So explodierte der Punk plötzlich auf Deutschlands beliebtester Insel, dank eines 9-Euro-Tickets, mit dem wir jetzt drei Monate lang die Regionalzüge und öffentlichen Verkehrsmittel der Deutschen Bahn nutzen können.
Als Pläne der Regierung bekannt wurden, überhitzten die sozialen Medien. Und in Deutschland stellte sich die Frage, wie man das günstige Ticket am besten nutzt. Einhellige Meinung: Fahr nach Sylt, egal wohin!
Tatsächlich kursierte in den linken Kreisen der Aufruf „Sylt hochzuladen“ – und rief damit Erinnerungen an das Frühjahr 1995 wach: Damals folgten die Rebellen dem Aufruf nach autonomen Menschen und reisten am Wochenende mit einer 15er-Zugfahrkarte nach Sylt Verbreitung von “Chaos”. Mehrere Dutzend Rebellen, die zuvor in zwei Zügen der Deutschen Bahn revoltiert hatten, wurden am Wochenende Ende März am Bahnhof Westerland festgenommen.
Bereits gut besucht: Touristen spazieren am Montag entlang der Promenade in Westerland Foto: Bodo Marks / dpa
Jetzt droht Sylt eine neue Flut oder gar Chaos? Ja, sagt Carl May Hellner, der mehrere Modehäuser auf der Insel betreibt und Vorsitzender des Vereins Sylter Unternehmer ist. Allerdings stellt man sich an den Wochenenden auf zusätzliche Gäste ein. Aber er glaube nicht, dass “wir überfahren werden”.
Das Hauptaugenmerk liege auf den rund 4.000 Reisenden, die täglich mit dem Zug zur Arbeit auf die Insel kämen, sagte Helner. „Unsere größte Sorge ist, dass unsere Mitarbeiter, die täglich (…) reisen, dann mit noch schmaleren Zügen reisen müssen.“ Die Insel bereitet sich nun auf Pfingsten vor, ein traditionell gut besuchtes Wochenende auf der Insel. “Pfingsten ist definitiv der erste Belastungstest von 9 Euro.”
Man hoffe natürlich, dass es keine Probleme gebe, “die leider angekündigt wurden”, sagte Unternehmer Helner. Die Insel will sich dennoch auf allerlei Tage des Chaos einstellen. „Es gab einige Gespräche in verschiedenen Kreisen.“ Sollte dies der Fall sein, sei dies auch Sache von Land und Bund. “Dann müssen sie uns unterstützen.”
Die Bahn rechnet mit überfüllten Zügen
Nicht nur in Richtung Sylt, sondern auch in anderen beliebten Touristenzielen rechnen die Verkehrsunternehmen mit zusätzlichen Belastungen – doch wie viele Menschen tatsächlich in Busse und Bahnen einsteigen werden, ist noch völlig offen.
Ein Bahnsprecher sagte erst am Mittwoch: „An Pfingsten sind die Züge schon gut gefüllt.“ Zudem sei die Zahl der Bahnreisenden zuletzt auch ohne Sonderfahrscheine deutlich gestiegen. Zu Ostern zählte der Konzern sogar mehr Fahrgäste in den Zügen als Ostern 2019 – vor der Krise.
Viele regionale Verkehrsunternehmen haben bereits angekündigt, dass die Fahrradmitnahme nicht immer überall möglich sein wird. Der Verkehrsverbund Nah.SH (Schleswig-Holstein) rechnet am Pfingstwochenende mit volleren Zügen auf der Marschbahn-Strecke von Hamburg nach Sylt. Auch zu anderen beliebten Zielen an der Nord- und Ostseeküste wird mit überhöhten Passagierzahlen gerechnet. Es ist ratsam, außerhalb der Stoßzeiten oder an weniger besuchten Orten zu reisen.
Auch die Bahntochter DB Regio Bayern warnte vor einer „weiter steigenden Auslastung“ in Regionalzügen zu touristischen Zielen wie Kochel am See, Garmisch-Partenkirchen, Oberstdorf und Lindau am Bodensee. Auch Schnellzüge wie München nach Nürnberg oder Würzburg nach Bamberg können für ein 9-Euro-Ticket aufgeladen werden.
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