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13.000 DAX-Punkte halten: Durchatmen nach einer schwierigen Woche

Marktbericht

Bis: 17.06.2022 18:16 Uhr

In der technischen Gegenbewegung hat der DAX heute Boden gut gemacht. Allerdings blieb das Marktumfeld aufgrund von Änderungen der Zentralbankzinsen volatil. Im Wochenvergleich gibt es ein dickes Minus.

Der DAX beendete den Handel heute mit einem moderaten Plus von 0,67 Prozent auf 13.126 Punkte. Nach den zuletzt deutlichen Kursverlusten an den Aktienmärkten endete die Woche zumindest etwas versöhnlicher für die Anleger.

Allerdings konnte der Index seinen Tageshöchststand von 13.237 Punkten nicht verteidigen. Das Tagestief lag bei 13.020 Punkten. Der DAX hält bisher eine runde Marke von 13.000 Punkten, die gestern bei 13.007 Punkten bedenklich schwankte. Auf Wochensicht bleibt für den deutschen Leitindex jedoch ein deutliches Minus von 4,6 Prozent.

Am Rentenmarkt hat sich die Lage heute beruhigt, nachdem die Renditen zuletzt stark gestiegen waren. Zehnjährige Bundesanleihen lagen bei 1,66 Prozent nach 1,70 Prozent im Vorjahr.

Technische Daten halfen dem Aktienmarkt heute, einschließlich eines hohen Anteils negativer Anleger in den Vereinigten Staaten. Ein hoher Anteil pessimistischer Anleger ist in den Augen vieler Marktbeobachter ein Gegenindikator und damit ein Indiz für steigende Kurse.

Außerdem war heute der Große Ablauftag. An diesem Tag schließen Anleger an Terminbörsen ihre auslaufenden Long- und Short-Positionen. Dadurch wird eine Marktbereinigung vorgenommen, die durchaus Grundlage für eine Trendwende sein kann.

Die Skepsis bleibt groß

Aber selbst wenn sich die heutigen DAX-Kursanstiege in der nächsten Woche fortsetzen: Mehr als ein Bärenmarktanstieg im vorherrschenden Abwärtstrend ist kaum zu erwarten. Mit Blick auf die Zukunft müssen Anleger sogar bereit sein, den bisherigen Jahrestiefststand seit Anfang März von 12.439 Punkten wieder zu erreichen.

Wirtschaftsupdate am 17.06.2022

Dorothy Holtz, HR, 17.6.2022 10:20 Uhr.

Analyst Jochen Stanzl vom Online-Broker CMC Markets hat vor weiteren Kursrückgängen gewarnt. Ein endgültiger Ausverkauf steht noch bevor, der durch einen schnellen Rückgang bei stark steigenden Handelsvolumina gekennzeichnet sein wird.

Zunächst muss die rasche Zinswende in den Vereinigten Staaten und neuerdings auch in Europa weiterhin für große Unruhe sorgen. „Das Risiko einer Rezession wächst, da das Soft-Landing-Ziel für die US-Wirtschaft immer schwieriger zu erreichen ist“, sagte Mark Hefele, ein bedeutender Investor in der Vermögensverwaltung der UBS Bank.

Die Veränderung des Zinsregimes ist, wie uns die Vergangenheit gelehrt hat, immer mit großer Unsicherheit und erhöhter Volatilität an den Märkten verbunden. Experten haben zuletzt immer wieder gesagt, dass sie erst wieder zu Atem kommen, wenn sich die Inflation beruhigt.

Aber so weit ist es wohl noch nicht. Entgegen jüngster Erwartungen dürfte die Inflation sowohl in der Eurozone als auch in den USA im Juni neue Höchststände erreichen, meinen Experten und weisen darauf hin, dass die Treibstoffpreise inzwischen wieder gestiegen sind. „In diesem Umfeld dürfte der Markt seine Zinserwartungen von Fed und EZB weiter überdenken.“

Wall Street ohne Richtung

Gegenwind für den DAX kam am Wochenende aus den USA. Nach einer freundlichen Eröffnung bewegen sich die wichtigsten Aktienindizes in New York nun uneinheitlich. Wenn der Handel nervös ist, ist der Leitindex Dow Jones aktuell im Minus, hat aber schon mehrfach das Vorzeichen gewechselt. Auch der Marktindex S&P 500 ist leicht rot. Besser sieht es beim Nasdaq aus, der rund 0,8 Prozent zulegt.

Auch in den Vereinigten Staaten wird der Fokus auf den Zentralbanken bleiben. Am Mittwoch reagierten die Anleger gelassen auf die Zinserhöhung der US-Notenbank um 0,75 Prozent seit 1994. Als jedoch die Schweizerische Nationalbank am Vortag überraschend ihren Leitzins anhob, brachen Dämme in Europa und den USA.

Revlon steigt dank der Fantasie des Schluckens im Preis

Ein Medienbericht über eine mögliche Übernahme beschert Revlon einen der größten Sprünge in der NYSE-Unternehmensgeschichte. Die Aktien des amerikanischen Kosmetikkonzerns, der gestern Insolvenz angemeldet hatte, stiegen um bis zu 61 Prozent. Laut indischem Fernsehen ist der Konglomerat Reliance an Revlon interessiert.

Die Ölpreise stehen unter Druck

Die Ölpreise kehrten zu ihren ursprünglichen Gewinnen zurück und erhöhten ihre Verluste im Laufe der Zeit stetig. Am späten Nachmittag kostet ein Barrel (159 Liter) Nordseesorte Brent gut 114 Dollar. Das sind 4,6 % mehr als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 5,3 Prozent auf knapp über 111 Dollar.

Die Ölpreise wurden in den vergangenen Tagen von der eingetrübten Stimmung an den Finanzmärkten belastet. In jüngerer Zeit hat der Kampf vieler Zentralbanken gegen die Inflation zunehmend Rezessionsängste geschürt. Zunächst einmal hat die deutliche Zinserhöhung der US-Notenbank in dieser Woche für Unsicherheit gesorgt. Eine konjunkturelle Schwächephase würde auch zu einem Rückgang des Rohölverbrauchs führen.

Commerzbank-Experte Carsten Fritsch verweist auch auf die jüngste Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA). Entsprechend dürfte der Ölmarkt in der zweiten Jahreshälfte überrepräsentiert sein, da die Ölförderung in den USA und Kanada deutlich zunehmen wird. Die russische Produktion ist dagegen weniger geschrumpft als bisher angenommen.