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140 km/h Sturm: 25 Menschen per Helikopter evakuiert, 6.500 noch ohne Strom

Am Freitag werden sie nach dem schweren Gewitter vom Donnerstag weiter aufräumen. In der Steiermark waren am Donnerstagnachmittag rund 400 Feuerwehren im Einsatz, mehr als 3.000 Feuerwehrleute waren in 1.400 Sturmeinsätzen im Einsatz. „Das war ein sehr markantes Unwetter im Zuge einer gewaltigen Gewitterserie, die sich über recht weite Teile der Steiermark erstreckte“, sagt Christian Pechsl von der Zamg. Windböen von 140 km/h wurden in Neumarkt, 124 km/h in Mooslandl, 119 km/h in Leoben, 112 km/h in Kapfenberg und 112 km/h in Köflach gemessen und hinterließen ihre Spuren.

Umgestürzte Strommasten

Die Unwetter im Raum Zeltweg (Steiermark) beschädigten Strommasten auf einer 220-kV-Leitung zwischen den Umspannwerken Obersielach und Hessenberg. Laut Energie Steiermark waren 85.000 Haushalte vorübergehend ohne Strom. Am Freitagmorgen waren es noch 6.500, mit den Hauptschadensgebieten in den Seitentälern des Mooretals und der Fischbacher Alpen. „Auch Höchst- und Hochspannungsleitungen wurden beschädigt“, sagt Urs Harnick, Sprecher der Energie Steiermark. Die Mechaniker wurden aus dem Urlaub zurückgeholt, weil der Schaden so groß war. Insgesamt waren über 150 Monteure in enger Zusammenarbeit mit Feuerwehr und Polizei über Nacht für Reparaturarbeiten im Einsatz. „Viele Leitungen können vorerst nur provisorisch repariert werden“, sagt Harnick.

Gebogene Strommast © Energie Steiermark

„Es kam fast aus dem Nichts“

Das Unwetter habe “fast aus dem Nichts eine Dimension gehabt, die auf den Wetterkarten in der Netzleitstelle der Energie Steiermark nicht ersichtlich war”, sagt Harnick. Er selbst sei seit rund 20 Jahren im Unternehmen, „so etwas habe ich noch nie erlebt.“ Die Zerstörung sei teils wild und dramatisch, “es wird Wochen dauern, bis alle Reparaturarbeiten abgeschlossen sind, aber das heißt nicht, dass jetzt Haushalte wochenlang ohne Strom sein werden, also werden auch Aggregate und Ersatzdienste eingesetzt.”

Sturmgewitterdach in Kapfenberg © FF Kapfenberg-Diemlach

Die Züge stehen still

Hinzu kam ein flächendeckender Ausfall der 110-kV-Bahnversorgung in Kärnten und der Steiermark. Viele der Ausfälle konnten laut ÖBB über Nacht behoben werden. Die Strecken von Leoben nach Friesach und von St. Michael nach Wald am Schoberpass bleibt am Freitag bis Mitternacht geschlossen. Ab dem voraussichtlichen Start am Samstag werden diese Strecken wieder Einbahnstraßen sein. Fernzüge (Rail und Nightjet) von Wien nach Venedig und zurück werden am Freitag über Salzburg umgeleitet.

Fernzüge von Wien nach Villach und von Graz ins Selztal fallen am Freitag komplett aus. Fahrgäste werden gebeten, alternative Verbindungen über Salzburg oder den Nahverkehr zu nutzen. Zwischen Leoben und Friesach und zwischen St. Michael und Wald am Schoberpass wurde ein Schienenwechseldienst eingerichtet. Auch im Güterverkehr kommt es derzeit laut ÖBB zu Störungen und möglicherweise längeren Transportzeiten. – Störungen im Detail zum jetzigen Zeitpunkt.

Dach des Busses

Im Raum Graz kam es zu maximalen Böen von 90 km/h (gemessen in Straßenausrüstung). Im Stadtteil Sankt Peter prallten Teile des Dachs eines Supermarkts gegen einen Bus. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, ein Passagier erlitt einen Schock. In der Petersgasse rissen Windböen ein Gerüst um, wodurch die Linien 6 und 64 vorübergehend eingestellt wurden.

Auch die Feuerwehren im Bereich der Stadt Leoben waren ohne Unterbrechung im Einsatz. Sonnenschirme, Stühle, Tische und Blumenbeete waren auf dem zentralen Platz verstreut, und in Kraubat fiel der Strom aus. Augenzeugenvideo aus Knittelfeld zeigt den Sturm über einem Flachdach.

Tote in Kärnten und Niederösterreich

Besonders tragisch war die Situation in Kärnten in der Region Wolfsberg: Ein kurzes, aber extrem starkes Gewitter mit Windböen entwurzelte mehrere Bäume im Vergnügungszentrum St. Andreas. Die Folgen sind fatal: Zwei Mädchen starben, mehrere Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Auch in Niederösterreich starben am Nachmittag drei Menschen. Sie wurden von einem umstürzenden Baum getroffen.

25 Personen sind abgehauen

Schaden, aber keine Verletzten gab es im Murtal: Kurz vor dem Start des Pit Lane Walk, auf den sich die MotoGP-Fans freuten, zogen am Donnerstagnachmittag schwarze Wolken über Murtal auf. Die Polizei evakuiert Touristen aus dem Gebiet Ingeringsee (Gemeinde Gaal) auf dem Luftweg. „Insgesamt 25 Menschen (darunter fünf kleine Kinder) und drei Hunde wurden bei dem Höhenlibellen-Unglück befreit“, teilte die Polizei am Abend mit. Weitere 34 Menschen waren im Raum Reicherhube gestrandet. Die Feuerwehr Bischoffeld machte den Weg frei und transportierte die Männer anschließend zu ihrem Waffenstützpunkt. Vier Waldarbeitern gelang über Wanderwege die sichere Flucht aus der Gefahrenzone.

Autobahnsperren, umgestürzte Bäume auf der Straße

Infolge des Sturms wurden auf der A2 zahlreiche Bäume entwurzelt und auf die Fahrbahn gestürzt, sowie die Fahrbahn mit Erde beaufschlagt.

Die Packtunnelkette (A 2) war wegen Stromausfall in beiden Richtungen gesperrt. Der Verkehr wurde dann von Asfinag-Beamten durch den Tunnel geleitet. Nachdem die Fahrbahn gegen 22 Uhr wieder frei war, kam es in den frühen Morgenstunden zu einem schweren Verkehrsunfall: Ein Sattelauflieger prallte gegen das Portal des Assingberger Tunnels. Die Autobahn wurde erneut gesperrt.

Auch die A 9 Pyhrnautbahn war betroffen – bei der Mautstelle Gleinalm stürzte ein Baum auf die Fahrbahn. Die A 9 wurde daher in Richtung Graz gesperrt. Zwischen Kalwang und Treglwang blockierten auch umgestürzte Bäume die Straße nach Norden.

Am Freitag gibt es noch mehrere Straßensperren. Darunter: B114a zwischen St. Georgen ob Judenburg und Pöls, B 116 zwischen Leoben und St. Michael, L 405 (Vorauer Straße) zwischen Miesenbach und Birkfeld wegen Reinigung, L537 Zeltwegerstraße zwischen Zeltweg und Weißkirchen. Die Gesäusestraße (B 146) im Ennstal bleibt jedenfalls bis Freitag gesperrt.

>>>Aktuelle Informationen zu Straßensperrungen finden Sie hier.