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1984: Au-Besetzung verhindert Kraftwerk – noe.ORF.at

Am 8. Dezember 1984 kamen tausende Studenten aus sechs Himmelsrichtungen nach Stopfenreuth (Bezirk Gänserndorf) am Nordufer der Donau. „Wir wussten, dass dies unsere letzte Chance ist“, erinnert sich der ehemalige Aktivist und heutige Nationalpark-Ranger Manfred Rosenberger. Denn zwei Tage später mussten die Bagger aufrollen und den Wald roden.

Mitten in der Aue sollte ein Wasserkraftwerk gebaut werden. Um die nötige Höhe zu erreichen, musste eine 16 Meter hohe Staumauer errichtet werden. Der Lauf der Donau würde künstlich um zweieinhalb Kilometer umgeleitet. Nur sechs Jahre nach der negativen Volksabstimmung über das AKW Zwentendorf folgte das nächste politisch umstrittene Projekt.

ORF Modell des geplanten Donaukraftwerks bei Heinburg

Vor allem die damaligen Betreiber des Projekts, die Donaukraftwerke, sowie die Bau- und Holzindustrie und die Gewerkschaften drängten darauf, den Bau des Donaukraftwerks bei Heinburg (Kreis Brook an der Leyte) zu decken wachsende Nachfrage nach Strom. Umweltaktivisten versuchten jedoch, das Projekt mit allen Mitteln zu verhindern.

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Das Kraftwerk Heinburg soll ein Glied in einer Kette von mehreren Staustufen sein, mit denen neben der Stromerzeugung insbesondere die Donau unabhängig vom aktuellen Wasserstand für den Europakahn schiffbar gemacht werden soll. Dazu war die Republik Österreich durch die Donaukonvention verpflichtet und die Arbeiten mussten bis 1990 abgeschlossen sein.

Nationalpark “nicht notwendig”

In Heinburg stand die Bevölkerung damals eher auf der Seite der Anhänger. „Das Kraftwerk wurde eigentlich positiv gesehen, die Bevölkerung war eher konservativ und es brauchte keinen Nationalpark“, erinnert sich Gastwirtin Michaela Gansterer-Zaminer. Vor allem die Jagd- und Fischereiverbände sprachen sich für den Bau aus.

Einerseits ging es um neue Jobs direkt am Eisernen Vorhang, andererseits erhoffte man sich neue Möglichkeiten im Tourismus, sagt Gansterer-Zaminer: „An so einem Stausee kann man etwas richtig Cooles entwickeln.“ Aber auch einige ältere Gebäude in der Stadt kämen für den Abriss des Kraftwerks infrage, etwa das Wirtshaus des Gastronomen: „Das war also keine Option für mich.“

Bwag CC BY-SA 4.0 In Heinburg sah die Bevölkerung deutlich mehr von den Vorteilen des Kraftwerks und unterstützte daher mehrheitlich das Projekt

Aber in den Gasthäusern der Stadt gab es endlose Diskussionen, manchmal sehr emotional, als Aktivisten versuchten, die Einheimischen zu überzeugen. Doch dann kam Widerstand von außen, was von den damals großen Parteien ÖVP und SPÖ mit Kritik a la „sie mischen sich ein“ einherging. Gansterer-Zaminer hält dies für eindeutig notwendige „Entwicklungshilfe“.

Tierische Pressekonferenz

Und dieser Widerstand begann mit der wohl ungewöhnlichsten und noch heute bekannten Tierpressekonferenz im Mai 1984. Sie wurde von den Unterstützern Günter Nenning, Freda Meissner-Blau, Hubert Gorbach, Josef Kapp, Ottmar Karas, Jörg Maute, Peter Turini oder Gerhard Die Heilingbrunners abgehalten stellte den Volksentscheid von Konrad Lorenz gegen den Bau des Donaukraftwerks Heinburg vor.

Das Jahr 1984 und die australische Besetzung

Das Besondere: Die Teilnehmer waren als Tiere verkleidet und traten als Auhirsche, Kröten, Kröten oder Schwarzstörche auf, um nur einige der Tierarten zu symbolisieren, deren Lebensraum durch den Bau des Kraftwerks bedroht würde. Prominente Anführer der Kraftwerksgegner waren der Verhaltensforscher und Nobelpreisträger Konrad Lorenz und der Schriftsteller und Journalist Günther Nenning.

In der Folge nahm der Widerstand gegen das Kraftwerk zu und es kam immer wieder zu Demonstrationen – vor allem von Studenten. Darüber hinaus wurden zahlreiche Bürgerinitiativen gegründet. Die spätere Grünen-Politikerin Freda Meissner-Blau war zunächst skeptisch, „weil die geballte Macht des Staates für das Kraftwerk war und wir eine Handvoll engagierter Leute waren, die sagten, nicht das letzte bisschen Au zu vernichten“.

Tausende Aktivisten besetzten Donau-Auen

Die Politiker waren jedoch nicht beeindruckt und fuhren mit den Plänen für das Kraftwerk fort. Niederösterreich hat sich Ende November endgültig für den Bau im Naturschutzverfahren entschieden. Am folgenden Tag war das niederösterreichische Bauernhaus in der Wiener Herrengasse einen Tag lang friedlich besetzt. Eine Aktion, die als Beginn des lange andauernden passiven Widerstands galt.

Zeit im Bild, 8. Dezember 1984: Der Widerstand formiert sich

Kurz vor Beginn der geplanten Aufräumarbeiten marschierten Öko-Aktivisten am 8. Dezember mit rund 8.000 Menschen auf – die Besetzung von Au begann. „Wir haben unsere Rucksäcke gepackt und sind mit dem Bus nach Österreich gefahren, weil wir das Kraftwerk unbedingt verhindern wollten“, erinnerte sich damals der 17-jährige Gymnasiast Achim Doppler.

Dramatische Tage in den Hütten

Trotz klirrender Kälte, Schneefall und Androhung von Haft- und Geldstrafen hielten sich zeitweise mehr als 2.000 Umweltaktivisten in den Donau-Auen bei Heinburg auf. Sie errichten Lager und schlafen in Zelten. An allen drei Zufahrtsstraßen wurden Holzbarrikaden errichtet. So gelang es ihnen, die Aufräumarbeiten für den Kraftwerksbau für einige Zeit einzustellen.

Fotoserie von 8 Fotos

Die Regierung von Bundeskanzler Fred Sinovac (SPÖ) zeigte sich unbeeindruckt. Die Räumung begann – unter massivem Polizeischutz. Aktivisten leisteten passiven Widerstand. „Jedes Mal, wenn ein Sägetrupp kam und schneiden wollte, haben wir den Baum umarmt“, sagt Meissner-Blau. Denn ein Gesetz sagt: „Während ein Mann unter einem Baum steht, kannst du ihn nicht schlagen“.

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Am 15. Dezember 1984 sorgten Öko-Aktivisten in der Fernsehsendung „Wetten, dass..?“ vor einem Millionenpublikum für Furore. Bundeskanzler Sinovac war damals Wettsponsor in der Sendung, Aktivisten liefen mit einem Transparent mit der Aufschrift „Nicht wetten – Donauauen retten“ vor die Kameras. Als sie in Ordnern abgeführt wurden, sagte Moderator Frank Elstner: “Niemand ist aus meinem Studio geflogen” und erlaubte den Aktivisten ein kurzes Statement.

Vom Sternenmarsch zur Eskalation

Unterdessen verschlechterte sich die Situation in der Hainburger Au. Am 17. Dezember hielt die Gewerkschaft ihre erste Sitzung in Heinburg ab. “Es gab ein Ultimatum, falls die Regierung die Au-Besetzer nicht mit Hilfe der Polizei räumen sollte, dass die Gewerkschafter es selbst tun würden”, sagt Gerhard Heylingbrunner, damals Hausbesetzer in Au.

ORF Am 19. Dezember eskalierte die Situation in der Stoppenreuther Au

Zwei Tage später eskalierte die Lage in Au. Die Polizei erhielt am 19. Dezember einen Räumungsbefehl und schritt ein, einige Beamte mit Gummiknüppeln. „Das ging durch die Knochen und das Mark“, erinnerte sich Heylingbrunner. „Ich will nicht sagen, dass es Krieg war, aber es war nahe an dem Punkt, an dem es hätte umkippen können.

Blut läuft über sein Gesicht

Bei den Zusammenstößen zwischen 800 Gendarmerie- und Polizeibeamten und etwa 3.000 australischen Hausbesetzern wurden 19 Menschen verletzt, die meisten von ihnen Umweltschützer. Manuela Trusil wurde am Kopf verletzt, „Plötzlich fühlte ich, wie mein Gesicht warm wurde. Dann streckte ich meine Hand aus und bemerkte, dass Blut daran herunterlief.

“Zeit im Bild”, 19. Dezember 1984: Polizei will Au befreien und eingreifen

Am Abend desselben Tages demonstrierten 40.000 Menschen in Wien gegen das Vorgehen der Regierung und den Bau des Kraftwerks. Die Medien sprachen von einem Tag der Schande. Die Säuberung wird unter öffentlichem Druck gestoppt, Kardinal Franz Koenig appelliert an beide Seiten, der Weihnachtsfrieden wird ausgerufen.

Aber auch die folgenden Feiertage verbrachten tausende Kraftwerksgegner in Au. Als der Oberste Gerichtshof Anfang Januar 1985 die weitere Freigabe bis zum Abschluss des laufenden Berufungsverfahrens untersagte, wurde die Besetzung beendet. Zwei Monate später wurde ein Referendum abgehalten, bei dem sich rund 350.000 Menschen gegen den Bau aussprachen. Damit war das Projekt Geschichte.

“Ich habe nichts verloren”

Diese Entscheidung sei von den Heinburgern “akzeptiert” worden, sagt Gastwirtin Michaela Gansterer-Zaminer: “Es gab keine Enttäuschung oder Wut gegenüber den Demonstranten, wir haben nichts verloren, wofür wir vorher gekämpft haben.” Das Kraftwerk würde Vorteile bringen, aber es war von den Einheimischen zunächst nicht erwünscht.

Kovacs Direkt an Hainburg vorbei fließt die Donau weiter

Stattdessen wurde bald darauf ein Vorschlag für einen Nationalpark vorgelegt, um die Buchtlandschaft für zukünftige Generationen zu bewahren. Freda Meissner-Blau – 1986 die erste Vorsitzende der Grünen, für die die Besetzung als Geburtsstunde der Partei gilt – verkündete damals, dass…