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49-Euro-Ticket, Benzinpreis, Wohngeld: Was Bund und Länder vorhaben

Im nächsten Jahr können Millionen Fahrgäste ein 49-Euro-Monatsticket für ganz Deutschland für Busse und Bahnen im Nah- und Regionalverkehr erwerben. Auf einer Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin haben sich Bund und Länder auf offene Fragen der Finanzierung des öffentlichen Personennahverkehrs verständigt. Auch in weiteren strittigen Punkten bestand angesichts der geplanten Entlastungen für Bürger und Unternehmen Einigkeit – darunter die Kosten für die Unterbringung von Flüchtlingen.

Das 49-Euro-Ticket soll so bald wie möglich starten

Bundesverkehrsminister Volker Vissing (FDP) zeigte sich zufrieden: Er hoffe, dass das 49-Euro-Ticket so ein großer Erfolg werde, dass mit den Ticketeinnahmen der Nahverkehr gestärkt werden könne, sagte er. Die erzielte Einigung sieht vor, dass sich Bund und Länder die Kosten für das Ticket in Höhe von insgesamt drei Milliarden Euro pro Jahr teilen. Darüber hinaus stellt der Bund den Ländern jährlich eine Milliarde Euro in sogenannten Regionalfonds zur Verfügung.

Geplant ist ein digitales, bundesweit gültiges „Deutschlandticket“ für den öffentlichen Nahverkehr zum Einführungspreis von 49 Euro pro Monat im monatlich kündbaren Abo. Das Ticket muss so schnell wie möglich eingegeben werden. Ob ein Start zu Beginn des Jahres funktionieren wird, ist eine offene Frage. Der Preis kann sich im Laufe der Zeit auch erhöhen. Bundes- und Landesverkehrsminister haben sich Mitte Oktober grundsätzlich auf ein 49-Euro-Ticket als Nachfolger des 9-Euro-Tickets aus dem Sommer geeinigt. Die genaue Finanzierung bleibt jedoch vorerst offen.

Die Prämisse für den Gaspreis kommt – voraussichtlich ab Februar

Bund und Länder einigten sich bei ihrer Sitzung endlich auf die von der Bundesregierung seit längerem geplante Gas- und Strompreisbremse. Für Gaspreise soll die Obergrenze für 80 Prozent des voraussichtlichen Verbrauchs 12 Cent pro Kilowattstunde betragen, für Heizung 9,5 Cent und für Strom 40 Cent.

Die Gaspreisbremse für Privatkunden soll voraussichtlich rückwirkend zum 1. Februar 2023 greifen. Die Bundesländer haben sich nach Angaben von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) einstimmig dafür ausgesprochen, dass das Instrument früher als bisher geplant kommt, sonst dort wird im Januar eine Lücke sein, wenn die Gaspreisbremse noch nicht greift.

Andererseits soll die Strompreisbremse laut aktuellem Beschluss ab dem 1. Januar 2023 „entlastend“ wirken. Bund und Länder haben sich noch nicht auf eine Härtefallregelung für kleine und mittlere Unternehmen geeinigt Unternehmen, die besonders stark unter hohen Energiekosten leiden und denen Preisbremsen allein nicht ausreichen. „Wir sind uns einig, dass es eine Härtefallregelung geben sollte“, sagte Wuest. Allerdings gibt es noch keine Einigung darüber, wer die Kosten trägt.

Flüchtlinge: Weitere 1,5 Milliarden Euro für Unterkünfte

Nach dem Treffen wurde auch klar, dass der Bund zusätzliche Mittel für die Unterbringung von Flüchtlingen in den Bundesländern und Kommunen beisteuern wird. Für das laufende Jahr wolle die Bundesregierung zusätzlich 1,5 Milliarden Euro für die Versorgung von Flüchtlingen unter anderem aus der Ukraine bereitstellen, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Bisher hat die Bundesregierung den Ländern für das laufende Jahr zwei Milliarden Euro zugesagt.

Für das kommende Jahr wolle der Bund weitere 1,5 Milliarden Euro für die Aufnahme von Flüchtlingen bereitstellen, sagte Scholz. Für Menschen aus anderen Ländern als der Ukraine, die in Deutschland Schutz suchten, sollen es 1,25 Milliarden Euro sein. „Eine gute Einigung, die uns in die Lage versetzt, die Herausforderungen zu meistern, vor denen wir alle in dieser Hinsicht stehen.“ Insgesamt zeigte sich der Kanzler zufrieden mit den Entscheidungen: „Wir werden Hand anlegen. Gemeinsam werden wir die Probleme unseres Landes lösen”.

Einigung auch beim Wohngeld: Bund und Länder teilen sich die Kosten

Streit gab es am Vorabend der Sitzung auch darüber, wie die geplante Ausweitung des Wohngeldes umgesetzt und finanziert werden soll. Auch hier gibt es eine Einigung: Bund und Länder teilen sich die Kosten der geplanten Reform. Es bleibt dabei, dass die Hälfte der staatlichen Hilfen für Geringverdiener von den Bundesländern finanziert wird, heißt es in der Beschlussurkunde. Eigentlich wollten die Länder das Wohngeld nicht mehr finanziell unterstützen.

Aufgrund der hohen Energiepreise soll zum 1. Januar der staatliche Mietzuschuss reformiert werden: Dann steigt das Wohngeld um durchschnittlich 190 Euro pro Monat. Außerdem müssen 1,4 Millionen Bürger mehr als bisher bezahlt werden. Wir sprechen von Kosten in Höhe von 5,1 Milliarden Euro. Bauministerin Clara Geiwitz (SPD) begrüßte die Einigung: „Die Unterstützung bei der Bewältigung dieser Kosten wird vielen Menschen Sicherheit geben können“, sagte sie.

Söder: Konstruktive Gespräche, aber “Juckreiz” bleibt.

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zeigte sich nach der Länderrunde insgesamt zufrieden. Nach seinen Worten seien die Gespräche konstruktiv verlaufen, „es gibt Bewegung, schon eine Veränderung“. Doch die “Juckreizstellen” seien geblieben, sagte Söder dem BR. Wie andere Ministerpräsidenten bezeichnete er das Fehlen einer Entscheidung, Bürger und Unternehmen von den Energiepreisen im Januar zu entlasten, als Fehler.

Söder kritisierte zudem die fehlende Grundfinanzierung für Öl- und Pelletsheizungen. „Die meisten Länder sind sehr besorgt über Öl. Schließlich sei es nicht fair, „dass gerade Gaskunden einen Vollersatz bekommen und jemand, der eine Ölheizung hat, nur als Not- oder Härtefall gelten kann“. Söder bezeichnete die Einigung im Nahverkehr als wichtig: „Der Weg zum 49-Euro-Ticket ist jetzt frei“, betonte er. Die vom Bund den Ländern zugesagten Regionalisierungsmittel reiche noch nicht aus, “aber wir können das in Bayern stemmen”.

Ähnlich äußerte sich Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). „Es ist ein Erfolg für die Länder, dass der Bund endlich zusätzliche Mittel für Regionalisierung und Dynamik zusagt“, sagte Bernreiter nach der Bund-Länder-Vereinbarung. Statt der von allen Landesverkehrsministern geforderten 1,5 Milliarden Euro gibt es aber nur eine Milliarde Euro – und keine zusätzliche Entlastung für die von hohen Energie- und Kraftstoffpreisen gebeutelten Verkehrsunternehmen. “Mehr wäre besser.”