Stand: 07.11.2022 20:40
Aufgrund der Energiekrise fragen sich viele Kommunen, wie sie Gas und Strom sparen können. Oldenburg hat dafür bereits einen 30-Punkte-Plan aufgestellt. Darüber wird heute diskutiert.
„Natürlich müssen wir damit leben, dass wir im schlimmsten Fall im Herbst einen Gasnotstand haben“, sagte Oldenburgs Oberbürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) dem NDR in Niedersachsen. Um möglichst viel Gas einzusparen, das dann als Reserve für den Winter genutzt werden kann, sucht ein Arbeitskreis in der Verwaltung Oldenburg nach Möglichkeiten zur Energieeinsparung. Heute Morgen will die Geschäftsleitung dem Projekt zustimmen. Am Abend will Krogman den Stadtrat darüber informieren.
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Sparen Sie, um den Wintervorrat zu sichern
Bürgermeister Jürgen Krogmann (SPD) will die Einsparpotenziale nutzen. (Archiv)
Insgesamt gibt es 30 Sparangebote. „Offensichtlich haben wir uns dort einige unangenehme Dinge überlegt“, sagte Krogman. So will der Bürgermeister zum Beispiel die Raumtemperaturen in öffentlichen Gebäuden, in der Verwaltung und in Schulen senken. Laut Krogman liegt der Erdgasverbrauch kommunaler Liegenschaften bei etwa 41 Millionen Kilowattstunden pro Jahr, der Stromverbrauch bei etwa zwölf Millionen Kilowattstunden. Schulen rangierten sowohl beim Gas- als auch beim Stromverbrauch an erster Stelle und verbrauchten 67 Prozent des gesamten Erdgasbedarfs und 50 Prozent des Strombedarfs. Niemand solle frieren, sagte der Bürgermeister. Aber er will die gesetzlichen Mindestwerte ausnutzen. Denn ein Grad niedrigere Raumtemperatur soll sechs Prozent Energie einsparen.
Straßenlaternen dimmen, Ampeln nachts ausschalten
Es ist auch möglich, die Außenbeleuchtung öffentlicher Gebäude auszuschalten, Ampeln nach 22 Uhr auszuschalten oder die Straßenbeleuchtung zu dimmen. Zudem wird geprüft, ein oder zwei Bäder in den Sommerferien bis Ende August zu schließen. Außerdem können Durchlauferhitzer zum Händewaschen in öffentlichen Gebäuden abgeschaltet werden, sodass das Händewaschen nur noch mit kaltem Wasser erfolgt. Seit März arbeitet die Task Force an Einsparpotenzialen in der Stadt. Berechnungen zufolge wird die Stadt laut Krogman mit diesen kurzfristigen Projekten zwischen 10 und 20 Prozent weniger Energie verbrauchen.
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Krogmann erwartet großes Verständnis
Es gehe immer darum, Nutzen und Konfliktpotential abzuwägen, sagte Krogman. Angesichts der entstandenen Situation erwartet er jedoch großes Verständnis der Bürgerinnen und Bürger. Mit dem Vorschlag, die Heiztemperatur in den Schulen zu senken und die Schwimmbäder vorübergehend zu schließen, bereitet sich der Bürgermeister ebenfalls auf Gespräche vor. Wie sich Oldenburg in den nächsten Wochen zum Energiesparen genau aufstellt, wird heute Nachmittag, spätestens nach der Gemeinderatssitzung heute Abend, deutlich.
Andere Städte und Landkreise haben die Temperatur in Badezimmern gesenkt
Auch in anderen Teilen Niedersachsens denken Stadt- und Kreisverwaltungen über Einsparmöglichkeiten nach – und haben einige bereits umgesetzt. Im Stadtteil Payne und in Wolfenbüttel ist das Wasser in den Schwimmbädern derzeit eineinhalb bis zwei Grad kühler. Das spart etwa acht bis zehn Prozent Energie. Allerdings gebe es auch Bedenken etwa gegen Maßnahmen wie die Schließung von Bädern: Dann könnten die Menschen auf private Bäder ausweichen, sagte der Kreissprecher Goslar.
Braunschweig will Abschottung, die Region Gifhorn will Technologieaustausch
Die Stadt Braunschweig berät nun mit dem Betriebsrat, ob die Raumtemperatur in öffentlichen Gebäuden abgesenkt werden kann. Weitere Einsparpotenziale liegen laut einem Sprecher jedoch in der Dämmung von Fassaden, Fenstern und Dächern von Gebäuden. Der Kreis Gifhorn will in besonders alten Schulen, Kreishäusern und Asylbewerberunterkünften neue Heizungen, Wärmepumpen, Solaranlagen und LED-Leuchten einbauen lassen – je nach Bedarf. All das soll noch vor dem Winter fertig sein, sagte die Sprecherin.
Harburg versorgt sich selbst mit Ökostrom, Lüneburg plant eine Tagung
Bei der Energieversorgung ist der Kreis Harburg vielen anderen Kreisen einen Schritt voraus: Alle 134 öffentlichen Gebäude dort werden mit Ökostrom versorgt – sechs Prozent davon stammen aus Photovoltaikanlagen. Dort suchen Spezialisten aber auch nach anderen Sparmöglichkeiten. Die meisten Städte und Gemeinden wollen ihre Notfallpläne nach den Sommerferien vorlegen. Lüneburg beispielsweise plant für die letzte Augustwoche eine Konferenz. Oberbürgermeisterin Claudia Kalish (Grüne) will dann mit Vertretern von Wirtschaft, Sozialverbänden, der Kirche, Energieversorgern, Banken, Kliniken, Schulen, Kitas und der Leuphana Universität mögliche Szenarien und Notfallpläne diskutieren. Es gehe darum, „wie wir als Stadtgesellschaft zusammenhalten können“.
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Dieses Thema im Programm:
NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.07.2022 | 08:00 Uhr morgens
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