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Der Gaszuschlag beträgt 2,419 Cent pro Kilowattstunde

Hohe Zusatzkosten für Verbraucher – die Gasgebühr beträgt 2,419 Cent pro Kilowattstunde

Frank Hörmann und Sven Simon

Audio: rbb24-Inforadio | 15.08.2022 | Kevin Kühnert | Bild: Frank Hörmann/Sven Simon Download (mp3, 8 MB)

Die genaue Höhe der Gasabgabe gaben die Gasnetzbetreiber am Montag bekannt: Sie beträgt für Verbraucher 2,419 Cent pro Kilowattstunde. Die Umlage soll die Versorgung der unverzichtbaren Gasimporteure unterstützen.

Die staatliche Gassteuer dürfte Millionen Kunden ab Herbst mit enormen Mehrkosten belasten – jetzt steht fest: Ab Oktober werden es 2,419 Cent pro Kilowattstunde sein. Das Joint Venture der Gasnetzbetreiber, Trading Hub Europe (THE), hat am Montag die Berechnung vorgelegt. Das Wirtschaftsministerium hat kürzlich eine Spanne von 1,5 bis 5 Cent pro Kilowattstunde beschlossen.

Je nach Wohnungsgröße kommen allein auf die Gebühr mehrere hundert Euro pro Jahr hinzu. Zudem sind die Energiepreise in die Höhe geschossen, weshalb vielen Kunden beim Abschluss eines neuen Vertrages mit dem Gasversorger eine Preiserhöhung von mehr als 100 Prozent droht.

Verteilung zur Unterstützung der Gasversorger ab Oktober

Der Zuschlag soll Gasversorgern zugutekommen, die die fehlenden, billigeren Gasmengen aus Russland zu hohen Preisen ersetzen müssen. Die genaue Höhe der Umlage hat der sogenannte Marktmanager Trading Hub Europe, ein Joint Venture der Gasfernleitungsnetzbetreiber in Deutschland, berechnet.

Die Steuer soll ab Anfang Oktober in Kraft treten – allerdings nicht sofort, sondern mit etwas Verzögerung auf den Rechnungen sichtbar sein, so das Wirtschaftsministerium. Das Energiewirtschaftsgesetz sieht aus Verbraucherschutzgründen Kündigungsfristen von vier bis sechs Wochen vor, die eingehalten werden müssen. Daher wird der Freibetrag voraussichtlich erst im November/Dezember mit etwas Verzögerung auf Rechnungen erscheinen.

Wirtschaftsministerium: Russland verursacht „externen Schock“

Das Wirtschaftsministerium sieht die Abgabe als Folge des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine. Dies hat die ohnehin angespannte Lage auf den Energiemärkten dramatisch verschärft. Seit Mitte Juni hat Russland die Menge der Gasimporte nach Deutschland auf unvorhersehbare Weise reduziert und damit künstliche Energieknappheit und Preiserhöhungen geschaffen. Dieser „externe Schock“ trifft besonders Deutschland, das bisher stark von billigem Gas aus Russland abhängig war. Viele bisher vertraglich zugesicherte Gaslieferungen aus Russland wurden storniert.

Gasimporteure haben jedoch Lieferverpflichtungen gegenüber ihren Kunden, insbesondere Stadtwerken. Importeure können diese Lieferverpflichtungen nur erfüllen, indem sie die verlorenen Mengen aus Russland durch den kurzfristigen Zukauf deutlich teurerer Mengen ersetzen. Diese zusätzlichen Kosten können vorerst nicht übertragen werden.

Die Folge: Importeure erlitten erhebliche Verluste. Deshalb hat die Bundesregierung mit dem Energieversorger Uniper ein milliardenschweres Rettungspaket vereinbart [tagesschau.de] – und damit auch die Spritgebühr. Hinzu kommen marktbedingte Preiserhöhungen, die nach und nach auf die Kunden durchsickern.

Mehrwertsteuer: Lindner bittet die EU um eine Ausnahme

Ob auf die Gasgebühr Mehrwertsteuer fällig wird, steht noch nicht fest. Das will die Bundesregierung zwar verhindern, ist aber rechtlich nicht einfach. Solche Ausnahmen sind laut Finanzministerium in der europäischen Gesetzgebung nicht vorgesehen. Finanzminister Christian Lindner (FDP) forderte eine Ausnahmeregelung auf EU-Ebene: In einem Schreiben an EU-Finanzkommissar Paolo Gentiloni forderte Lindner diesen auf, von seinem Initiativrecht Gebrauch zu machen und den EU-Staaten die Möglichkeit zu geben, staatliche Steuern im Energiesektor für einen zu senken dabei wird keine Mehrwertsteuer erhoben. Dennoch werde Deutschland eine Befreiung nach Artikel 395 der Mehrwertsteuerrichtlinie beantragen, hieß es.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat den Bürgern angesichts stark gestiegener Energiepreise weitere Erleichterungen zugesagt. Niemand wird allein gelassen.

Ausstrahlung: rbb24 Abendshow, 15.08.22, 19:30 Uhr