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DAX weiterhin hoch: Risiken werden ignoriert

Stand: 15.08.2022 09:47 Uhr

Der DAX behauptete seinen hohen Stand am Mittag. Große Sprünge macht der Markt aber nicht, denn Risiken gibt es noch mehr als genug. Sie werden derzeit jedoch unterdrückt.

Der DAX kämpfte zu Wochenbeginn mit der 13.800-Punkte-Marke und blieb damit auf dem hohen Niveau, das er bereits am Freitag infolge der steigenden Wall Street markiert hatte. Korrekter war es bisher allerdings nicht, zumal vor Marktöffnung wieder leicht höhere Gewinne weggefallen sind.

Neben vereinzelten Quartalsberichten aus dem Unternehmenssektor bleibt das Hauptthema der zu erwartende Zinssatz der US-Notenbank (Fed). Hier ist die Stimmung der Anleger derzeit besser als die aktuelle Situation, insbesondere bei den besonders zinssensiblen US-Technologietiteln. Sie setzen insbesondere darauf, dass die Inflation ihren Höhepunkt erreicht hat, was die US-Märkte zuletzt nach oben gezogen und anschließend den DAX beflügelt hat. Aber das kann gefährlich sein.

„Die Anleger scheinen alle Bedenken über Bord zu werfen“, sagte Experte Christian Henke vom Broker IG. “Die Tatsache, dass die Energie- und Rohstoffpreise immer noch zu hoch sind und die Inflation immer noch Welten vom Zwei-Prozent-Ziel der Federal Reserve entfernt ist, interessiert niemanden.”

Am Mittwoch wird es ernst

Sind Anleger heutzutage zu sorglos? Das Protokoll der letzten Sitzung der Fed kann Aufschluss darüber geben, ob sie Recht haben. Diese im Fachjargon „Protocols“ genannten Dokumente werden am Mittwoch nach US-Börsenschluss veröffentlicht. „Das Protokoll des FOMC sollte die restriktiven Töne der jüngsten Erklärungen der Fed verstärken, dass das Ende von Zinssätzen und Inflation noch lange nicht erreicht ist“, sagte Tapas Strickland, Chief Economic Officer bei NAB.

„Aber es wäre zu früh, Sorgen um Inflation, Zinsen und Konjunktur hinauszuzögern“, warnten Experten der Landesbank Helaba heute Morgen und verwiesen auf anhaltende geopolitische Risiken, „die schnell wieder hochkommen könnten“.

Wirtschaftsupdate vom 15.08.2022

Klaus-Rainer Jakisch, Personal, 15.08.2022 09:47

US-Futures im Minus

Auch in New York sind Anleger vorsichtig. Die Futures der wichtigsten US-Indizes signalisierten einen moderat schwächeren Start für den Aktienmarkt an der Wall Street. Nach den jüngsten Gewinnen scheinen sich die US-Investoren noch vor der Minute zu beruhigen. Der Leitindex Dow Jones stieg am Freitag um 1,27 % auf 33.761 Punkte, die Technologiebörse Nasdaq legte sogar um mehr als zwei Prozent zu.

Am Nachmittag könnten neue Konjunkturdaten aus den USA für neue Impulse sorgen. Auf der Agenda stehen unter anderem der angesehene Frühindikator Empire State Index und der NAHB Housing Market Index.

Der Ölpreis fällt

Die Ölpreise bauten einen Teil der Verluste aus, die sie Ende der Woche erlitten hatten. Am Montag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 97,06 US-Dollar. Das waren 1,09 $ weniger als am Freitag. Ein Barrel West Texas Intermediate (WTI) für die Lieferung im September fiel um 1,01 $ auf 91,08 $.

Am Freitag belastete ein Anstieg des Dollarkurses die Ölpreise, da ein stärkerer Dollar Rohöl in anderen Währungsräumen verteuerte und damit die Nachfrage dämpfte. Schwache Wirtschaftsdaten aus China schüren nun Bedenken, dass die Nachfrage nach Öl in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt nachlassen könnte. Ölgiganten wurden auch durch die Aussicht auf Bemühungen zur Wiederbelebung des Atomabkommens mit dem Iran verletzt. In diesem Fall wäre mehr iranisches Rohöl auf dem Weltmarkt verfügbar, was den Preis entsprechend senken dürfte.

In Deutschland werden heute politische Entscheidungen über die Höhe der staatlich eingeführten Gassteuer erwartet, die alle Haushalte zu tragen haben.

Euro erhöht Verluste

Der Euro schwächte sich nach seinen Kursverlusten zum Wochenende weiter ab. Die Gemeinschaftswährung handelte am Mittag erneut knapp unter der Marke von 1,02 USD. Die Europäische Zentralbank hatte die Benchmark zuletzt mit 1,0285 US-Dollar (Donnerstag: 1,0338) fast einen ganzen Cent höher gesetzt. Am Freitag stützten positive US-Verbraucherstimmungsdaten den Dollar und belasteten den Euro.

Gemischte Wirtschaftsdaten aus China

Weitere Anzeichen einer wirtschaftlichen Schwäche in China belasteten derweil Anfang der Woche die Stimmung an den Börsen des Landes. Der Hang-Seng-Index in Hongkong fiel um etwa 0,4 Prozent. Continental-Indizes waren gemischt und im Großen und Ganzen wenig verändert.

Die Tatsache, dass Chinas Notenbank erstmals seit Januar überraschend den Zinssatz für einjährige Refinanzierungsgeschäfte mit Banken senkte, stützte die Kurse nur bedingt. Der Schritt wird eher als Zeichen dafür gewertet, wie besorgt Währungsbeobachter über die von den strengen Corona-Lockdowns gebeutelte Wirtschaft sind. Überraschenderweise verlangsamte sich das Wachstum der Einzelhandelsumsätze im Juli im Vergleich zum Vorjahr. Auch Chinas Industrieproduktion verlor unerwartet an Schwung.

Apropos Lockdowns: Das Land meldete heute mit 2.478 Corona-Fällen den höchsten Stand seit drei Monaten. Lockdown-Maßnahmen haben China seit Beginn der Pandemie immer wieder lahmgelegt und auch die Weltwirtschaft negativ beeinflusst – wenngleich die Zahlen im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung von rund 1,4 Milliarden gering sind. China hat eine strikte Null-Covid-Politik.

„Dies sind weitere Anzeichen dafür, dass die Wachstumsdynamik nach dem Lockdown in Shanghai schnell nachlässt“, sagte Alvin Tan, Stratege bei RBC. „Die Geldpolitik verliert an Zugkraft, was möglicherweise den Wechselkurs behindert, wobei die Exporte der einzige Lichtblick sind …