15. August 2022 um 11:03 Uhr
Im August 1971 dirigierte der damals 30-jährige Riccardo Muti auf Einladung von Herbert von Karajan erstmals die Wiener Philharmoniker bei den Salzburger Festspielen. Fast auf den Tag genau 51 Jahre und über 470 gemeinsame Auftritte später laden die langjährigen musikalischen Partner bei den diesjährigen Festspielen zu einer Konzertmatinee ein, bei der es um die letzten Dinge geht.
Mit der Sechsten Symphonie ist Pathétique, vielleicht Tschaikowskys persönlichstes Werk, der Höhepunkt des ersten Satzes des Konzerts. „Ich habe meine ganze Seele in diese Symphonie gesteckt“, sagte der große russische Romantiker, der neun Tage nach der Uraufführung 1893 unerwartet starb. Der Zusammenstoß der Symphonie mit dem Tod liegt nicht nur an der Stimmung des langsamen letzten Satzes, der einem Requiem gleicht – ein musikhistorisches Novum! – verzeichnet; Dies wird auch durch die Verwendung von Melodien aus der russisch-orthodoxen Totenliturgie belegt. In Franz Liszts letzter sinfonischer Dichtung Von der Wiege bis zur Bahre – ebenfalls ein Spätwerk – elf Jahre früher entstanden, wird der menschliche Lebenszyklus in drei Etappen gemessen: von der Wiege über den Kampf ums Dasein bis zum Grab. Letzteres wird von Liszt im zyklischen Sinne als „Wiege des künftigen Lebens“ verstanden – weitsichtiges Denken findet seinen Ausdruck in weitsichtiger Harmonie. Metaphysisch ist auch das letzte Stück, wenn der russische Bassist Ildar Abdrazakov im Prolog von Arrigo Boitos einziger vollendeter Oper in die namensgebende Rolle des Mephisto schlüpft, um mit Gott um das Schicksal des Faust zu ringen. Der Wiener Staatsopernchor leiht den himmlischen Heerscharen, irdischen Büßern und dem Allerhöchsten selbst seine Stimme, während der Kinderchor der Salzburger Festspiele in die Rolle des fröhlich flatternden Cherubini schlüpft.
Ö1 überträgt das Konzert live aus dem Großen Festspielhaus in Salzburg.
(Sarah Schulmeister)
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Rezension
Wiedergabeliste
Komponist: Peter Iljitsch Tschaikowsky Volkstitel: Salzburger Festspiele 2022 / Wiener Philharmoniker Titel: Symphonie Nr. 6 h-Moll op.74 Volkstümlicher Titel: Pathétique* Adagio – Allegro non troppo – Andante – Moderato mosso – Andante – Moderato assai – Allegro vivo – Andante come prima – Andante mosso – 1. Satz* Allegro con grazia – 2. Satz* Allegro molto vivace – 3. Satz* Finale: Adagio lamentoso – Andante – 4. Satz Orchester: Wiener Philharmoniker Dirigent: Riccardo MuttiDauer: 52:38 min.
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