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Kohlekraftwerke: Hindernisse auf dem Weg zurück ans Netz

Stand: 16.08.2022 08:10 Uhr

Kohlekraftwerke müssen während der Gaskrise Strom aufrechterhalten und wieder ans Netz gehen. Aber viele Stacks sind noch in Reserve. Es gibt viele Dinge, die Ihren Neustart stören.

Mächtig und grau ragt der Kühlturm des Kraftwerks Bexbach hinter einigen Bäumen hervor. Der Kondensstreifen eines Flugzeugs erstreckt sich über seine Öffnung. Ansonsten ist der Himmel blau. Aus dem Kühlturm steigt kein Wasserdampf auf; noch Rauch aus dem benachbarten Schornstein. Mit 726 Megawatt ist das stärkste Steinkohlekraftwerk des Saarlandes noch in Netzreserve.

Der Energiekonzern STEAG wollte das Kraftwerk schon lange wieder an den Markt bringen. Seit dem 14. Juli erlaubt dies auch eine Verordnung der Bundesregierung. Um in der Energiekrise Gas zu sparen, können Kohlekraftwerke aus der sogenannten Netzreserve wieder in Betrieb genommen werden. Doch kaum ein Energieversorger nutzt das Angebot.

Viele Fragen sind noch offen

In der Praxis seien noch viele Details unklar, erklärt Michael Lux, Leiter des Kraftwerks Bexbach. Wenige hundert Meter hinter dem Kühlturm wird das Problem deutlich: Eingebettet zwischen dem Maschinenhaus und einem kleinen Hügel liegt das Kohlelager des Kraftwerks, ein mehrere hundert Meter langes und breites Feld, das an einen Braunkohletagebau erinnert. Am Ende des Feldes wartet ein grüner Bagger mit Schaufel auf Arbeit; daneben ein Gummiförderband. Rund 180.000 Tonnen Kohle können am Standort gelagert werden, eine Versorgung für 30 Tage. Aber im Moment gibt es nur einen kleinen Teil davon.

Wie die Kohle vom Rotterdamer Hafen nach Bexbach kommt, weiß Lux noch nicht. Auf der einen Seite gibt es das Landproblem, was dazu führt, dass der Rhein einen niedrigen Wasserstand hat und Schiffe nicht voll beladen fahren können. Andererseits ist der Transport von Kohle auf dem Landweg nur eingeschränkt möglich.

Logistikanbieter wie DB Cargo haben laut Lux zu wenig Waggons, Lokomotiven und Personal. In den letzten Jahren wurden die Kapazitäten immer wieder reduziert und verlagert. Zudem wird die Schieneninfrastruktur in Deutschland vielerorts erneuert. Laut Lux sind viele Strecken daher nicht vollständig verfügbar. Selbst wenn das Kohlelager voll ist, müssen im laufenden Betrieb sechs Züge pro Woche neue Kohle anliefern – eine derzeit nicht zu bewältigende logistische Herausforderung.

Auch Finanzierungsfragen

Neben der Problematik, wie die im Ausland gekaufte Kohle nach Bexbach gelangt, bleiben weitere Details offen: etwa die Frage, wie der Brennstoff bezahlt wird. Mitte August kostete eine Tonne Steinkohle auf dem Weltmarkt etwa 325 US-Dollar.

Zur Befüllung des Speichers Bexbach muss STEAG 180.000 Tonnen Kohle zukaufen. Umgerechnet auf 325 Euro würde das den Konzern fast 60 Millionen Euro kosten – eine Summe, die der Energieversorger nicht einfach aufbringen kann. STEAG benötigt daher eine Vorfinanzierungsunterstützung.

Auch der Standort der Kohle ist noch offen

Ein weiteres Problem sei laut Lux, dass nicht klar sei, was mit der Kohle passiert, wenn sie nicht genutzt wird. Theoretisch könnte es passieren, dass STEAG ein Großteil der teuer eingekauften Kohle übrig bleibt: ein finanzieller Alptraum für das Unternehmen. Zur Klärung all dieser offenen Fragen befindet sich STEAG derzeit in Gesprächen mit der Bundesnetzagentur und den Übertragungsnetzbetreibern.

Lux ist überzeugt, dass die Antworten gefunden werden. Allerdings: Erst dann entscheidet der Energieversorger, ob er mit seinen Kraftwerken an den Markt zurückkehrt oder nicht. Es kann also noch einige Zeit dauern, bis neben den Rückwegen auch wieder Dampf des Kraftwerks über dem Kühlturm in Bexbach zu sehen ist.

Kohle oder Atomkraft – Die Energiekrise und der Klimaschutz

Martin Polanski, ARD Berlin, 25.07.2022 18:06