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Kampf um Ackerland: Warum ostdeutsche Bauern Land verlieren

Hintergrund

Stand: 23.08.2022 08:11 Uhr

Seit Jahren treiben Spekulationen die Grundstückspreise für Ackerland in Ostdeutschland in die Höhe. Tatsächlich will die Bundesregierung diese Entwicklung stoppen. Die Realität sieht bisher anders aus.

Von Christiane Cichy, MDR

Die Geschichte des Landwirts Peter Hasse aus Quedlinburg könnte eine ostdeutsche Erfolgsgeschichte werden. Kurz nach der Fusion gründete der 77-Jährige mit drei weiteren Gesellschaftern einen landwirtschaftlichen Betrieb, die Moorhof GbR. Mit 18 Mitarbeitern bewirtschaften sie damals knapp 1.600 Hektar Ackerland, berichtet er.

Heute kann der Bauer nur noch acht Mitarbeiter beschäftigen. Dies hängt mit den landwirtschaftlichen Flächen zusammen, die nach und nach verloren gingen. Aufgrund steigender Immobilienpreise konnte er Land nur pachten. Doch aufgrund der neuen Vergaberichtlinien der Bundesregierung ist dies künftig nicht mehr möglich: „Es ist bitter, dass man als ortsansässiger Landwirt, der hier seit Jahrzehnten bewirtschaftet, keine Chance mehr hat, Ackerland zu bekommen. “

Er stoppte die Privatisierung von Ackerland

Nach drei Jahrzehnten der Privatisierung hat die Bundesregierung den Verkauf der verbliebenen landwirtschaftlichen Flächen in Ostdeutschland gestoppt. Stattdessen wird das Land nur gepachtet. SPD, Grüne und FDP haben bereits in ihrem Koalitionsvertrag angekündigt, die bisherige Privatisierung zu beenden. Ziel ist es, die Spekulation auf landwirtschaftliche Flächen und steigende Bodenpreise zu bremsen.

Eigentlich eine gute Nachricht für die Landwirte in Quedlinburg: Agrarflächen in Ostdeutschland sind in den letzten Jahrzehnten zum Spekulationsobjekt geworden. Lokale Bauern wie die Familie Hasse konkurrierten mit großen Agrarkonzernen, aber auch mit Investoren, die auf Ackerland spekulierten. Ein Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe in Ostdeutschland fiel in die Hände ausländischer Investoren. Das berichtet das ARD-Magazin Plusminus immer wieder.

251 Millionen Euro Überschuss

Dass die Grundstückspreise in den letzten Jahren so stark gestiegen sind, liegt auch an der Bundeseigentümerschaft der Flächennutzungs- und Verwaltungs GmbH (BVVG), einer Nachfolgeorganisation der Treuhand. Lokale Landwirte kritisieren, dass sie beauftragt werden, Land so günstig wie möglich an den Bund zu verkaufen. Nach eigenen Angaben erwirtschaftete das Unternehmen 2021 einen Überschuss von 251 Millionen Euro.

Leidtragende dieser Entwicklung waren die Bauern. Da sich die Preise teilweise verfünffacht haben, können sie den Kampf um Ackerland nicht mehr aushalten. Durch den Verkauf an die BVVG sind der Familie Hasse in den letzten Jahren insgesamt 120 Hektar Ackerland verloren gegangen. Für das Unternehmen war es ein herber Verlust. Ackerland ist laut Peter Hasse das Lebenselixier jeder landwirtschaftlichen Tätigkeit.

Auch sein Schwager Andreas Frommert, mit dem sie die Geschäfte führen, blickt pessimistisch in die Zukunft: „Für uns stellt sich die Frage, ob unter diesen Umständen die jüngere Generation noch ermutigt wird, die Geschäfte fortzuführen.“

An den Versteigerungen nehmen nur Bio-Betriebe teil

Und tatsächlich wird die Familie in Zukunft noch mehr Ackerland verlieren. Denn die Neuregelung der Bundesregierung hat für viele Betroffene einen Haken: Neue Pachtausschreibungen werden nur noch für ökologisch geführte Unternehmen gemacht. Die nicht-ökologischen Landwirte in Quedlinburg verlieren nun unweigerlich alle ihre Ackerflächen, da ihre Pachtverträge auslaufen. Dazu gehört auch eine direkt an ihren Hof angrenzende Ebene, die sie seit 28 Jahren bewirtschaften, berichtet Familie Hase:

Das kann nicht nachhaltig sein. Durch die neue Verordnung haben wir unser Feld verloren. Stattdessen kommt ein anderer nicht-lokaler Bauer hierher, um das Land zu bearbeiten. Und vielleicht gehen wir nächstes Jahr in die Nachbardörfer und bewirtschaften dort Land, wenn uns dort jemand Felder anbietet. Das kann nicht wahr sein.

Und das Unternehmen in Quedlinburg ist da keine Ausnahme, wie Martin Dieppe vom Bauernverband weiß. In Sachsen-Anhalt vertritt er überwiegend bäuerliche Familienbetriebe und kennt weitere Fälle. Ein Betrieb war aufgrund der neuen Ausschreibungskriterien sogar bereit, auf den ökologischen Landbau umzustellen. Er durfte jedoch nicht an der Auktion teilnehmen. Begründung der BVVG: Sie agieren als klassisches Unternehmen, das Angebot kann nicht berücksichtigt werden.

Die Familie verlor über 100 Hektar Ackerland, das sie jahrelang bewirtschaftet hatte. „Dann ist die Existenz dieses Unternehmens gefährdet“, sagt Dieppe. Aus Sicht der Landwirte sollte darauf geachtet werden, dass die Flächen an Unternehmen aus der Region verpachtet werden und nicht an externe Investoren. Viele konventionell wirtschaftende Unternehmen sind fest im Quartier verwurzelt, wichtige Arbeitgeber und leisten zudem einen wesentlichen Beitrag zur Landschaftspflege. Man könne sie nicht einfach pachten, sagt Dieppe.

Die Belastbarkeit sollte bewertet werden

Bernhard Krüsken vom Deutschen Bauernverband sieht in der aktuellen Regelung sogar einen Verstoß gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz. Und weiter: „Der Koalitionsvertrag wird verletzt, weil darin eindeutig steht, dass nicht nur Biobauern, sondern auch Unternehmen, die nachhaltig arbeiten, diese Flächen erhalten sollen.“ Doch genau das werde nicht umgesetzt.

Tatsächlich steht im Koalitionsvertrag geschrieben, dass die Flächen nicht nur an ökologisch, sondern auch an nachhaltig wirtschaftende Unternehmen verpachtet werden. Das setzt aber voraus, dass nachhaltiges Wirtschaften klar definiert und wertgeschätzt wird. Dann haben auch Landwirte wie die Familie Hase, die seit Jahrzehnten Ressourcen schonen, eine Chance. Aber genau das scheint derzeit zu fehlen.

Es gibt keine Vereinbarung zwischen den Abteilungen

Die BVVG wollte sich zu der Anfrage nicht äußern und verwies an das zuständige Bundesfinanzministerium. Damit stehen die neuen Grundsätze des Leasings noch nicht fest. Weitere Abstimmungen sind noch erforderlich und eine endgültige Einigung steht noch aus.

Im Klartext: Noch gibt es kein neues Vergaberecht. Warum die BVVG nach wie vor alle Neuausschreibungen nur für ökologisch geführte Unternehmen ausschreibt, wollte sich das Finanzministerium nicht äußern. Das Landwirtschaftsministerium kann…