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Tödliche Schüsse im Supermarkt – Polizei gibt neue Details bekannt

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Erstellt: 06.08.2022, 16:28

Aus: Marie Clement, Alexander Goschalk, Silke Grede

Trennung

Ein Mann schießt auf einen Supermarkt im nordhessischen Schwalmstadt. Zwei Menschen sterben. Die Polizei vermutet ein Verbindungsdelikt.

Update Mittwoch, 8. Juni, 16.25 Uhr: Einen Tag nach den tödlichen Schüssen auf dem Aldi-Markt im nordhessischen Schwalmstadt hat die Polizei neue Erkenntnisse veröffentlicht. Beim Lebensmittelgeschäft Wierastraße im Stadtteil Treysa hat die alarmierte Polizei am Dienstag (7. Juni) kurz nach 13 Uhr zwei Tote gefunden.

Aufgrund der großangelegten Suchtätigkeit, auch hinsichtlich der Fundstelle der Spuren im Aldi-Markt, dauerten die Maßnahmen vor Ort bis zum Abend an. Beide Leichen wurden am Mittwochmorgen im Gießener Institut für Rechtsmedizin obduziert. Zudem wurde vor Gericht die Wohnung des mutmaßlichen Täters in Niedersachsen durchsucht.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand ist davon auszugehen, dass der 58-jährige Mann im Discounter zunächst auf die 53-jährige Frau aus Schwalmstadt geschossen und sich anschließend gleich selbst in den Kopf geschossen hat. Sowohl der Täter als auch das Opfer sind laut Polizei deutsche Staatsbürger.

Schüsse in Schwalmstadt: Täter und Opfer waren kurzzeitig zusammen

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei hatten der Mann und die Frau von Ende 2021 bis Anfang 2022 eine Beziehung, die der 53-Jährige abbrach. Am Vorabend des Tattages kam es in Schwalmstadt zu einem Polizeieinsatz in der Wohnung der Frau. Polizeibeamte feuerten den 58-Jährigen, der sich in der Wohnung aufhielt, was der Mann auch durchführte. Dann benahm er sich unmerklich und ruhig.

Daraufhin informierten die Beamten die Frau und teilten ihr mit, dass sie Anzeige erstatten könne. Laut Polizei wollte sie dies am nächsten Tag tun. Am Morgen des Tattages kam die 53-Jährige tatsächlich zum Polizeirevier Schwalmstadt und erstattete Strafanzeige gegen ihren Ex-Freund wegen Körperverletzung, Nötigung und Verfolgung.

Nach Angaben der Polizei ergab die Vernehmung keine konkrete Bedrohung der Frau. Nach aktuellem Ermittlungsstand ist davon auszugehen, dass das Motiv der Tat eine Trennung war. Der Mann und die Frau hätten sich bislang “nicht bei der Polizei gemeldet”.

Schvalmstadt Schüsse: Der Polizeichef spricht nach der Tat

Polizeipräsident Konrad Stelzenbach kommentierte das dramatische Ereignis: „Diese tragische Tat trifft uns alle tief. Unser Mitgefühl gilt besonders unseren Lieben und allen Menschen, die von diesem unglaublichen Verbrechen direkt beeindruckt sind.“

Die Kriminalpolizei bittet weitere Zeugen, sich unter der Rufnummer 05681 / 774-0 zu melden.

Aufnahmen in Schwalmstadt: Am Mittwoch ist es passiert

Erstmeldung vom Dienstag, 7. Juni, 19.28 Uhr: Auf einen Discounter in Schwalmstadt (Kreis Schwalm-Eder) ist am Dienstag (7. Juni) gegen 13 Uhr geschossen worden. Zwei Menschen seien getötet worden, teilte die Polizei kurz darauf mit. Die Beamten waren mit einem starken Aufgebot vor Ort. Es bestehe keine Gefahr für die Bevölkerung, hieß es in der Mitteilung.

Kurz nach der Tat fanden alarmierte Polizeikräfte im Discounter Wierastraße im Stadtteil Trace zwei Tote. Laut Polizei laufen die Ermittlungen derzeit auf Hochtouren. Der Tatort wurde abgesperrt.

Der Tatort in Trace ist weiträumig abgeschnitten. © Anna Quell

Schüsse in Schwalmstadt: Ein Mann erschießt eine Frau und dann sich selbst

Nach ersten Ermittlungen zum Tathergang gibt es laut Polizei derzeit keine Hinweise auf eine Beteiligung Dritter. Nach übereinstimmenden Zeugenaussagen hat ein Mann auf dem Markt eine Frau erschossen und sich sofort das Leben genommen. Über die Zahl der abgegebenen Schüsse wurde bisher nichts gesagt.

Bis auf die 53-jährige Frau und den 58-jährigen Mann wurde laut Polizei bislang niemand verletzt.

Schüsse in Schwalmstadt: Zeuge berichtet Tatsache

Nach Angaben eines Zeugen, der die Szene beobachtete, verfolgte der Täter die Frau zunächst in der Aldi-Filiale in der Wierastraße. Sie rief daraufhin um Hilfe, wurde dann aber von ihrem Verfolger erschossen. Anschließend richtete der Mann seine Pistole auf sich selbst.

Nach der Bluttat wollte eine 36-jährige Frau aus Schwalmstadt gerade den Discounter betreten, als sie bemerkte, dass sich im Inneren offenbar ein Unglück ereignet hatte. Sie habe auch mindestens einen Schuss gehört, sagte der Zeuge.

Die 36-Jährige sagte auch, dass ihr im Eingangsbereich ein Mitarbeiter entgegengekommen sei, der offenbar geschockt oder panisch geschrien habe, dass niemand in den Laden gelassen worden sei, drinnen sei ein Toter. Auf Nachfrage bestätigte er, dass die Polizei benachrichtigt worden sei und Retter geschickt würden, sagte die Frau. Sie versuchte, den Mann bis zum Eintreffen der ersten Retter zu versorgen, die sich auch um die Mitarbeiterin kümmerten.

Viele Polizisten waren in Trace stationiert. © Anna Quell

Schüsse in Schwalmstadt: Opfer rufen um Hilfe

Er beschrieb das spätere Opfer, das zu ihm rannte und um Hilfe rief, und einen Moment später konfrontierte er den Mann auch mit seiner Pistole. Die Frau aus Schwalmstadt erklärte uns auch, dass es den Beamten erst Minuten später gelang, die Tat und deren Ausmaß zu verstehen. Eine langjährige Mitarbeiterin sagte, sie habe das Geräusch eines Schusses anfangs mit einem zerbrochenen Glas verwechselt.

Nach und nach kamen Menschen aus dem Laden, zuerst eine Frau im Rollstuhl. Wie viele Personen sich zum Tatzeitpunkt in dem Laden aufhielten, konnte der 36-Jährige nicht abschätzen, mindestens 15 Personen würden den Markt verlassen.

Personal in Schwalmstadt: Mitarbeiter und Kunden werden betreut

Die Situation auf dem Parkplatz des Discounters ist bereits ruhig. Vor dem Gebäude parken sieben Streifenwagen, zivile Polizeiautos, ein Krankenwagen und zwei Krankenwagen. In einem an den Markt angrenzenden Café wurden Mitarbeiter und Kunden betreut.

Am frühen Nachmittag verließen Kranken- und Krankenwagen das Gebiet, wobei noch viele Polizisten und Fahrzeuge sowie Arbeiter in Schutzanzügen und Notpriester zu sehen waren. Eine erträgliche Anzahl Schaulustiger, meist junge Leute, hielt sich länger in der Gasse auf.

Ein Blick auf den Markt zeigt eine Szenerie, die erstarrt wirkt. Da Kunden und Mitarbeiter schnell aus dem Laden flohen, stehen halbvolle Einkaufswagen in den Gängen und Lebensmittel an den Kassen.

Nordhessen: Aufnahmen im Lebensmittelgeschäft in Trace

Siehe Fotogalerie

Personal in Schwalmstadt: Die Ermittlungen am Tatort beginnen

Zu den Hintergründen und dem genauen Tathergang sind laut Polizei keine näheren Angaben bekannt. Bei einer spontanen Pressekonferenz auf dem Ausweichparkplatz kurz vor 15 Uhr gab Polizeisprecher Marcus Bretschneider den wartenden Reportern verlässliche Details. Einzelheiten zu den Umständen machte er nicht, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft mit. Auch Fragen zum Stand der Täter-Opfer-Beziehung und deren Herkunft blieben unbeantwortet.

Nach Angaben lokaler Polizeibeamter wurden am Nachmittag weitere Beamte, darunter auch Forensiker, erwartet. Die Ermittlungen führt die Staatsanwaltschaft Marburg.