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Europäisches Parlament – Mögliches Ende der Verbrennungsmotoren bis 2035

Das Ende des Verbrennungsmotors für Pkw in Europa ist wahrscheinlicher geworden. Das Europäische Parlament hat am Mittwoch in Straßburg dafür gestimmt, ab 2035 nur noch Pkw und leichte Nutzfahrzeuge ohne Diesel- oder Benzinmotor zuzulassen. Bevor eine solche Regelung in Kraft tritt, muss das Parlament noch mit den EU-Staaten verhandeln.

Ende des Monats wollen die EU-Staaten ihre Position zum Verkaufsverbot für Benzin- und Dieselautos definieren. Auf der Weltklimakonferenz im November in Glasgow forderten mehrere große Autohersteller, darunter Mercedes und Ford, ein Verkaufsverbot für Verbrennungsmotoren in Leitmärkten ab 2035. Laut ÖAMTC sind derzeit in Österreich 5,1 Millionen Autos zugelassen. davon fast 86.000 elektrisch.

Klimaministerin Leonore Gevesler (Grüne) sieht in der Entscheidung des Europäischen Parlaments einen wichtigen Schritt in Richtung Planungssicherheit beim Umstieg auf emissionsfreie Autos. „Die Zukunft des Autos ist elektrifiziert“, sagte Gevesler am Mittwochabend in einer Sendung. Österreich steht bei den E-Auto-Neuzulassungen gut da. „Deshalb haben wir uns zum Ziel gesetzt, bis 2030 alle neu zugelassenen Pkw in Österreich emissionsfrei zu haben.“

Das Ziel ist die Elektromobilität

Nach geltender EU-Verordnung darf die neue Flotte des Konzerns ab 2020 durchschnittlich 95 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen. Die Abgeordneten haben sich nun dafür ausgesprochen, ab 2035 Neuwagen zuzulassen, die überhaupt keine Treibhausgase mehr ausstoßen. Treibhausgase sind hauptsächlich für die globale Erwärmung verantwortlich. Das Ziel ist jetzt eine starke Verlagerung hin zur Elektromobilität.

Die Abgeordneten argumentierten auch, dass klimafreundliche synthetische Kraftstoffe nicht angerechnet werden könnten. Mit ihnen kann der klassische Verbrennungsmotor klimaneutral betrieben werden. Kritiker befürchten jedoch, dass es bereits zu wenige davon für die Luftfahrt und die Schifffahrt gibt, die mit Strom weniger gut zu verwalten sind als Autos oder Transporter.

Die Abgeordneten der konservativen EVP-Fraktion wollten die Änderungsanträge nutzen, um die Flottenbeschränkungen für Pkw und kleine Nutzfahrzeuge bis 2035 nur um 90 Prozent zu reduzieren. Dies wurde jedoch vom Plenum abgelehnt. Die Grünen im Europaparlament möchten ein temporäres 40-Prozent-Reduktionsziel bis 2027 einführen.

Teil von „Fit für 55“

Der Gesetzentwurf ist Teil des 55. EU-Klimaschutzpakets, das darauf abzielt, die Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber dem Stand von 1990 zu reduzieren und bis 2050 Klimaneutralität zu erreichen.

Ohne eine radikale und sofortige Reduzierung der klimaschädlichen Treibhausgase lässt sich die Erderwärmung nicht auf maximal 1,5 Grad begrenzen, wie führende Wissenschaftler im Laufe der Jahre in zahlreichen Veröffentlichungen dargelegt haben. Dies hätte tiefgreifende Folgen für Mensch, Tier und Natur und würde Teile der Welt unbewohnbar machen.

Die ÖVP zeigte sich nach der Abstimmung enttäuscht. „Europa braucht einen Verbrennungsmotor und es macht absolut keinen Sinn, ihn zu verbieten, wenn wir ihn auch nach 2035 sinnvoll und klimaneutral nutzen können“, sagte Barbara Thaler, Sprecherin der ÖVP für Menschenhandel im Europaparlament. In einer Sendung plädierte sie dafür, nachhaltig produzierte Biokraftstoffe und synthetische Kraftstoffe als klimaneutral einzustufen. „Wir werden alles tun, um aus dieser Politik des Totalverbots in Verhandlungen mit den Mitgliedsstaaten herauszukommen und zu einer sinnvollen Lösung für den Klimaschutz und die Wirtschaft in Europa zu gelangen.“

Thomas Weitz, MdEP der Österreichischen Grünen und Co-Vorsitzender der Europäischen Grünen, sah einen wichtigen Schritt hin zu emissionsfreien und emissionsarmen Fahrzeugen. „Aber die ÖVP war wieder auf der Seite der fossilen Industrie, und diesmal war sie besonders in der Automobilindustrie verstrickt.“ Klimaneutrale Verbrennungsmotoren gebe es nicht.

Für die NEOS-Abgeordnete Claudia Gamon hat das Europäische Parlament „gegen den heftigen Widerstand der Konservativen“ Stärke gezeigt. „Mit dem Ende des Verbrennungsmotors machen wir einen großen Schritt in Richtung Klimaneutralität und Luftqualität. Gamon zeigte sich überzeugt, dass anstehende Investitionen und Innovationen das emissionsfreie Fahren billiger machen würden und der Übergang zu „Null-Emissions-Autos auf dem Markt“ viel früher erfolgen würde.

Es braucht ein Maßnahmenpaket

Die Umweltorganisation Greenpeace freut sich über die Entscheidung des Parlaments. Das sei „endlich eine klare Richtung hin zu klimafreundlichem Verkehr“. Um das Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, das eine Erderwärmung von bis zu 1,5 Grad vorsieht, müssen noch strengere Regeln her. Bereits 2028 soll der Verkauf von Benzin-, Diesel- und konventionellen Hybridautos gestoppt werden.

Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) sieht das Verbot als Voraussetzung, um die Treibhausgasemissionen des Verkehrs im notwendigen Umfang zu reduzieren. Die Klimakrise lässt sich aber nur überwinden, wenn vor 2035 keine Neuwagen mehr Diesel oder Benziner fahren.

Der ÖAMTC betrachtet die Elektromobilität als wichtigen Baustein auf dem Weg zur Klimaneutralität im Straßenverkehr. Aber sich allein auf Technologie zu verlassen, wird nicht ausreichen, um die CO2-Ziele zu erreichen. „Dazu bedarf es eines Maßnahmenpakets, wie etwa des massiven Ausbaus des ÖPNV. Gleichzeitig werden wir mit nachhaltigen Kraftstoffen, insbesondere synthetischen E-Fuels, die Bestandsflotte weitgehend CO2-frei wirtschaften können“, sagte Bernhard Wiesinger , Gruppenleiter, im Interesse des ÖAMTC. (pa)