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Abt Lilienfeld als Patriarch von Venedig – noe.ORF.at

“Ein Ort des historischen Erbes”

In einer Sonderausstellung widmet sich das Stift Lilienfeld der schillernden Persönlichkeit Johann Ladislav Pirker (1772-1847). Die Aufführung zeigt auch private Gegenstände aus dem Leben des Abtes.

08.06.2022 18.52

Online seit gestern, 18:52

Er ist vielleicht der bedeutendste und berühmteste Abt des Klosters Lilienfeld, Johan Ladislav Pirker, aus dem 19. Jahrhundert. Er wurde auch Patriarch von Venedig, dem einzigen deutschsprachigen Raum in der Geschichte der Lagunenstadt. Nun zeigt das Stift Lilienfeld zu seinem 250. Geburtstag bis November 2023 eine Sonderausstellung für diese bemerkenswerte Persönlichkeit.

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“Niederösterreich heute”, 08.06.2022

Johann Ladislav Pirker war von 1812 bis 1819 Abt des Klosters Lilienfeld. Vom ordentlichen Ordens- und Holzmeister des Klosters und Pfarrer von Türnitz stieg er zum Abt auf. Er war es auch, der das Gebäude nach einem verheerenden Brand im Kloster gerettet und restauriert hat. Aufgrund seiner guten Beziehungen zu den Habsburgern ernannte ihn Kaiser Franz II. zum Patriarchen von Venedig, wo er fast sieben Jahre wirkte. Es war ein Freihandelshafen für die Armen und Gefangenen.

Kunstliebhaber, begeisterte Musiker und Dichter

Johann Ladislav Pirker setzte seine Karriere fort und war dann Patriarch-Erzbischof von Erlau in Ungarn, wo er den dortigen Dombau in Auftrag gab. Es gibt noch andere nicht öffentliche Dinge über ihn in der Ausstellung. Wie die Kapelle der Prälatur mit Insignien, die Johann Ladislav Pirker dem Kloster schenkte, oder der Sekretär der Flöte aus der Zeit des Abtes, eine Kiste für Alte Musik.

ORF Royal Lilienfelder Schubert ist eines der wichtigsten Exponate der Sonderausstellung

Die Gemäldesammlung des Klosters und das Klavier Lilienfelder Schubert sind ebenfalls zu sehen. Das Klavier verweist auf den Abt als Kunstliebhaber und Verfechter der Romantik, der selbst Musik geschaffen und Gedichte geschrieben hat. Er war Kunstmäzen, förderte den Dichter Franz Grillparzer und den Künstler Josef Danhauser und war mit Franz Schubert befreundet, der ihm zahlreiche Lieder widmete und Gedichte des Abts wie „Das Heimweh“ vertonte.

Johann Ladislav Pirker ist Gründungsmitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Gründungsvater der Kurstadt Bad Hofgastein. Der jetzige Abt des Klosters Lilienfeld, Pius Maurer, schrieb ein Buch über Pirker. Und seine Gruft mit der Auferstehungskapelle auf dem Friedhof Lilienfeld wird nun restauriert. So soll an den Kosmopoliten und Kunstmäzen erinnert werden: Johann Ladislav Pirker, ehemaliger Abt des Klosters Lilienfeld und Patriarch von Venedig.

Sabine Daxberger, noe.ORF.at.

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