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AKW-Termiadebatte: Ampellückenschwamm

Stand: 05.07.2022 18:10

Noch in dieser Woche will die Union einen Antrag auf Verlängerung der Laufzeit des Atomkraftwerks stellen – und macht Druck auf die FDP. Sie ist auch atomfreundlicher – anders als ihr Koalitionspartner. SPD sagt: Debatte schadet Wirtschaftsstandort.

Angesichts der drohenden Gaskrise will die Unionsfraktion den Bundestag dazu bringen, über eine längere Frist für Atomkraftwerke zu stimmen. Der Vorsitzende der CSU-Landesgruppe, Alexander Dobrind, kündigte an, seine Fraktion werde den entsprechenden Änderungsantrag am Donnerstag zusammen mit einer Abstimmung über eine mögliche längere Laufzeit von Kohlekraftwerken einbringen. Das soll es der Bundesregierung ermöglichen, Atomkraftwerke länger am selben System laufen zu lassen.

Span: So viel Strom wie möglich

Der Antrag, zu dem das Hauptstadtstudio ARD exklusiv Zugang hatte, besagt, dass die Ampelkoalition schneller Ersatz und Alternativen zu Gas bereitstellen muss. Auch soll früher Energie eingespart werden. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Bundestagsfraktion, Jens Spahn, sagte, dass wir in dieser ernsten Lage schnell, entschlossen und pragmatisch handeln müssen. „Wenn jetzt nicht alle notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, holt es uns spätestens im Winter ein. Die noch in Betrieb befindlichen Atomkraftwerke würden derzeit sechs bis sieben Prozent des deutschen Stroms liefern, sagt Spahn: „Wir brauchen so viel Strom wie möglich.“

Die Unionsfraktion dürfte mit der geplanten namentlichen Abstimmung auf die unterschiedlichen Meinungen in der Ampelregierung hinweisen wollen. Von den drei Koalitionspartnern ist einer längerfristig: die FDP. Sie verstärkte den Druck auf die Koalitionspartner SPD und Grüne, die letzten drei Atomkraftwerke Deutschlands angesichts steigender Energiepreise am Laufen zu halten. „Es ist höchste Zeit, den unterbrechungsfreien Betrieb der Kernkraftwerke für mindestens fünf Jahre sicherzustellen“, sagte FDP-Vizepräsident Wolfgang Kubicki kürzlich.

Die Gewerkschaft sagt: “Jetzt muss die Ampel in Sachen Atomkraft ihr wahres Gesicht zeigen: Die FDP muss zeigen, ob sie hinter ihrer Position steht, und die Grünen und die SPD, wenn sie ihre ideologische Blockade aufgeben.”

Die AfD plant eine eigene App

Auch die AfD-Bundestagsfraktion will diese Woche einen Entwurf zur Änderung des Atomgesetzes ins Parlament bringen, wie der Erste Parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann mitteilte. Angesichts der Energiekrise nannte er die Abschaltung “bestehender, voll funktionsfähiger Atomkraftwerke” “absolut absurd”. Die Verlängerung ist laut AfD technisch und organisatorisch möglich.

In Deutschland sind noch drei Kernkraftwerke in Betrieb: in Lingen, in Neckarvestheim und bei Landshut. Sie sollen bis Ende dieses Jahres erscheinen.

SPD und Grüne gegen längere Amtszeiten

GSVP-Chef Lars Klingbeil lehnte erneut eine Mandatsverlängerung zur Sicherung der Energieversorgung ab. “Atomkraft ist dafür keine Lösung”, sagte er auf einer Veranstaltung des SPD-Wirtschaftsforums. „Wer diese Diskussion führt, schadet am Ende dem Wirtschaftsstandort Deutschland.“ Klingbeil verwies auf die Anschaffung von Brennstoffzellen, Personaleinstellungen oder jüngst nicht durchgeführte Sicherheitskontrollen. Jetzt muss es um die Gasversorgung gehen, Alternativen ausbauen und auch Kohlekraftwerke länger am Laufen halten. Atomkraftwerksbetreiber sehen zumindest hohe Hürden.

Auch Wirtschaftsminister Robert Habeck und Umweltministerin Steffi Lemke rieten von längeren Betriebszeiten für Atomkraftwerke ab. „Ein kleiner Beitrag zur Energieversorgung würde große wirtschaftliche, rechtliche und sicherheitspolitische Risiken verhindern“, heißt es in einem gemeinsamen Prüfbericht der grün geführten Ministerien.

EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton fordert, dass Deutschland seine Atomkraftwerke länger am Netz halten sollte. „Es ist enorm wichtig, dass die drei noch in Betrieb befindlichen deutschen Kernkraftwerke länger laufen“, sagte er dem Handelsblatt. „Zumindest für ein paar Monate und natürlich auf sichere Weise.“ Breton argumentierte, dass die Verlängerung der Lebensdauer von Kernreaktoren im Interesse ganz Europas sei.

Katholiken warnen die EU

Die EU-Kommission plant, Atomkraft und Gas vorübergehend als umweltfreundliche Energien einzustufen. Das Europäische Parlament will am Dienstag eine Entscheidung treffen. Die Einstufung als nachhaltig innerhalb der Taxonomie soll Investitionen in bestimmten Wirtschaftssektoren anregen.

Die Vorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, sagte, Atomkraft und Erdgas sollten nicht als umweltverträgliche Energieträger deklariert werden. Stetter-Karp kritisierte in Berlin, dass bei Zustimmung des entsprechenden Vorschlags der EU-Kommission wirtschaftliche Investitionen in Gas und Kernenergie nachhaltig gefördert würden. „Das wäre keine ethisch nachhaltige Investition.“ Damit untergrabe man nicht nur die Ziele der Transformation, sondern „fördere gezielt Investitionen in Sektoren mit verheerenden Umweltauswirkungen und -risiken“.

Mit Informationen von Michael Stempfle, ARD-Hauptstadtstudio