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Algerien: Auch Macron scheitert bei der Suche nach Gas

Frankreichs Beziehung zu Algerien ist kompliziert. Präsident Emmanuel Macron sprach von einer “gemeinsamen, komplizierten, schmerzhaften Vergangenheit”, als er am Donnerstag zu einer dreitägigen Freundschaftsreise – wohlgemerkt kein Staatsbesuch – in Algerien eintraf. Nach monatelanger diplomatischer Krise zwischen den beiden Ländern ist Macrons Besuch laut dem Elysée-Palast ein „erster Schritt“, eine versuchte Ouvertüre.

Obwohl es offiziell um Zukunftspläne geht, hat Macron noch zwei Dinge im Ärmel: Gas und Geschichte. Letzterer reist immer dann mit, wenn ein französischer Präsident die ehemalige Kolonie besucht, die Präsident Charles de Gaulle 1962 nach einem blutigen Krieg in die Unabhängigkeit befreite.

Macron ist jedoch nicht allein in seinem Wunsch, sich algerisches Gas zu sichern. Nach Russlands Angriffskrieg in der Ukraine reichen sich europäische Staatsoberhäupter und Außenminister im prachtvollen Präsidentenpalast El Mouradia in Algerien die Hand.

Aber nicht nur dort. Nach Putins Einmarsch in die Ukraine ist auch in Berlin eine fieberhafte Suche nach alternativen Quellen für russisches Gas entbrannt. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) war im März nach Katar gereist, um die Scheichs um Ersatz zu bitten. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) war im August in Norwegen und Anfang dieser Woche in Kanada mit dem gleichen Ziel vorstellig geworden – jeweils ohne Erfolg.

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Für Macron wäre Algerien der ideale Partner. Die Gasreserven des Landes werden auf rund 2.500 Milliarden Kubikmeter geschätzt, was das Militärregime zu einem heiß begehrten Partner macht. Die Gaslieferungen aus Algerien machen derzeit elf Prozent des EU-Verbrauchs aus. Algerien will diesen auf 25 Prozent erhöhen.

Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi reiste innerhalb weniger Monate zweimal nach Algerien. Im Juli gab er bekannt, dass er mit Algerien einen Vertrag über die Lieferung von weiteren vier Milliarden Kubikmetern Gas abgeschlossen habe.

Mehr Gas aus der Sahara

Gleichzeitig ist das algerische Staatsunternehmen Sonatrach eine Partnerschaft mit italienischen, französischen und amerikanischen Energieriesen eingegangen, um gemeinsam den Ausbau der Gasförderung in der Sahara voranzutreiben. Die Reserven mögen riesig sein, aber bisher fehlte die industrielle Infrastruktur für größere Produktionskapazitäten.

Auf den ersten Blick wirkt Macron wie ein nachträglicher Einfall. Doch nach Angaben des französischen Finanzministeriums stiegen die Importe fossiler Brennstoffe aus Algerien nach Frankreich trotz der diplomatischen Eiszeit zwischen 2021 und dem ersten Quartal 2022 um 87 Prozent. Die Gasimporte stiegen sogar um 168 Prozent. Bis zum Krieg in der Ukraine bezog Frankreich 17 Prozent seines Gases aus Russland und 8 Prozent aus Algerien.

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Drei Gaspipelines führen von Algerien nach Europa. Transmed führt über das Mittelmeer direkt nach Sizilien, weshalb Italien, das bis zum Krieg in der Ukraine hauptsächlich aus Russland Gas erhielt, innerhalb weniger Monate von Moskau unabhängig werden konnte.

Algerien sei jetzt die Nummer eins bei den Gasimporten, versicherte Draghi im Juli. Experten befürchten jedoch, dass Algerien ohne den Ausbau der Solarenergie schnell an seine Grenzen stoßen wird, da sich der eigene Verbrauch an fossilen Brennstoffen in den letzten Jahren fast verdoppelt hat.

Bevor es jedoch in Zukunft zu einer weiteren wirtschaftlichen Zusammenarbeit kommen kann, müssen Frankreich und Algerien die aktuellen Streitigkeiten beenden. Seit 2019 herrscht zwischen den beiden Königen eine klirrende Erkältung. Frustriert darüber, dass Algerien die Wiedergutmachungsbemühungen Frankreichs nicht anerkannte und die ausgestreckte Hand zurückwies, ignorierte Macron den algerischen Präsidenten Abdelmadjid Teboun.

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Der Franzose soll bezweifelt haben, ob Algerien vor seiner Kolonialisierung eine Nation war. Algerien lebe seit der Unabhängigkeit von einer “Gedenkrente”, die vom “Hass auf Frankreich” geschürt werde, sagte Macron damals.

Algerien brach daraufhin die diplomatischen Beziehungen ab. Französische Flugzeuge, die in Mali operieren, dürfen das Land nicht mehr überfliegen. Algerien weigerte sich auch, von Frankreich ausgewiesene Algerier aufzunehmen. Paris konterte mit einer Halbierung der Zahl der Visa für den Maghreb.

Beide Länder werden nun „ein neues Kapitel in den bilateralen Beziehungen aufschlagen”, wie Macron es am Donnerstag formulierte. Eine gemeinsame Historikerkommission soll sich mit der Angelegenheit befassen. Am Freitagmorgen hielt Macron auf dem Saint-Eugène-Friedhof in Algier an, um zu zahlen seine Achtung vor den Toten in Frankreich.

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Ansonsten versuchte er aber, den Blick nach vorne zu betonen. Auf der ersten gemeinsamen Pressekonferenz mit Präsident Tebun kündigte Macron an, Frankreich wolle die Schaffung eines Inkubators für digitale Start-ups unterstützen.

Sein Programm umfasst eine Reihe von Treffen mit jungen Menschen und jungen Unternehmen. In der Stadt Oran wollte Macron am Samstag den Plattenladen Disco Maghreb besuchen, dessen Label in den 1980er-Jahren das Zentrum der Raï-Musik war und dem der französisch-algerische Musikproduzent DJ Snake mit Hommagen zu einer unerwarteten Renaissance verhalf.

Auch Paris will Algerien beim Aufbau einer Filmindustrie helfen. Es ist durchaus möglich, dass diese Initiativen die Angst widerspiegeln, dass eine Million junger Algerier nach Frankreich fliehen könnten, wenn ihre Zukunft aussichtslos bleibt. Ein solches Szenario, das den Stempel eines Militärgeheimnisses trägt, soll Macron nach Informationen des Magazins „L’Express“ angeblich schon 2019 auf den Tisch gelegt haben, als Tausende Jugendliche während des „Hirak“ in Algerien auf die Straße gingen. Protestbewegung.