Stand: 31.08.2022 10:35 Uhr
Aus Sicht der Versorgungsunternehmen wird die Gaskrise die Verbraucher langfristig teuer zu stehen kommen. Und im nächsten Jahr müssen sich die Kunden auf stark steigende Preise einstellen. Die finanziellen Sorgen beim Energieversorger wachsen.
Die Folgen der Gaskrise werden laut den Betreibern der deutschen Energieversorger im nächsten Jahr zu spüren sein – und sich vor allem in den Preisen für die Kunden widerspiegeln.
Stadtwerke müssen ihre Preise nun anheben und teilweise verdoppeln, sagte Ingbert Liebing, Hauptgeschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen, den Zeitungen der Mediengruppe Funke. Die Preissteigerung liegt derzeit zwischen 30 und 60 Prozent. „Auch im nächsten Jahr ist mit Preiserhöhungen zu rechnen, da die Versorger langfristig Gas liefern werden“, sagte Liebing.
Die rasante Preisentwicklung zeige sich auch beim Blick auf die Börse, so der Verbandschef weiter: Anfang vergangenen Jahres habe der Preis pro Megawattstunde laut Liebing noch unter 20 Euro gelegen. Jetzt sind es über 300 Euro pro Megawattstunde. „Solche Preise schlagen sich mittelfristig in der Endkundenpreisgestaltung nieder.
Preisspitzen sind bereits bei kurzfristigen Verträgen zu spüren
Teilweise wird noch Gas verwendet, das vor ein oder zwei Jahren zu deutlich günstigeren Konditionen gekauft wurde. Aber vor allem Handelsunternehmen, die kurzfristige Verträge abgeschlossen haben, spüren den Preissprung bereits jetzt. Zukünftige Erhöhungen werden auch davon abhängen, ob es zu weiteren Störungen der russischen Energieversorgung kommt.
Über Nacht stellte Russland die Gaslieferungen durch die ohnehin stark eingeschränkte baltische Pipeline Nord Stream 1 komplett ein und begründete dies mit zusätzlichen Wartungsarbeiten. Drei Tage lang soll kein Gas nach Deutschland fließen.
Die Stadtwerke befürchten einen Anstieg der Zahlungsrückstände
Aufgrund steigender Preise und der daraus resultierenden wachsenden Belastung ihrer Kunden bereiten sich Stadtwerke zunehmend auf Zahlungsausfälle vor. „Bisher lag der Rückstand bei weniger als einem Prozent. Viele Stadtwerke gehen mittlerweile von Einbußen von bis zu acht Prozent aus. Es gibt aber auch Stadtwerke, die mit Forderungsausfällen von bis zu 15 Prozent kalkulieren. Das wird bedrohlich“, warnte Liebing.
Liebing drängt auf weitere Entlastungen
Angesichts der Gaskrise pochte der Verbandspräsident auf zusätzliche Erleichterungen. Liebing forderte beispielsweise, die Mehrwertsteuer nicht nur für Gas, sondern auch für Strom und Wärme auf sieben bis fünf Prozent zu senken und die Stromsteuer auf das zulässige Minimum zu senken, „bewährte Instrumente“ wie Wohngeld und Heizkostenzuschüsse sollen genutzt werden und mehr Menschen sollen von diesen Erleichterungen profitieren. Dazu müssen die Einkommensgrenzen angehoben werden, um den Kreis der Anspruchsberechtigten dieser Leistungen zu erweitern.
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