Zufallsfund Kriminalität im Bayerischen Stausee |
Wenn dieser Audi sprechen könnte…
Es war ein Zufallsfund in diesem Sommer: Am 14. Juli wurde im Pfreimdstausee in der Oberpfalz (Bayern) ein Auto in drei Metern Tiefe entdeckt und geborgen. Herausgekommen ist eine echte Rarität: das Audi 100 Coupé S. Von 1969 bis 1976 wurden in Deutschland nur 30.787 Einheiten (1,9 Liter, Vierzylinder, 112 PS) produziert.
Jetzt prüfen Kriminalbeamte, ob es sich bei dem Oldtimer um eine Spur der vor 46 Jahren verschwundenen Monika Frischholz handelt! „Wir meinen den Fall“, sagt Martin Zent (60).
Monica wurde zuletzt Ende Mai 1976 lebend gesehen
Der Leiter der Polizeiinspektion Vohenstrauß weiß: „Das geborgene Fahrzeug war nach ersten Analysen in einem Zeitraum untergetaucht, der möglicherweise mit dem Verschwinden der Studentin zusammenfällt.“
Mit diesem Foto sucht die Polizei nach der vermissten Monika Frischholz (12)
Foto: Polizeipräsidium Oberpfalz
Der Fall der vermissten Person: Monika Frischholz war 12 Jahre alt, als sie am 25. Mai 1976 zum letzten Mal lebend gesehen wurde. Die Studentin lebte in Flossenbürg, etwa 38 Kilometer vom Pfreimdstausee entfernt. Am Tag ihres Verschwindens traf sich Monica am Nachmittag mit Freunden im Zentrum ihrer Heimatstadt.
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►Monica soll das etwa sechs Kilometer entfernte Nachbardorf Flos erreicht haben. Offenbar wollte sie sich dort mit einer Freundin treffen. Aber sie kam nie an.
Von einem Opel-Fahrer angesprochen
Stattdessen wurde sie laut Augenzeugen von einem unbekannten Fahrer in einem zitronengelben Opel Kadett Coupé auf der Straße angefahren und weggefahren. Danach verlieren sich ihre Spuren.
Der Oldtimer wurde zufällig in drei Metern Tiefe im Pfreimdstausee (Bayern) entdeckt.
Foto: News5
„Dieses Modell sieht dem jetzt gefundenen Audi 100 Coupé S täuschend ähnlich“, sagte Hauptkommissar Martin Zent. Und weiter: „Die Farbe des gefundenen Audi stimmt auch mit der damaligen Zeugenaussage überein. Denn das im Pfreimdstausee gefundene Auto hat eine gelbe Corona-Beschichtung.“
Die für den Fall der vermissten Monika Fischholz zuständige Staatsanwaltschaft Weiden in der Oberpfalz hofft nun auf neue Ermittlungsansätze. Sprecher Wolfgang Voith (41) sagt: „Neben anderen Fällen werden mögliche Zusammenhänge zum Verschwinden von Monika Frischholz untersucht.“
Das Heck des Oldtimers mit der Typenbezeichnung
Foto: News5
Fest steht: Das geborgene Fahrzeug wurde nicht einfach illegal deponiert. Denn das am Auto gefundene Nummernschild hatte eine TÜV-Plakette, die bis Januar 1980 gültig war.
„Deshalb schließen wir eine Schrottentsorgung aus“, sagt Kriminalhauptkommissar Zehnt. Das Fahrzeug wird nun anhand der Fahrgestellnummer identifiziert. Dementsprechend wurde das Audi Coupé Mitte der 1970er Jahre von einem Autohaus in Niederbayern verkauft. Das Unternehmen ist jetzt geschlossen. Wer ist der Käufer – es ist nicht klar!
Angeschobener Renner: Audi 100 Coupé S. Die Farbe hieß offiziell “Corona Yellow”
Foto: Polizeiinspektion Fönstraus
Auch Anfragen bei der zuständigen Kfz-Zulassungsstelle und dem Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg blieben erfolglos. Zehnt: „Da gibt es keine Fahrzeugdaten mehr. Leider wurden sie gelöscht.“
Autofans rufen die Polizei
Nun hoffen die Ermittler auf Hinweise aus der Öffentlichkeit. Gleichzeitig untersuchen Forensiker das Autowrack. „Weil das Auto so lange im Wasser gestanden hatte, hatte sich viel Schlamm im Innenraum abgelagert.
Zunächst muss das Sediment sorgfältig entfernt werden. Das Innere kann dann auf Hinweise untersucht werden. Das kann drei bis vier Wochen dauern“, sagt Zehnt.
Foto: BILD
Erst dann wird das beschlagnahmte Fahrzeug wieder freigegeben. Findet sich kein Besitzer, kann der Audi versteigert werden. Dutzende Autofahrer haben in den vergangenen Tagen Anzeige bei der Polizei erstattet.
Reginas Tochter Annika (†20) wurde erstochen „Ich habe einen Mörder getroffen, um diese Tat zu verstehen“
Quelle: BILD/ Anne Pauly & Claudia Weingärtner 30.04.2020
Experten raten jedoch vom Kauf ab. Selbst gut erhaltene Exemplare des Audi 100 Coupé S werden für bis zu 20.000 Euro verkauft. „Die Karosserie muss komplett durchgerostet sein“, sagt Autoexperte Emir Atli (43).
Dieser Artikel stammt von BILD am SONNTAG. Das E-Book der gesamten Ausgabe ist verfügbar hier.
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