Germany

Behörden warnen vor Gewalt gegen Flüchtlinge

Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland nehmen seit einigen Wochen zu, zuletzt Brandanschläge in Krumbach (Bayern), Bautzen (Sachsen) und Groß Strömkendorf (Mecklenburg). Im Fokus steht erneut Ostdeutschland, wo das Risiko, Opfer rechtsextremistischer Übergriffe zu werden, dreimal so hoch sei, sagten Vertreter von Opferberatungsstellen in Sachsen und Thüringen am Donnerstag. Gleichzeitig warnten sie vor einer „neuen Welle rechter Gewalt“ und einer weiteren Eskalation.

Stefan Locke

Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

„Was sich abzeichnet, ist eine Situation wie 2015/16“, sagte Franz Zobel von der Beratungsstelle für Opfer rechter Gewalt in Thüringen. Er beobachtet ein “Schrumpfen der Reihen” rechter Akteure, um die multiplen Krisen für den von ihnen befürworteten Umsturz zu nutzen. Die AfD übernimmt zunehmend die Führung, während Polizei und Justiz bei ihrer Verfolgung oft uneinheitlich bleiben. “Rechte Gewalttäter fühlen sich dadurch ermutigt.”

Zu einem ganz ähnlichen Ergebnis kommt Robert Kusche von der RAA-Opferberatungsstelle Sachsen. Er erwähnt mehrere Verfahren gegen mutmaßliche Rechtsextremisten, die von der sächsischen Justiz nur schleppend bearbeitet werden. Dazu gehören Straftaten bei den rechtsextremen Ausschreitungen in Chemnitz im Jahr 2018, die angeklagt, aber noch nicht eingestellt wurden.

Die führende Rolle der AfD bei den Protesten

Kusche glaubt auch, dass die AfD bei dem aktuellen Protest eine führende Rolle spielt. Ihre Vertreter eskalierten beispielsweise sprachlich, was vor allem bei den Demonstrationen zu einer aufgeheizten Atmosphäre beitrug. Wenige Tage vor dem Anschlag in Bautzen protestierte die Partei vor dem Gebäude gegen die geplante Unterbringung von Flüchtlingen. Die radikalisierte Rhetorik richte sich aber nicht nur gegen Flüchtlinge, sondern auch gegen Regierungsbeamte und Journalisten, sagte Kushe. Als Beispiele nannte er Demonstrationsparolen wie „Fake Presse ins Gesicht“ oder „Ohne die Polizei wärst du nicht hier“.


Auch die Sozialpsychologin Pia Lamberti sagte, Flüchtlinge seien zunehmend im Fokus von Hassreden und Gewalt. Sie verwies auf die durch russische Propaganda verschärfte Bedrohung ukrainischer Kriegsflüchtlinge und ihrer Helfer. Russische Desinformationskampagnen werden gezielt mit Rechtsextremen in Deutschland interagieren und Stichwort „Sozialtourismus“ der Ukrainer auch bei anderen Politikern eingeholt werden.

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Lamberti war auch Co-Autor einer kürzlich veröffentlichten Studie über pro-russische Desinformation in der Gesellschaft. Danach stiegen die Zustimmungswerte für prorussische Verschwörungsgeschichten deutschlandweit deutlich an. Fast jeder Fünfte der 2.228 im Oktober Befragten stimmte zu, dass der russische Angriff eine Reaktion auf die unprovozierten Provokationen der NATO war. 18 Prozent glauben, dass Putin gegen eine globale Elite vorgeht, die im Hintergrund agiert. Sie sind fast doppelt so hoch wie im April. Im Osten ist die Zustimmung zu diesen Aussagen doppelt so hoch wie im Westen.