15.08.2022 16:42 (akt. 15.08.2022 16:42)
Deutsch-polnische Task Force für Maßnahmen im Einsatz ©APA/dpa
Der deutsche Wasserexperte Sascha Meyer schätzt die Zahl der toten Fische in der Oder in den vergangenen Tagen auf bis zu 100 Tonnen. Der Experte der Umweltorganisation BUND sagte am Montag, dies sei eine Hochrechnung auf Basis der Berichte einzelner Sammelaktionen. Die Umweltkatastrophe betraf die Oder auf einer Länge von rund 500 Kilometern. Feuerwehrleute haben seit Freitag rund 80 Tonnen tote Fische entfernt, sagte ein Sprecher des polnischen Berufsfeuerwehrkommandos.
Das Ausmaß sei vergleichbar mit der Sandoz-Katastrophe von 1986, sagte Meyer. Damals brach in einer Schweizer Lagerhalle des Chemiekonzerns Sandoz (heute Novartis) ein Feuer aus. Große Mengen kontaminiertes Löschwasser gelangten in den Rhein und führten zum Tod zahlreicher Fische. Das damalige Unglück habe Anlass zu internationalen Alarmierungs- und Meldeplänen der Anwohner gegeben – und genau das werde an der Oder jetzt nicht mehr verfolgt, sagte Meyer.
Ihm zufolge schlägt der BUND vor, dass es von polnischer Seite “illegale Chemikalienverklappungen” in der Oder gegeben habe. „Wir können davon ausgehen, dass es eine Verschmutzungswelle gab, die durch die Oder ging. Hinzu kommen Faktoren wie Niedrigwasser oder Arbeiten am Oderausbau, die die Fische und das Ökosystem schon im Vorfeld belasten würden.
Meyer kritisierte, dass die Arbeiten an der Erweiterung von polnischer Seite „sehr langsam gesteuert“ würden. Auch nach den ersten Berichten über tote Fische war das „Kernversagen in Polen“ da. Doch nach dem Fischsterben der vergangenen Woche lief auf deutscher Seite nicht alles glatt. Weitere Labore müssten sofort zur Analyse hinzugezogen werden, sagte Meyer. “Es ist zu viel Zeit vergangen.”
Deutschland und Polen wollen das Fischsterben in der Oder nach den Lücken der letzten Tage aufklären, bleiben aber über die Ursache rätselhaft. Nach Angaben der polnischen Regierung wurden bei Labortests an toten Fischen aus dem Fluss keine giftigen Substanzen gefunden. Der Fisch sei auf Quecksilber und andere Schwermetalle getestet worden, sagte die polnische Umweltministerin Anna Moskova am Sonntag in Stettin bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne).
Mit einer gemeinsamen Task Force wollen sich Deutschland und Polen nun dem Massentöten von Fischen im Grenzfluss entgegenstellen. Das Bundesumweltministerium kündigte nach einem Regierungstreffen am Montag an, Experten beider Länder sollen eng zusammenarbeiten, um die Ursachen zu ermitteln und notwendige Maßnahmen zu entwickeln. Den Angaben zufolge werden derzeit mit Unterstützung der Bundesbehörden Untersuchungen an Wasserproben und Fischen im Land Brandenburg durchgeführt. Konkretere Ergebnisse seien bis Dienstag zu erwarten, sagte ein Sprecher des Bundesumweltministeriums.
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