Bei seiner Vernehmung schilderte Nydrist, wie er Blumels Partnerin bei einer Hausdurchsuchung im Februar 2021 den Computer entwendete – und zwar nicht aus dem Kinderwagen, sondern aus ihrer Wickeltasche. Blumels Frau hatte keinen Rollstuhl, wie ursprünglich in den Medien berichtet wurde.
Zu Beginn seiner Vernehmung erklärte der Kabinettschef, dass gegen ihn wegen Vorwürfen der Falschaussage im Ibiza-U-Ausschuss, in dem er im Januar 2021 vernommen wurde, und Verletzung des Amtsgeheimnisses wegen Überstellung des Beschlagnahmebefehls ergangen sei der derzeit abgesetzte Justizminister Christian Pilnacek. Er kündigte daher an, in dieser Angelegenheit von seinem Widerrufsrecht Gebrauch zu machen.
Nydrist bewahrte diese Botschaft auf. Fragen zu Telefongesprächen mit Pilnacek vor der Beschlagnahme im Finanzministerium oder warum er wenige Wochen zuvor die Kommunikation mit ihm auf verschlüsselt umgestellt hatte, wollte er unter Berufung auf die Ermittlungen nicht beantworten: „Der Kontakt zu Pilnacek ist Teil meiner Vorstrafen und deshalb möchte ich, dass die Aussage zurückgewiesen wird.“ Allerdings habe er nach der Beschlagnahme beim Finanzministerium um eine Einschätzung mehrerer Anwälte gebeten.
Nidrist war etwas geneigter, Auskunft über den internen Prüfbericht des sogenannten “Beinschab-Tools” zu geben, der behauptet, die Steuergelder seien für die Interessen der türkischen Partei verwendet worden. Die Prüfung erfolgte auf Empfehlung der Finanzprokuratur in Zusammenarbeit mit dieser. Inzwischen gibt es rechtliche Konsequenzen für den Leiter der zuständigen Abteilung beim BMF. Ihm zufolge werden derzeit rechtliche Maßnahmen für weitere Mitarbeiter geprüft. Darüber hinaus wurde Anfang des Jahres eine Arbeitsgruppe gegründet, um die Grundlagen für die Verteilung neuer Stiftungen zu schaffen.
Fragen von SPÖ-Fraktionschef Jan Krainer zu Kontakten zwischen Nydrist und dem Unterausschussvorsitzenden Wolfgang Sobotka (ÖVP) haben zu heftigen Diskussionen über die Geschäftsordnung geführt. Krainer schnappte das Wort weiter auf und aktivierte mitten in der Debatte sein Mikrofon. Wütend kündigte Sobotka daraufhin an, beim nächsten Mal wieder die Kontrolle über die Beschallungsanlage zu übernehmen, eine Frage, die bereits bei der Befragung von Bundeskanzler Karl Nechamer (ÖVP) im Gesetzgeber für Kontroversen gesorgt hatte.
NEOS-Fraktionschefin Stephanie Crispper interessierte sich für die Absichten der Kabinettschefin, unmittelbar nach Durchsuchungen der WKStA im vergangenen Oktober in ÖVP-Parteizentralen, Finanzministerium und Bundeskanzleramt in die Verwaltung zu wechseln. „Mich hat interessiert, ob es eine mittel- oder langfristige Perspektive für den Verbleib des Finanzministeriums in der Verwaltung gibt“, sagte Nidrist. Zwischen den Hausdurchsuchungen bestand jedoch kein Kausalzusammenhang. Trotzdem kam er wieder raus. Dass sechs Kabinettsmitglieder plötzlich in die Verwaltung wechseln wollten, begründete Nydrist mit „instabilen Zeiten in der Politik“. Nach mehr als fünfeinhalb Stunden war sein Verhör beendet.
Ihm folgte Pirker, Leiter der Präsidialabteilung im Justizministerium. Seine Befragung brachte zunächst jedoch nicht viel Erleuchtung. Ausschreibungstexte störten ihn nicht, Wünsche wurden nicht geäußert. Sein Verhältnis zu Pilnacek und Wiens Oberstaatsanwalt Fuchs bezeichnete er als zunächst eng und professionell. Doch die beiden trafen sich in der Justiz. Für deren juristische Expertise ist grundsätzlich die Fachabteilung zuständig. Die Beziehungen verschlechterten sich erheblich, bis Pilnacek schließlich gestoppt wurde. Sie redeten nicht mehr, und schließlich warf ihm Pilnacek seinen Ausweis vor die Füße.
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