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BP-Wahl 2022: Stimmzettel kratzt am Rekord – Bundespräsidentenwahl

An . – 14.08.2022 14:26 (akt. 14.08.2022 18:52)

Bei den BP-Wahlen 2022 könnte eine Rekordzahl von Kandidaten auf dem Stimmzettel stehen. ©APA/HELMUT FORRINGER (Bild mit Symbol)

Der Stimmzettel für die Präsidentschaftswahl 2022 bricht den Rekord – auch wenn nur eine Fraktion einen Kandidaten nominiert. Erstmals konnten sieben Kandidaten an den Wahlen teilnehmen.

Die bisher größten Auswahlen fanden 2016 und 1951 statt, als sechs Kandidaten die erforderlichen 6.000 Unterstützungsbekundungen sammelten. Damit kann neben Alexander Van der Bellen in diesem Jahr auch der FPÖ-Kandidat Walter Rosenkrantz rechnen. Vier bis fünf weitere Kandidaten sollen sehr gute Chancen haben.

Sieben Kandidaten könnten für die BP-Wahl 2022 auf dem Stimmzettel stehen

Bierpartei-Chef Dominik Vlazny und MFG-Vorsitzender Michael Brunner müssen bis zum 2. September 6.000 Unterschriften sammeln können (Stimmen für ihre Parteien bei früheren Wahlen). Auch Ex-Politiker (FPÖ und BZÖ) und aktueller Blogger Gerald Grosz sowie „Krone“-Kolumnist Tassilo Wallentin haben gute Chancen – und „Waldviertler“ Schuster Heinrich Staudinger, wie er ebenfalls bekannt ist, könnte ebenfalls Erfolg haben.

Die Kurzbiografien möglicher Kandidaten für die BP-Auswahl

ALEXANDER VAN DER BELEN – Bundespräsident seit 2016, gewann den Wahlmarathon mit 53,8 Prozent gegen Norbert Hofer (FPÖ). Die Hofburg ist die dritte Wirkungsstätte des 78-Jährigen. Zunächst war der Wirtschaftswissenschaftler als Universitätsprofessor an den Universitäten Wien und Innsbruck tätig. Mit 50 stieg er in die Politik ein und wurde Mitglied des Nationalrates (1994 bis 2012) – der Grünen, die ihn 1997 zum Vorsitzenden wählten. Nach der verlorenen Wahl 2008 trat er als Bundessprecher zurück und zog 2012 aus den Nationalrat in den Gemeinderat der Stadt Wien, dem er seit 2011 als Universitätsvertreter angehörte. 2016 kandidierte Van der Bellen als unabhängiger Kandidat – allerdings mit starker Unterstützung der Grünen – für die Bundespräsidentenwahl. Van der Bellen wurde am 18. Januar 1944 in Wien als Sohn russisch-estnischer Eltern geboren. Er wuchs im Tiroler Kaunertal auf und wurde erst 1958 österreichischer Staatsbürger. Van der Bellen ist Vater von zwei Söhnen aus erster Ehe und heute mit Doris Schmidauer verheiratet.

WALTER ROSENKRANZ (FPÖ) – Volksanwalt seit 1. Juli 2019 – nominiert, wie auch für die Hofburgwahlen, von der FPÖ. Der 60-jährige Jurist hat bereits eine lange Partei- und Politikkarriere hinter sich: Er stieg zum Bundesvorsitzenden der Studentischen Freiheitsinitiative auf, gelangte dann über den Kremser Stadtrat und die FPÖ in Wien (als Hausjurist) in den Nationalrat ). Von 2008 bis 2019 war Rosenkrantz Bundestagsabgeordneter, von 2017 bis 2019 unter Heinz-Christian Strache zudem geschäftsführender Vorsitzender des Vereins. Von 2013 bis 2019 leitete er zudem die Landespartei Niederösterreich. Rosencrantz, der am 29. Juli 1962 in Krems geboren wurde, studierte nicht nur Jura in Wien, sondern parallel dazu zwei Jahre Gitarre an der Universität. Der 60-Jährige ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

MICHAEL BRUNER (MFG) – Der 61-jährige Jurist ist durch den Protest gegen Corona-Maßnahmen in die Politik gekommen. Der Anwalt erschien aus seinem Büro in Wien mit mehreren Verfassungsbeschwerden gegen die Haftmaßnahmen. Im Februar 2021 gehörte Bruner zu den Mitbegründern und ist heute Bundesvorsitzender der MFG (Menschen – Freiheit – Grundrechte). Bei den oberösterreichischen Wahlen im Herbst 2021 trat sie erfolgreich an: Die Impfskeptiker zogen auf Anhieb mit mehr als 50.000 Stimmen (6,2 Prozent) in den Landtag ein. Bei den Gemeinderatswahlen in Tirol im Februar dieses Jahres gelang zwar der Einzug in die Gemeinderäte weitgehend, aber kein MFG-Kandidat konnte sich auf Bürgermeisterebene durchsetzen.

DOMINIK WLAZNY – Kämpfte unter seinem richtigen Namen um die Hofburg-Kandidatur, ist aber besser bekannt als “Marco Pogo”, Sänger und Komponist der Punkrock-Band Turbobier. Er beschloss, sich während seiner Zeit als Assistenzarzt der Musik zuzuwenden. Über die Musik kam er in die Politik. 2015 gründete er – wegen des gleichnamigen Songs – die Bierparty, aus Spaß. 2019 nahm er es ernst: Bei den Nationalratswahlen 2019 konnte Vlazny in Wien antreten und erhielt fast 5.000 Stimmen. Bei den Gemeinderatswahlen 2020 in Wien waren es bereits rund 13.100, aber nicht genug für den Einzug in den Landtag. Allerdings schaffte es die Bierpartei in einige Kreistage, Pogo ist Kreisrat in Simmering. Und alles andere als ein Impfskeptiker: Der (nicht praktizierende) Arzt lässt sich auf den Wiener Impfstraßen und auch vor seinem Konzert in der Arena gegen Corona impfen. 2012 schloss er sein Medizinstudium in Wien ab.

TASSILO VALENTIN – Der Wiener Jurist möchte am 9. Oktober als unabhängiger Kandidat antreten – und nicht wie erwartet als FPÖ-Kandidat. Sie wollte den Juristen 2018 zum Verfassungsrichter machen, doch Valentine ruderte angesichts starker Vorbehalte von Koalitionspartner ÖVP und Bundespräsident zurück. Grund für die Skepsis sind seine Sonntagskolumnen in der „Kronen Zeitung“, in denen er immer wieder mit Attacken gegen die EU auffällt. Die Kolumnen seien inzwischen eingestellt worden, sagte Krone, deren Gründer Hans Dichand den Anwalt mehrere Jahre vertrat, bei der Bekanntgabe seiner Kandidatur. Valentin wurde am 25. Dezember 1973 geboren, studierte Rechtswissenschaften in Salzburg (nach der Schule in Wien). Dort war er zunächst Universitätsassistent, nach Stationen in einer Anwaltskanzlei in den USA gründete er 2004 sein Büro in der Wiener Innenstadt.

GERALD GROSZ – Der 45-jährige Steirer ist heute Blogger, hat aber eine lange Karriere in der Politik hinter sich – erst bei der FPÖ, dann beim BZÖ von Jörg Haider. Zur FPÖ kam er 1992 über den Freiheitsjugendring. Nach der Schule absolvierte Gross ein kaufmännisches Praktikum bei einer Werbefirma in Graz und wurde 1999 Abgeordneter im FPÖ-Klub. Von 2000 bis 2005 war er Sprecher der FPÖ-Regierungsmitglieder (Herbert Haupt und Sigisbert Dolinszek). 2005 wechselte er zum neu gegründeten BZÖ, wo er zahlreiche Ämter bekleidete, unter anderem als Landeshauptmann Steiermark, Generalsekretär, Grazer Stadtrat, Nationalrat (2008 bis 2013) – und nachdem er 2013 seine Rückkehr verpasst hatte d. als Parteivorsitzender. 2015 trat er aus der Partei aus und wurde Unternehmer und Blogger. Gross – geboren am 15. Februar 1977 in Graz – ist seit 2013 mit seiner Partnerin zusammen.

HEINRICH STAUDINGER – Geboren (5. April 1953) und aufgewachsen in Oberösterreich, wurde Staudinger durch „Waldviertler Schuhe“ bekannt. Er hat mehrere Studien (unter anderem Medizin) begonnen, aber keines abgeschlossen. Stattdessen gründete er 1980 ein Schuhgeschäft in der Langen Gasse in Wien-Josefstadt, beteiligte sich an der Schuhwerkstatt Schremser Waldviertler – und legte damit den Grundstein für das Unternehmen GEA, das heute über 50 Filialen in Österreich, Deutschland und der Schweiz hat . Bekannt wurde der 59-Jährige nicht nur durch seine Schuhe, Möbel und Naturmatratzen, sondern auch als „Schuh-Rebell“ durch seine öffentliche Auseinandersetzung mit der Finanzmarktaufsicht (FMA) um eigene geschäftliche und private Finanzierungsmodelle („Crowdfunding“) “) allgemein.

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