Stand: 02.07.2022 05:55
Die Pipeline Nord Stream 1 muss bald gewartet werden. Fraglich ist, ob danach wieder Gas durch die Pipeline nach Deutschland fließen wird. Die Bundesnetzagentur hält einen Totalausfall für möglich und fordert erneut Energieeinsparung.
Der Präsident der Bundesnetzagentur Klaus Müller befürchtet einen kompletten Ausfall der russischen Gasversorgung und ruft die Bevölkerung zum Energiesparen auf. Die Frage sei, ob sich die anstehende regelmäßige Wartung der Gaspipeline Nord Stream 1 “in eine längerfristige politische Wartung umwandeln wird”, sagte Müller den Zeitungen der Mediengruppe Funke.
Wenn der Gasfluss aus Russland “eine Motivation hat, längerfristig reduziert zu werden, sollten wir ernsthafter über Einsparungen sprechen”. Die zwölf Wochen vor Beginn der Heizperiode sollten zur Vorbereitung genutzt werden, sagte er.
Überprüfen Sie den Kessel und die Heizkörper
Müller forderte alle Haus- und Wohnungsbesitzer auf, ihre Gas-Brennwertgeräte und Heizkörper schnell zu überprüfen und einzustellen. „Wartung kann den Gasverbrauch um 10 bis 15 Prozent senken“, sagte er. „Es muss jetzt passieren, nicht erst im Herbst.
Um Engpässe bei der Besetzung von Handwerkern zu überwinden, forderte er alle Handwerker auf, sich auf Heizung und Warmwasserversorgung zu konzentrieren. Familien müssten nun darüber reden, „ob im Winter in jedem Raum die gewohnte Temperatur eingestellt werden soll – oder ob es in manchen Räumen auch etwas kälter sein darf“.
Gleichzeitig warnte Müller davor, Energieeinsparung falsch zu betonen. „In der Krise geht es um Gas, nicht um Strom“, sagte er. Deutschland steht nicht vor einer Energieknappheit. „Wir haben auch keinen Mangel an Benzin und Öl. Alles ist vorhanden. Ich empfehle, sich auf das Gas zu konzentrieren.“
Habek: Ab dem 11. Juli ist eine Blockade möglich
Wirtschaftsminister Robert Habek hat bereits deutlich gemacht, dass er einen völligen Mangel an russischen Gaslieferungen von Nord Stream befürchtet. Ab dem 11. Juli drohe eine “Totalblockade von Nord Stream 1”, sagte der Grünen-Politiker am Donnerstag. Deshalb kann es im Winter wirklich problematisch werden. Die Gasversorgung im Sommer ist gewährleistet.
Die jährliche Wartung von Nord Stream, die normalerweise zehn Tage dauert, beginnt am 11. Juli. Danach fließt kein Gas mehr auf Nord Stream 1. Die große Sorge ist, dass Russland den Gashahn nach der Reparatur nicht wieder öffnet.
Besonderer Schutz für Privathaushalte und Pflegeheime
Bei einer Unterbrechung der Gasversorgung sollen laut Müller Privathaushalte sowie Krankenhäuser oder Pflegeheime besonders geschützt werden. „Ich kann versprechen, dass wir alles tun, um zu verhindern, dass Haushalte ohne Gas auskommen“, sagte er. „Wir haben aus der Corona-Krise gelernt, dass wir keine Zusagen machen sollten, wenn wir nicht absolut sicher sind, dass wir sie erfüllen können.“ Die Netzagentur sehe allerdings „kein Szenario, in dem nicht mehr Gas nach Deutschland kommt“.
Wenn Industrieunternehmen von der Gasversorgung abgeschnitten würden, „betrachten wir den betrieblichen Schaden, den wirtschaftlichen Schaden, die sozialen Folgen, aber auch die technischen Voraussetzungen für den Betrieb des Gasnetzes“, erklärte Müller. Bei einem Gasnotfall „können wir nicht jeden Einsatz als systemrelevant einstufen“, betonte er. „In kritischen Bereichen wie Teilen der Lebensmittel- und Pharmaindustrie müssen wir sehr vorsichtig sein. Dagegen wären Produkte und Angebote, die in den Bereich Freizeit und Wohlbefinden fallen, zweitrangig. Schwimmbäder gehören wahrscheinlich nicht in die kritische Zone, genau wie die Herstellung von Schokoladenchips.
Unternehmen sollten Notstromaggregate anschaffen
Um eine eskalierende Gasknappheit zu verhindern, empfiehlt die Bundesregierung den Unternehmen die Anschaffung von Notstromaggregaten. Die Generatoren sollten mögliche Stromausfälle kompensieren, berichtete die Bild-Zeitung zuvor unter Berufung auf eine Antwort von Wirtschaftsstaatssekretär Patrick Greichen (Grüne) an den CSU-Bundestagsabgeordneten Stefan Pilsinger. „Besonders für Betreiber kritischer Infrastrukturen empfiehlt sich die Ausstattung mit Notstromaggregaten“, zitiert die Zeitung Graichen.
Henkel plant ein Homeoffice, um Sprit zu sparen
Der Konsumgüterhersteller Henkel hat als eines der ersten Unternehmen in Deutschland offiziell angekündigt, vorübergehend wieder mehr Homeoffice einzuführen, um Sprit zu sparen. „Wir könnten dann die Temperatur in den Büros deutlich senken, während sich unsere Mitarbeiter zu Hause auf Normalniveau heizen“, sagte Henkel-Chef Carsten Knobel der Rheinischen Post.
Hamburg kann Warmwasser einschränken
Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) schließt eine Begrenzung der Warmwasserbereitung für private Haushalte bei einem Gasnotstand in der Hansestadt nicht aus. „! Bei akutem Gasmangel kann warmes Wasser im Notfall nur zu bestimmten Tageszeiten zur Verfügung stehen“, sagte Kerstan der „Welt am Sonntag“. Auch eine generelle Absenkung der maximalen Raumtemperatur im Fernwärmenetz kann in Erwägung gezogen werden.
Schon aus technischen Gründen sei es nicht möglich, bei Gasknappheit überall in Hamburg zwischen Gewerbe- und Privatkunden zu unterscheiden, sagte er der Zeitung. Kerstan erklärte, dass ein mögliches temporäres LNG-Terminal im Hamburger Hafen frühestens im kommenden Mai in Betrieb gehen könne. „Ob und wo der temporäre LNG-Terminal in Hamburg realisierbar ist, werden wir im Laufe des Juli wissen.“ Voraussichtlich ab Mai 2023 könne dort Gas verarbeitet werden .
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