Sozial
Lebensmittel, Miete, Heizöl, Strom – das Leben in Österreich ist zuletzt deutlich teurer geworden. Kostet das Aufladen des Autos vor einem Jahr noch 60 Euro, sind es jetzt rund 90 Euro. Nun sind sogar Menschen in finanzielle Schwierigkeiten geraten, die laut Caritas noch nie Hilfe gebraucht haben.
17.05.2022 19.51
Online seit gestern, 19:51
Rosa-Marie Müller hätte sich niemals vorstellen können, Klientin der Caritas Sozialberatung in Eisenstadt zu sein. Der Rentner und ehemalige Krankenpfleger hat eine Rente von knapp über 1.300 Euro. Als sie sich den neuen Herd für ihre kleine Wohnung in Eisenstadt nicht mehr leisten konnte, ging sie mit Caritas-Direktorin Melanie Balashkovich an die Öffentlichkeit. „Wenn ich heute mit der Caritas an die Öffentlichkeit gehen muss, ist das nicht angenehm“, sagt Müller.
ORF-Caritas-Direktorin Melanie Balashkovich und Rosa-Marie Mueller
Müller hatte schon im Mai Angst vor der jährlichen Stromrechnung. „Wenn ich das sehe – 40 Prozent mehr – dann frage ich mich, wie ich das finanzieren soll“, sagt Müller. Laut Caritas-Direktorin Melanie Balashkovich wandten sich in den ersten vier Monaten des Jahres doppelt so viele Menschen an Kartas.
Die Lösung zwischen Essen und Erhitzen
Laut Caritas Burgenland müssen sich Menschen mit kleinen Renten derzeit zwischen Essen und Heizen entscheiden. Bis Ende April hat die Caritas Burgenland in diesem Jahr bereits rund 45.000 Euro über ihre Sozialberatung gezahlt. Im gesamten Vorjahr waren es rund 90.000 Euro. Die Caritas Burgenland hat aufgrund des aktuellen Ausnahmezustands einen neuen Online-Service eingerichtet. Die Sozialberatung der Caritas Burgenland kann ab sofort anonym per Chat genutzt werden. Rosa-Marie Müller hofft, im Oktober über den Berg zu sein, denn bis dahin musste sie ihren Kredit für ihre kleine Wohnung abbezahlen.
Sprechen Sie mit dem Leiter der Caritas Burgenland
Zu Gast im Studio ist Melanie Balashkovich, ehemalige Moderatorin des ORF Burgenland und jetzt Leiterin der Caritas Burgenland. Die Inflation in Österreich belastet weiterhin viele Menschen. Immer mehr Menschen suchen Hilfe bei der Caritas.
Armut kann jeden treffen
Armut kann laut Balaskovic jeden treffen. Es gäbe versteckte Armut – meist Alleinstehende – wie Rentner, alleinerziehende Mütter – etc. Seitens der Caritas wird es verschiedene Aktionen geben – von der Beratung bis zur Haushaltskasse. Es gibt auch – im schlimmsten Fall – Ausweisungstipps. Im ersten Schritt seien Maßnahmen zu bewältigen – etwa die Übernahme von Stromrechnungen oder Mieten, sagte Balaskovic.
Laut Balaskovic sind die Armutszahlen alarmierend. Es stellt sich heraus, dass es eine alarmierende Zahl von Menschen geben wird, die von Armut bedroht sind, wenn der Staat nicht handelt.
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