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Cum-Ex-Skandal, Krieg, Inflation: Scholz’ erste Sommer-PK könnte peinlich werden

Cum-Ex-Skandal, Krieg, Inflation Scholz’ erster Sommer-PC könnte peinlich werden

11.08.2022 08:41 Uhr

Die Sommerpressekonferenz ist mittlerweile Tradition bei den Bundeskanzlern. Angela Merkel nahm sich jedes Jahr Zeit für Journalisten, und ihr Nachfolger Olaf Scholz macht weiter. Und im Moment gibt es jede Menge Themen – darunter auch sehr unangenehme – die die Kanzlerin bewegen könnten.

Viele Ministerpräsidenten hat Bundeskanzler Olaf Scholz erlebt, seit er Ende vergangenen Jahres die Regierungsverantwortung übernommen hat – jetzt kommt noch eine hinzu: Erstmals an diesem Donnerstag ab 11 Uhr als Bundeskanzler stellt sich der Politiker der GSDP den Fragen von Hauptstadt-Journalisten im Sommerpressekonferenz. Damit setzt er die Praxis seiner Vorgängerin Angela Merkel von der CDU fort, die jedes Jahr unmittelbar vor oder nach ihren Sommerferien zur Bundespressekonferenz ging.

Traditionell werden dort Fragen aus verschiedenen Bereichen der Innen- und Außenpolitik gestellt. Ein dominierendes Thema in diesem Jahr dürfte der Krieg in der Ukraine und seine Folgen sein. Krieg in der Ukraine und Waffenlieferungen Die Debatte um die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine hat inzwischen etwas an Schärfe und Lautstärke verloren, ist aber noch nicht beendet, denn die Begehrlichkeiten in Kiew sind noch immer groß. Scholz kann darauf verweisen, dass bereits einiges in der Ukraine eingetroffen ist – etwa zehn Panzerhaubitzen des Typs 2000, fünf Flugabwehrpanzer Gepard samt Munition und drei Raketenwerfer MARS II. Diese übergab Verteidigungsministerin Christine Lambrecht von der SPD Zahlen Ende Juli . Allerdings ging auch einiges schief, etwa der geplante Austausch von Panzerringen mit Polen.

Die Energiekrise drängt Deutschland

Wie übersteht Deutschland angesichts des stark eingeschränkten Gasangebots aus Russland den Winter energetisch? Diese Frage stellen sich nicht nur Bürger, sondern vor allem Unternehmen im Land. Können andere Gasproduzenten einspringen? Und sollte die zum Jahresende geplante endgültige Abschaltung der Atomkraft nicht ohnehin verschoben werden?

„Spätestens nach dem Scheitern des Deals mit Katar musste Olaf Scholz die Gasversorgung zur Chefsache machen“, empörte sich CSU-Generalsekretär Martin Huber auf dem Nachrichtenportal The Pioneer. “Stattdessen sieht er tatenlos zu, wie Deutschland das Gas ausgeht, und sagt nicht, was er vom Ausbau der Atomkraft hält.”

Hohe Inflation belastet die Bürger

Auch wenn genug Energie für alle Haushalte und die Industrie vorhanden ist, wird sie immer teuer. Wahrscheinlich sogar teurer als heute. Hinzu kommen rasante Preissteigerungen in anderen Bereichen, insbesondere bei Lebensmitteln. Reichen angesichts dieser Entwicklung die von der Ampelkoalition gesammelten Hilfspakete in Höhe von rund 30 Milliarden Euro aus? Oder soll im Herbst eine andere Entscheidung fallen? Und wer soll davon profitieren?

Diese Fragen dürften Scholz ebenso stellen wie Pläne für Steuersenkungen für Bürgerinnen und Bürger von rund zehn Milliarden Euro im nächsten Jahr, die gerade Finanzminister Christian Lindner von der FDP vorgestellt hat. Laut Regierungssprecher Steffen Hebstreit empfindet die Kanzlerin “grundlegendes Wohlwollen”. Dann werden Journalisten es etwas genauer wissen wollen.

Corona-Pandemie

Die Zahl der Corona-Infektionen ist nach wie vor hoch – für den Sommer sogar sehr hoch. Allerdings wollen viele Menschen in Deutschland derzeit nichts von der Pandemie wissen. Zuletzt führte vor allem die FDP die Koalition in dieser Frage an und erzwang die Aufhebung vieler Auflagen und Schutzklauseln.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach von der SPD und Justizminister Marco Buschmann von der FDP haben nun gemeinsam ein Konzept vorgelegt, falls aus der ohnehin heftigen Corona-Sommerwelle eine noch größere Herbst- und Winterwelle werden sollte. Was hält die Kanzlerin wirklich von diesen Plänen, die vor allem auf verstärktes Maskentragen setzen?

Steuerskandal in Hamburg

All diese Fragen zielen auf die Zukunft, aber auch die Vergangenheit muss die Kanzlerin einholen. Es geht um seine Rolle als Hamburger Regierungschef in der Steueraffäre mit der Warburg Bank, den sogenannten Cum-Ex-Deals. Nach Gesprächen in den Jahren 2016 und 2017 mit den Gesellschaftern der Bank, Christian Olearius und Max Warburg, im Büro von Scholz ließ die Finanzverwaltung die Steuerrückerstattung in Höhe von 47 Millionen Euro gegen die Bank verfallen. Weitere 43 Millionen Euro wurden erst 2017 beantragt, nachdem das Bundesfinanzministerium kurz vor Ablauf der Verjährungsfrist eingegriffen hatte.

Für Scholz könnte der Auftritt bei der Bundespressekonferenz ein Vorgeschmack auf den 19. August sein, wenn er erneut als Zeuge vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Hamburger Bürgerschaft aussagen soll. Journalisten sind auch gut im Kreuzverhör.

Mertz geht zur Regierung

Schon vor seiner ersten Sommerpressekonferenz sieht sich die Kanzlerin vielen Erwartungen gegenüber. Der CDU-Vorsitzende Friedrich Merz forderte eine neue Strategie für Hilfsprogramme gegen die hohe Inflation. Vom bisherigen Vorgehen hält er wenig. “Es wäre besser, wirklich bedürftigen Haushalten etwas mehr zu geben, anstatt Geld an der Gießkanne zu verteilen.” Meiner Meinung nach ist das ein völlig falscher Ansatz. Das belastet den Bundeshaushalt und erreicht zu wenig diejenigen, die wirklich Unterstützung brauchen“, sagte Mertz. Neben Hartz-IV- und Wohngeldempfängern sollen künftig auch Haushalte unterstützt werden, “deren Einkommen knapp über diesen Transferleistungen liegt”. Mertz nennt sie „Grenzhaushalte“.

Der Leiter der Campact-Organisation, Christoph Bautz, sieht Deutschland vor zwei großen Krisen stehen – der Energiepreiskrise und der Klimakrise. „Es reicht einem Kanzler nicht, die Debatten fließen zu lassen und ein bisschen zu moderieren. Von Olaf Scholz erwarten wir endlich einen klaren Kompass“, sagte Bautz. „Statt auf die Fracking-, Atom- und Kohle-Rezepte von gestern zu setzen, muss er jetzt einen smarten Booster für Erneuerbare und Wärmewende auf den Weg bringen.“ Er muss gezielt die Schwachen in der Gesellschaft entlasten und diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die sich an der Krise bereichern. “Das wäre die Führung, die er im Wahlkampf versprochen hat.”