Neue Gefährdungsbeurteilung – Feuerwehrfortschritt beim Einsatz in Grünewald – Sperrbereich noch nicht aufgehoben
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Video: rbb|24| 05.08.2022 | Material: rbb, TeleNewsNetwork | Bild: imago images/Christian Ender
Die Feuerwehr schreitet mit den Löscharbeiten in Grünewald voran. Nur am Ort der Explosion, wo das Feuer ausgebrochen ist, kann es noch nicht gelöscht werden. Daher ist noch unklar, wann die Avus und der Bahnverkehr wieder hochgefahren werden.
– Avus und Zugverkehr bleiben gesperrt
– Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg müssen abkühlen
– Abschnitte der Sprengstelle mit einer Temperatur von bis zu 700 Grad
– Ein Teil des Feuers wurde gelöscht
– Detonationen und herumfliegende Trümmer sind weiterhin möglich
Die Flammen im Berliner Grünewald sind zwar weitgehend gelöscht, doch die Lage ist vor allem für die Feuerwehr weiterhin ernst. Der Boden ist laut Polizei stellenweise immer noch bis zu 700 Grad heiß. Straßen- und Bahnsperrungen sind daher noch nicht in Sicht. Bisher wurden keine Menschen verletzt.
In der Nacht zum Freitag setzte die Feuerwehr die Brandbekämpfung im Bereich der Explosionsstelle fort, wo das Feuer ausgebrochen war. „Diese Brände sind heute Morgen nahezu eingedämmt“, sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein am Freitagmorgen nach der ersten Einsatzbesprechung.
Zudem brachte die Untersuchung des Standortes der Sprengstelle durch die Berliner Polizei in Grünewald durch einen Abbruchsachverständigen neue Erkenntnisse. Drei Hauptgefahren seien identifiziert worden, sagte Carsten Homrighausen, Landesfeuerwehrdirektor der Berliner Feuerwehr, am Freitagnachmittag auf einer Pressekonferenz. Ziel ist die professionelle Kühlung von Hot Spots und die weitere Reduzierung des Sperrkreises um das Feuer.
Eine Feuerwehr kühlt glühende Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg
Konkret seien zwei 250 Kilogramm schwere Weltkriegsbomben bei der Detonation aus ihren Halterungen geschleudert worden, sagte Polizeisprecher Thilo Kablitz. Sie explodierten nicht, aber sie wurden sehr heiß und mussten gekühlt werden. Gleiches gilt für andere Bereiche des großen Geländes.
Hinzu kommen weitere Bereiche, die eine Temperatur von bis zu 700 Grad Celsius haben und gekühlt werden müssen. „Nur wenn diese Gefahren vermieden werden, kann das Sperrgebiet entsprechend verkleinert, aber noch lange nicht beseitigt werden, da das Gebiet noch nicht vollständig erkundet ist“, sagt Kablitz.
Die Avus und die Bahnstrecke bleiben bis auf Weiteres gesperrt
Folglich bleiben die Avus-Schnellstraße und die angrenzende Bahnstrecke gesperrt. Bislang galt eine Sperrzone von 1000 Metern – diese dürfe erst geändert werden, wenn der Sprengstoffexperte im Umkreis keine Gefahr mehr sehe, sagte der Leiter der Landesfeuerwache Homrighausen. Bei erfolgreicher Abkühlung und Abklingen der Gefahr könne das Sperrgebiet auf einen Radius von 600 Metern reduziert und dann die Autobahn- und Bahnstrecken wieder freigegeben werden, sagte Polizeisprecher Kablitz. Eine Einschätzung, wie lange das dauern könnte, machte er nicht.
Brigadegeneral Jürgen Karl Uchtmann sagte, die Bundeswehr habe einen Dachs-Pionierpanzer für weitere Arbeiten bereit. Das Fahrzeug ist ein gepanzerter, sehr befahrbarer Bagger.
Bereits am Donnerstag habe ein Rüstpanzer der Bundeswehr einen fünf Kilometer langen Weg geschnitten, „der aufgrund seiner Größe nach dieser Krise von der Berliner Bevölkerung als schöne Rad- und Wanderwege genutzt werden kann“, sagte Uchtmann.
| Bild: rbb/Poppendieck
Die Liquidationsarbeiten dauern an
Laut Feuerwehrsprecher Kirstein kamen die Einsatzkräfte während der Löscharbeiten bis auf 500 Meter an die Sprengstelle heran. Das sei eine „gute Entwicklung“. Ihm zufolge brannte es auf einer Gesamtfläche von etwa 42 Hektar. Am Donnerstagabend gab es Berichte über 50 Hektar, die entweder brannten oder stark verraucht waren.
Am Ort der Explosion konnten laut Kirstein keine Maßnahmen ergriffen werden. Es sei mit weiteren Detonationen und umherfliegenden Trümmern zu rechnen, sagte er. Daher war nur die Recherche des Abbruchexperten notwendig. Die Feuerwehr ist bereits mit gepanzerten Evakuierungsfahrzeugen und ferngesteuerten Robotern im Gefahrenbereich im Einsatz – darunter „Alpha Wolf R1“. Dies kann den Ort sowohl erkunden als auch löschen.
Die Roboter-Erkundungstour musste abgesagt werden
Am Donnerstag machte sich auch der ferngesteuerte Roboter „tEODor“ auf den Weg, um den Wald zu erkunden. Die Feuerwehr habe „nahezu alles eingesetzt, was in Deutschland technisch verfügbar war“, sagte Kirstein. “Wir werden hier heute groß.” Auch ein Feuerwehrauto eines privaten Unternehmens kommt zum Einsatz.
Kirstein betonte, dass dieser Brand eine „ganz besondere Situation und Herausforderung“ für die Feuerwehr sei. Am Freitagmorgen waren nach Angaben des Sprechers noch 150 Feuerwehrleute und 500 Polizisten im Einsatz. Dazu kamen viele weitere von der Bundeswehr und dem Bundesamt für Technische Hilfeleistung.
Das Feuer brach am frühen Donnerstagmorgen aus
Das Feuer brach am frühen Donnerstagmorgen aus. Noch vor Sonnenaufgang waren Explosionen zu hören und Flammen brannten auf und um die Sprengstelle in Grünewald. Das Feuer hat sich im Laufe des Tages im Trockenwald erheblich ausgebreitet.
Wegen der Gefahr von Bombensplittern wurde um das Feuer herum eine Sperrzone eingerichtet. Auf dem großen Areal des Sprengplatzes lagerten laut Polizei rund 30 Tonnen „Munition und Munition“ aus dem Zweiten Weltkrieg und mehrere Hundert Kilogramm Feuerwerkskörper, die in der Silvesternacht beschlagnahmt wurden. Diese Bestände steigen in regelmäßigen Abständen, zuletzt im März und April. Sicherheitshalber werden Lagervorräte “permanent beregnet”. Dazu kommen ein Brandschutzkonzept, Brandkorridore und eine Brandmeldeanlage.
Die Brandursache ist noch unklar
Die Brandursache in Grünewald ist nach Angaben der Berliner Feuerwehr noch unklar. Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slovik sagte am Freitag im Inforadio, die Brandbekämpfung habe Vorrang vor der Untersuchung der Brandursache. Die Sprengstelle der Polizei in Grünewald ist gut gesichert. Es gibt Zäune, Überwachungsausrüstung und einen 24/7-Wachdienst mit Personal vor Ort.
„Das war heute hier ein großes Thema: Wie konnte das passieren?“, sagte Kirstein am Donnerstagabend. Der Sprecher gab an, dass beim Eintreffen der Feuerwehr am frühen Donnerstagmorgen mehrere Gebäude am Explosionsort in Grunewald bereits “in Flammen” standen.
Besprechung der Lage der Sprengstelle
Die Lage der Sprengstelle inmitten eines Naherholungsgebietes ist seit Jahrzehnten Gegenstand von Debatten im Abgeordnetenhaus. Am Donnerstag gab es erneut Aufrufe, gemeinsam mit Brandenburg einen neuen Sprengplatz außerhalb der Stadt zu finden [mehr dazu lesen Sie hier].
Die Berliner Polizeipräsidentin Barbara Slovik hat sich am Freitagmorgen offen dafür eingesetzt, den Ort der Explosion in Grünewald zu verlegen. Bisher gebe es in Berlin aber kein anderes genehmigungsfähiges System, sagte Slovik im Inforadio. Sie arbeiten bei diesem Thema eng mit Brandenburg zusammen, haben aber noch keine andere Option gefunden. Slovik gab an, dass nur ein Drittel der Munition in Berlin entschärft worden sei. Bei der Entsorgung von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg kommt es beispielsweise auf möglichst kurze Transportwege an.
Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giphy (SPD) kündigte am Donnerstag bei einem Besuch am Brandort an, mit der Berliner Polizei über den Fundort des Sprengsatzes sprechen zu wollen.
Ausstrahlung: rbb24 Abendsendung, 5. August 2022, 19:30 Uhr
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