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“Das Virus ist vorbei”: Corona-Experte: Sommerwelle hilft im Winter

“Das Virus ist vorbei” Corona-Experte: Sommerwelle hilft im Winter

10.09.2022 10:01 Uhr

Viele Deutsche sind inzwischen entweder gegen das Coronavirus geimpft oder haben eine Infektion durchgemacht – oder beides. Das sind gute Nachrichten für die Bioinformatik von Kaderali. Er erwartet nur mäßige Winteraufregung. Virologe Drosten prognostiziert etwas anderes.

Laut Greifswalder Corona-Experte Lars Caderalli gibt es nach der sommerlichen Corona-Welle mit Blick auf den Winter Grund zum Optimismus. In den vergangenen Monaten wurden viele Menschen durch Kontakt mit dem Virus immunisiert. “Es ist eine gute Sache. Das hilft uns im Winter”, sagte Kaderali, der Mitglied im Corona-Expertenrat der Bundesregierung ist.

„Ganz grob schätzen wir, dass jeder Dritte bis jeder Vierte im Sommer Kontakt mit Corona hatte.“ Die Zahl der Infektionen sei ohne besondere Maßnahmen zurückgegangen. „Es bedeutet nur, dass das Virus wirklich vorbei ist.“ Auch habe es erstmals seit dem Ende der Ferien keine signifikante Zunahme der Infektionen in der Allgemeinbevölkerung gegeben.

Wegen der breiteren Immunität neben Impfungen rechnet der Bioinformatiker damit, dass die Winterwelle nicht allzu heftig ausfallen wird, zumindest bis eine ganz neue Variante auftaucht. Er rechnet auch nicht mit einem baldigen erneuten Anstieg der Infektionen. Vielmehr deutet es darauf hin, dass das Ausmaß der Ansteckung noch lange auf dem aktuellen Niveau bleiben oder möglicherweise sogar etwas abnehmen wird.

Es ist schwer vorherzusagen, was im Frühjahr nächsten Jahres passieren wird, ob beispielsweise eine neue Variante kommt. „Außerdem sieht es im Moment so aus, dass das Virus, mit dem wir es zu tun haben, weiterhin Omicron sein wird.“ Auch in anderen Ländern zeichnet sich kein völlig neues Virus ab. Das führt ihn zu der derzeit recht positiven Einschätzung. Das bedeutet nicht, dass es im Winter nicht zu einer großen Zahl von Infektionen kommen wird. Er rechnet jedoch nicht mit dramatischen Patientenzahlen in den Krankenhäusern. „Und ich gehe auch davon aus, dass diese Welle später kommt als in den letzten Jahren, gerade wegen der vielen Infektionen, die den Sommer überstanden haben.“

Lauterbach erwartet „moderate Welle“

Virologe Christian Drosten formulierte die Aussichten eher düster. Er rechnet mit einer “starken Fallwelle” von Corona-Infektionen “noch vor Dezember”. Neue Varianten des Virus verursachen immer noch viele neue Krankheitsfälle, warnte der Leiter der Virologie an der Berliner Charité im Gespräch mit der „Süddeutschen Zeitung“. Schon bei leichten Erkrankungen dürfte dies zu erheblichen Arbeitsausfällen führen. „Infizierte kommen vielleicht nicht ins Krankenhaus, aber viele sind eine Woche krank. Wenn es zu viele auf einmal sind, wird es zum Problem“, sagte Drosten. Deshalb muss sich die Politik besser vorbereiten.

„Bevor so viele Menschen krank werden, dass man nichts mehr kaufen kann, Krankenhäuser nicht mehr funktionieren oder keine Polizisten auf der Wache sind, muss man Maßnahmen ergreifen“, sagte Drosten der SZ. Er forderte die Politik auf, sich jetzt um einen Konsens zu bemühen, „auf welche Signale wie zu reagieren ist“. Denn in “Notsituationen seien sofortige und durchaus drastische Entscheidungen gefragt”. Drosten rechnet unter anderem damit, dass das Tragen einer Maske in Innenräumen wieder notwendig wird.

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach erwartet eine Herbstwelle, allerdings nur eine “moderate”. In der „Rheinischen Post“ zeigte sich der GSDP-Politiker zuversichtlich, dass die Regierung „sehr gut auf alle Szenarien vorbereitet“ sei. „Wir werden die Corona-Welle in diesem Jahr unter Kontrolle halten“, sagte Lauterbach mit Blick auf das neue Infektionsschutzgesetz, das unter anderem das Tragen von FFP2-Masken „in Bussen und Bahnen, im Fernverkehr, in Kliniken“ verbietet und medizinischen Einrichtungen sowie in Arztpraxen”.