Marktbericht
Stand: 09.06.2022 12:39 Uhr
Die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank überschattete den Aktienmarkt, der DAX fiel zeitweise unter 14.300 Punkte. Was als nächstes passiert, hängt von den Worten von Christine Lagarde ab.
Der DAX fiel um etwa ein halbes Prozent auf 14.375 Punkte. Damit stabilisiert sich der deutsche Leitindex wieder. Zeitweise fiel er bis auf 14.287,74 Punkte und damit unter den Tiefststand des Vormonats von 14.329 Punkten. Die Charttechniker von Index Radar sehen in ihrer Analyse nun Potenzial zur Absenkung auf 14.200 und 14.000 Punkte durch Unterschreitung der 14.400-Punkte-Grenze.
Vor der heutigen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben sich die Anleger der Stimme enthalten. Die EZB dürfte aufgrund der hohen Inflation eine Kehrtwende in der Geldpolitik einleiten. „Es besteht kein Zweifel, dass der Druck auf EZB-Präsidentin Christine Lagarde angesichts der steigenden Inflation enorm ist“, sagte Naim Aslam, Chief Market Analyst beim Brokerage AvaTrade. Allerdings darf die Notenbank bei ihrem Kampf gegen die Inflation die aktuelle Konjunkturschwäche insbesondere in Deutschland nicht aus den Augen verlieren.
Lagardes Worte auf der goldenen Waage
„Mit der EZB-Sitzung und den US-Inflationsdaten am Freitag warten die Anleger auf die beiden Schlüsseldaten der Woche, um neue Positionen aufzubauen, sobald der Markt reagiert“, sagte Jochen Stanzl, Chief Market Analyst bei CMC Markets. . Der Marktbeobachter erklärt die Strategie der Anleger, indem er zunächst Gewinne aus Aktien vorweg nimmt, um sie aus dem Pfad des kurzfristigen Risikos zu verlagern.
Update der Wirtschaft vom 09.06.2022
Anne-Catherine Beck, HR, 09.06.2022, 21:48 Uhr
Die Entscheidung über den Zinssatz wird um 13:45 Uhr bekannt gegeben. Dann um 14.30 Uhr wird die Präsidentin der Zentralbank Lagarde die Einzelheiten erläutern. Anleger legen großen Wert auf deren Wortlaut, um Informationen über die künftige Zinspolitik der EZB zu erhalten. „Entscheidend für die Börsen wird sein, wie sich Lagarde zu möglichen großen Zinserhöhungen von 50 Basispunkten geäußert hat“, sagte Thomas Altman, Anlageberater bei QC Partners.
Euro im Fokus
Die europäische Einheitswährung blieb vor der Entscheidung der EZB über 1,07 $. Seit rund drei Wochen pendelt der Euro um diesen Wert. Die stärkere Bewegung auf dem Devisenmarkt kann zu dem Ergebnis der Zentralbanksitzung führen. Die straffere Geldpolitik der EZB dürfte den Euro stärken.
Neue Beschränkungen in Shanghai
Auch Nachrichten aus China wirken sich negativ aus: Wegen einer Coronavirus-Epidemie hat die Regierung Teile von Shanghai mit neuen Beschränkungen belegt. Die rund zweimonatige Quarantäne in der Wirtschaftsmetropole endete erst vor wenigen Tagen.
Chinas Exporte sind im Mai deutlich schneller gewachsen als von Experten erwartet. Die Volksrepublik meldete laut Zollbeamten eine Steigerung von 16,9 % gegenüber dem Vorjahr. Von Reuters befragte Analysten rechneten mit acht Prozent. Die Exporte stiegen im April um 3,9 %.
Das Öl zeigt eine leichte Schwäche
Die Ölpreise bleiben so hoch wie in den letzten Tagen, nachdem sie bis Mitte April einige der starken Gewinne aus dem russischen Krieg in der Ukraine zurückgegeben haben. Aktuell sinkt sie aber wieder.
Als Grund nannte Analyst Jeffrey Hali vom Maklerunternehmen Oanda erneute Pandemiebeschränkungen in Teilen von Chinas Wirtschaftsmetropole Shanghai. „Sie beleben die Angst vor einer erneuten Schwäche der lokalen Wirtschaft aufgrund der Strategie der Regierung für Null-Covid.“
„Die Begleitung zum Ölmarkt geht extrem nach oben“, schreiben Rohstoffexperten der Commerzbank. Namhafte Investmentbanken haben ihre Preisprognosen nacheinander angehoben, der Chef des Rohstoffhändlers Trafigura sieht den Ölpreis bald bei 150 Dollar je Barrel. Es ist daher nicht verwunderlich, dass zahlreiche Marktteilnehmer die Preise immer höher trieben.
„Das ist aber meist keine solide Basis für eine langfristige Entwicklung. Wir warnen daher davor, den aktuellen Preisanstieg einfach fortzusetzen“, so das Fazit der Experten.
Spotify hat große Ziele
Der Streamingdienst Spotify hat ehrgeizige Wachstumspläne angekündigt: Bis 2030 will die Audioplattform laut CEO Daniel Eck eine Milliarde Nutzer haben. Zudem soll sich der Umsatz auf jährlich 100 Milliarden US-Dollar (rund 93 Milliarden US-Dollar) fast verzehnfachen – unter anderem durch den Ausbau des Angebots an Podcasts und Hörbüchern. Spotify hat derzeit etwa 422 Millionen Nutzer.
Verstaatlichungsspekulationen treiben die EdF-Versorger an
In der Hoffnung auf ein Übernahmeangebot des französischen Staates investieren Investoren in EdF. Die Aktien des Unternehmens stiegen in Paris um rund sechs Prozent. Der französische Präsident Emmanuel Macron erwägt laut der Zeitung „Les Echoes“ eine Verstaatlichung …
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